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Kommentar

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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 05.07.2012

Ein drittes Auge ist überflüssig

Kontra: Torüberwachungsanlagen im Fußball

Von Jörg Degenhardt

Englands John Terry kickt im UEFA Euro 2012 Vorrundenspiel gegen die Ukraine den Ball aus dem Tor. (picture alliance / dpa / Vitaliy Belousov / RIA Novosti)
Englands John Terry kickt im UEFA Euro 2012 Vorrundenspiel gegen die Ukraine den Ball aus dem Tor. (picture alliance / dpa / Vitaliy Belousov / RIA Novosti)

Die Einführung der Torkamera könnte zum Fass ohne Boden werden in der Bewertung von Fußballspielen. Der Fußball hat bisher gut damit gelebt, dass man ihn so belassen hat wie er nun mal ist, meint Jörg Degenhardt.

Foul ist wenn der Schiedsrichter pfeift. Das gleiche gilt für ein Tor. Der Unparteiische entscheidet, ob ein Treffer zählt oder eben nicht. Was ist, wenn er jetzt eine Torkamera zur Unterstützung bekommt, als Entscheidungshilfe? Gibt es dann als nächstes den Videobeweis für die Schwalbe, also für die Showeinlage im Strafraum, für das Vortäuschen eines Fouls um einen Elfer zu schinden? Den Videobeweis für Handspiel oder nicht? Folgen dann Rufe nach der Technik für Abseitssituationen? Wird dann das Spiel unterbrochen? Und für wie lange?

Okay, man könnte in der Zeit eine Werbepause unterbringen. Reklame für Autos, Kaltgetränke und Bratwürste, was Fußballfans angeblich so mögen.

Oder eine Schalte zum Lerchenberg. Eine Extra-Kurz-ausgabe des Heute-Journals. In der kommenden Saison überträgt bekanntlich das ZDF die Champions League. Nein, um Bild zu bleiben, mit dem Zweiten sieht man schon besser, ein drittes Auge ist so überflüssig wie weitere Verbesserungsvorschläge für das schönste Spiel der Welt.

Mal ganz abgesehen von den Fragen, was diese neuen Technologien kosten und ob sie dann demnächst auch etwa in der dritten Liga oder im Amateurbereich zum Einsatz kommen sollen, mal abgesehen davon: Der Fußball hat bisher gut damit gelebt, dass man ihn so belassen hat wie er nun mal ist.

Natürlich ist das Ganze mehr als ein Spiel. Es geht um Millionen. Aber zuerst um Millionen Fußballfans. Die wollen sich mit ihrer Mannschaft freuen, sich die Haare raufen, wenn der Ball nicht den Weg in den Kasten findet, die wollen diskutieren in der Kneipe oder am nächsten Tag im Büro über tatsächliche oder vermeintliche Fehlentscheidungen des Schiedsrichters. Über Resultate, die vorher keine auf dem Zettel hatte.

Wollen wir wirklich auf Wembley-Tore verzichten? 1966, im WM-Finale gegen England, wurde Deutschland ein Treffer verweigert. 2010 in Südafrika wurde ein Tor der Engländer gegen die DFB-Elf nicht gegeben.

Das sei auch den traurigen Ukrainern zum Trost gesagt: Im Fußball sieht man sich immer zweimal, mindestens. Und für Gerechtigkeit sorgt der Fußballgott. Also, ihr Regelhüter des Weltfußballs, seid keine Spielverderber. Und lasst den Ball laufen wie bisher.

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