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Kulturnachrichten

Montag, 23. November 2015

Ehemaliger "Aspekte"-Leiter wirft Medien Vereinfachung vor

Schelte angesichts der Terror-Berichterstaatung

Der frühere Chef der ZDF-Sendung "Aspekte", Wolfgang Herles, hat den deutschen Medien Versagen bei der Terror-Berichterstattung vorgeworfen. "Die Medien lügen nicht, aber vereinfachen die Wirklichkeit bis zur Unkenntlichkeit", sagte er im Deutschlandradio Kultur. "Die Medien sollten mehr zweifeln, vor allem an sich selbst." Das Reaktionsmuster nach den Terrorattentaten von Paris sei dasselbe wie schon nach den Anschlägen auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" im Januar: Als Erstes würden Denkgrenzen gezogen, und Gegenmeinungen würden mit aller Schärfe als nicht diskursfähig zurückgewiesen. Das Problem sei, dass die Wahrheit um einiges undurchschaubarer sei als ihre Darstellung in den Medien, sagte er. Die Medien wollten vor allem der Mehrheit gefallen, Quote machen und Recht haben. Herles ermutigte Journalisten zu mehr Nüchternheit und Skepsis bei der Berichterstattung. Nach den Anschlägen von Paris am 13. November war Kritik an den deutschen Medien laut geworden. Vor allem der ARD wurde vorgeworfen, der Senderverbund habe nicht schnell genug auf die aktuelle Entwicklung reagiert.

Salman Rushdie will sich vom Terror nicht einschüchtern lassen

Bürger sollten die Terroristen auslachen

Der britisch-indische Schriftsteller Salman Rushdie, Autor der "Satanischen Verse", will sich vom Terror nicht einschüchtern lassen. Im Deutschlandradio Kultur erklärte er, die Terroristen hassten vor allem, dass „man Freude hat an kulturellen Dingen hat. Der fanatische Geist kann es nicht ertragen, dass jemand Lebensfreude, Lust, Spaß hat. Das heißt in dem Moment, in dem man seinen Spaß auslebt, wird das schon zu einem Akt der Rebellion gegen die Puritaner. Und das ist das, wie man reagieren muss, man muss seinen eigenen Lebensstil beibehalten. Es sei wichtig, die Terroristen „auszulachen und zu sagen, zum Teufel mit Euch, erklärte Rushdie weiter. Die Amerikaner hätten nach dem 11. September 2001 nach erstaunlich kurzer Zeit zu einem normalen Leben zurück gefunden, das könnte den Franzosen „mit ihrer Lebensfreude noch viel besser gelingen. Rushdie ist in diesen Tagen mit seinem neuen Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte", zusammen 1001 Nacht, auf Lesereise in Deutschland unterwegs. Auch wenn sein neues Buch eine aus den Fugen geratene Welt beschreibe, voller Krieg und Schrecken, sei es sein „witzigstes Buch - mit Komödie kann man in diesen Zeiten ganz gut durchkommen, meinte Rushdie.

Gerhard Henschel gewinnt Georg-K.-Glaser-Preis für Lebenswerk

Autor porträtiert Gesellschaft der alten BRD

Für sein Lebenswerk, einen umfangreichen Romanzyklus über die Gesellschaft der alte Bundesrepublik, ist der Schriftsteller Gerhard Henschel mit dem Georg-K.-Glaser-Preis 2015 ausgezeichnet worden. Der mit 10 000 Euro dotierte Preis wird seit 1998 gemeinsam vom Landessender Rheinland-Pfalz des Südwestrundfunks und dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur verliehen. Seit vielen Jahren beschäftige sich Henschel mit "der Gesellschaft der alten BRD, einer Gesellschaft, deren Verschwinden sehr viel leiser ausfiel als der Untergang der DDR", heißt es in der Begründung der Jury. In mittlerweile sechs Romanen beschreibe er den Weg seines Helden zu einer Existenz als freier Schriftsteller.

Islamismusforscher Mansour fordert Schulreform angesichts des Terrors

Psychologe vermisst aktuelle Debatten im Unterricht

Angesichts des Terrors und der Radikalisierung mancher Jugendlicher hat der Islamismusforscher Ahmad Mansour eine Schulreform gefordert. Jugendliche wollten über aktuelle politische Themen reden, bekämen in den Schulen meistens keine Antwort, weil die Lehrer nicht gut vorbereitet sind, kritisierte der Berliner Psychologe im ZDF-Morgenmagazin. "Leider merke ich, dass viele, viele Schulen damit überfordert sind." Die Jugendlichen suchten dann die Information im Internet und landeten meistens bei Rechtsradikalen oder Islamisten, sagte Mansour. Schule sei ein Ort, an dem viel erreicht werden könne. "Das bedeutet aber viel Geld, viel Ressourcen und vielleicht auch eine Schulreform, die wir unbedingt brauchen." Mansour ist Autor des islamkritischen Buches "Generation Allah" und arbeitet bei der Berliner Beratungsstelle "Hayat" (zu Deutsch: Leben).

Uni-Projekt bringt Studierende mit behinderten Flüchtlingskindern zusammen

"Buddy-Kamerad" zur Integration behinderter Flüchtlingskinder

Die Universität Oldenburg hat ein nach eigenen Angaben bundesweit einmaliges Projekt zur Integration behinderter Flüchtlingskinder gestartet. Zehn Masterstudierende der Sonderpädagogik sollen ein Jahr lang je ein behindertes Kind zwischen fünf und 15 Jahren als "Buddy-Kamerad" begleiten, teilte die Professorin für Sonder- und Rehabilitationspädagogik, Monika Ortmann, mit. Zum Abschluss des Seminars sollen konkrete Handlungsempfehlungen für den Umgang mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen entwickelt werden. Der direkte Kontakt helfe den Kindern und ihren Familien genauso wie den angehenden Lehrerinnen und Lehrern, sagte Ortmann. Derzeit bereiteten sich die "Buddys" auf das Projekt vor, indem sie etwas über die Kultur der Heimatländer ihrer Schützlinge und auch Arabisch oder Kurdisch lernten. Außerdem erführen sie von Experten, was Krieg, Verfolgung und Flucht in Menschen auslösen können. Noch in diesem Jahr sollen sich die "Buddys" und die Kinder kennenlernen.

"Salzburger Stier" für Kölner Kabarettisten Martin Zingsheim

Bedeutendste Radio-Kleinkunstpreis für deutschsprachigen Raum

Der Radio-Kabarettpreis „Salzburger-Stier 2016 geht an den Kölner Kabarettisten Martin Zingsheim. Die Jury zeichnet Zingsheim, Jahrgang 1984, aus für herausragende Leistungen sowohl auf deutschsprachigen Kleinkunstbühnen als auch im Hörfunk. Der Preis der Schweizer Jury geht an die Ostberliner Wahlschweizerin Uta Köbernick, Jahrgang 1976. Für Österreich erhält der Wiener Gerry Seidl, Jahrgang 1975, die begehrte Auszeichnung. Der "Salzburger-Stier" ist der bedeutendste Radio-Kleinkunstpreis für den deutschsprachigen Raum. Er ist mit 6.000 Euro dotiert und wird jedes Jahr von öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verliehen. Jedes der Länder wählt einen Preisträger.

Musikhistoriker Wolff in Orden Pour le mérite aufgenommen

Derzeit 39 deutsche und 39 ausländische Mitglieder

Der Musikhistoriker Christoph Wolff ist zum neuen Mitglied des Ordens Pour le mérite gewählt worden. Dem renommierten Orden gehören damit derzeit 39 deutsche und 39 ausländische Mitglieder an, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin mitteilte. Die Künstler- und Gelehrtenvereinigung war 1842 von Preußen-König Friedrich Wilhelm IV. gegründet und 1952 von Bundespräsident Theodor Heuss wiederbelebt worden. Aufgenommen werden Menschen, die sich in Kunst oder Wissenschaft einen besonderen Namen gemacht haben. Der Bach- und Mozart-Experte Wolff (Jahrgang 1940) wurde bei der Sitzung des Ordens am 27. September in Magdeburg gewählt. Er habe die Wahl inzwischen angenommen.

Deutscher Diplomat wird Nummer zwei der Unesco

Politikwissenschaftler Vorsitzender des Exekutivrates

Michael Worbs (65), deutscher Diplomat, ist neuer Vorsitzender des Unesco-Exekutivrates. Das teilte die Deutsche Unesco-Kommission in Bonn mit. Der Vorsitzende des Exekutivrates ist nach dem Generaldirektor das zweitwichtigste Amt in der Weltkulturorganisation. Das Gremium koordiniert die Arbeit der Unesco zwischen den alle zwei Jahre stattfindenden Generalkonferenzen. Der Politikwissenschaftler, Germanist und Literaturwissenschaftler Worbs ist seit 2012 Deutschlands Ständiger Vertreter bei der Weltkulturganisation. Zuvor war er unter anderem als Generalkonsul in Rio de Janeiro und als Botschafter in Kuwait tätig.

Polnische Regierung fordert Absetzung von Jelinek-Stück

Grund: angebliche sexuelle Handlungen auf der Bühne

Wenige Tage nach ihrem Amtsantritt hat Polens konservative Regierung die Aufführung von Elfriede Jelineks "Der Tod und das Mädchen" im staatlichen Polnischen Theater in Breslau (Wroclaw) zu unterbinden gesucht. Grund waren angebliche sexuelle Handlungen auf der Bühne. Aus Sicht von Vizeregierungschef und Kulturminister Piotr Glinski verstoße die Inszenierung gegen "Prinzipien des gesellschaftlichen Zusammenlebens", Berichten zufolge treten in dem Stück tschechische Pornodarsteller auf. Die Premiere am Samstagabend fand dennoch statt. Der Chef des Breslauer Theaters, Krzysztof Mieszkowski, der auch Abgeordneter des polnischen Parlaments ist, forderte den Rücktritt des Kulturministers. Er warf Glinski einen präzedenzlosen Zensurversuch vor. Das staatliche Fernsehsender TVP suspendierte unterdessen eine Reporterin, die dem Minister am Wochenende in einem Interview kritische Fragen gestellt hatte.

Cornelia Funke: Es ist sehr gut, dass wir sterblich sind

Die letzten 24 Stunden wie einen gewöhnlichen Tag verbringen

An ihrem letzten Tag möchte die deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin früh aufstehen, wenn die Stadt noch schläfrig ist, und mit ihrem roten Cabriolet an ihre Lieblingsorte fahren. "Ich möchte diesen Tag lieber leicht angehen. Wenn es an der Zeit ist, sich von seiner Existenz zu verabschieden, sollte man diese Welt noch einmal ganz klar wahrnehmen statt zu grübeln", sagte Funke dem Magazin "Cicero". Die Schriftstellerin, die in Los Angeles lebt, findet das mexikanische Verständnis vom Tod sehr schön. Die Toten blieben in der Familie, und am Tag der Toten, dem "Día de los Muertos", werde gefeiert statt getrauert: "Ich kann Leute nicht verstehen, die sich eine Art der Unsterblichkeit wünschen. Denn die eigene Identität ist doch sehr begrenzt." Am späten Nachmittag ihres letzten Tages möchte Funke ihre Familie und Freunde in ihren Garten einladen, um sich zu verabschieden. "Doch ich würde sie rechtzeitig wieder losschicken, damit sie nicht traurig werden. Die 56-jährige Funke bezeichnete den Tod als große Wandlerin: "Ohne den Tod gibt es überhaupt nichts. Es ist sehr gut, dass wir sterblich sind."

Ralph Siegel sieht Ruf des ESC nicht in Gefahr

Produzent wünscht sich klassischen Vorentscheid mit Publikumsabstimmung

Der Komponist und Produzent Ralph Siegel sieht den Ruf des Eurovision Song Contest nach dem Debakel um die Nominierung Xavier Naidoos nicht in Gefahr. "Es ist eines der vielen Probleme, die immer wieder in regionalen Vorausscheidungen vorkommen - egal in welchem Land oder mit welchem Lied oder Interpreten", sagte er "Focus Online". Xavier Naidoo könne einem leidtun, der Sänger werde sich aber "mit seinen guten Songs und Sendungen" wieder von den "paar Imageverletzungen" erholen, ist Siegel überzeugt. Der NDR hatte Naidoo am Donnerstag für den ESC nominiert - und diesen Beschluss nach heftiger Kritik am Samstag wieder zurückgezogen. ARD und NDR machten es sich aus seiner Sicht schwerer als nötig, erklärte der Produzent. Das Publikum habe deutlich gezeigt, dass es den ESC-Repräsentanten selbst wählen wolle. Er wünsche sich, dass der NDR nun einen Vorentscheid mit Publikumsabstimmung und geeigneten Künstlern organisiere. Er selbst zum Beispiel würde gern wieder einmal für Deutschland ins ESC-Rennen gehen, erklärte Siegel.

Mehr Besucher bei Messe Cologne Fine Art

Ausweitung auf zeitgenössische Kunst verhalf zum Anstieg

Die Ausweitung der Cologne Fine Art auf zeitgenössische Kunst hat der Messe zu einem Besucheranstieg verholfen. Zu der sechstägigen Schau seien rund 15 500 Besucher gekommen, etwa 1500 mehr als im Vorjahr, teilten die Veranstalter mit. An der Messe beteiligten sich 107 Galerien und Kunsthändler, deren Spektrum von der Antike bis zum 20. Jahrhundert reichte. Erstmals wurden Kunstwerke angeboten, die nach dem Jahr 2000 entstanden sind. Die 40 Aussteller aus diesem Bereich kamen alle aus dem Rheinland und wurden von der Messe speziell eingeladen. "Das Experiment ist geglückt", sagte Cornelia Zinken, Direktorin der Cologne Fine Art.

Kleist-Preis an Monika Rinck verliehen

Laudatio Im Berliner Ensemble hielt Heinrich Detering

Die Berliner Autorin Monika Rinck hat den diesjährigen Kleist-Preis im Theater am Schiffbauerdamm verliehen bekommen. Die Laudatio hielt der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Heinrich Detering. Er hat – als von der Jury der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft gewählte Vertrauensperson – Rinck in alleiniger Verantwortung, der Tradition des Kleist-Preises gemäß, zur Preisträgerin bestimmt. Die Matinee zur Preisverleihung wurde vom Chef des Berliner Ensembles, Claus Peymann, inszeniert. Bekannt wurde Rinck durch Lyrik, Prosa und Essays, durch interdisziplinäre wie intermediale Grenzüberschreitungen. „Rincks Registerreichtum ist so stupend wie ihr Witz. Ihre Texte können alles zugleich sein: virtuos und gelehrsam, berührend und pointenreich, humorvoll und melancholisch, so die Begründung. Ihr Werk wurde mehrfach bereits ausgezeichnet, u.a. mit dem Ernst-Meister-Preis 2008, dem Georg-K.- Glaser-Preis 2010, dem Berliner Kunstpreis-Literatur 2012 und dem Peter-Huchel-Preis 2013.

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Fazit

Antike Kunst in ÄgyptenMuseum in Mallawi wieder eröffnet
Die Büste des Pharaos Echnaton im Museum in Luxur  (picture alliance/dpa/Foto: Rech)

Während Ausschreitungen in 2013 wurde das Museum für Altertümer im oberägyptischen Mallawi geplündert und zerstört. Nach einer liebevollen Restaurierung ist es jetzt wiederöffnet worden. Damit soll auch ein Zeichen des Neuanfanges in der Region gesendet werden. Mehr

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