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Ehebruch mit Happyend

Giuseppe Verdis "Stiffelio" aus der Wiener Staatsoper

Szenenfoto der Aufführung "Stiffelio"
Szenenfoto der Aufführung "Stiffelio" (Axel Zeininger)

Während längerer Abwesenheit ist Stiffelio, ein protestantischer Pastor, von seiner Frau Lina betrogen worden. Ihr Vater Stankar kann die Schande nicht mehr ertragen und will sich umbringen. Dann richtet er jedoch den Verführer Raffaele. Stiffelio sinnt ebenfalls zunächst auf Rache. Doch wie er während seiner Predigt voller Inbrunst die Stelle des Johannesevangeliums zitiert, wo Christus der Ehebrecherin verzeiht, wird klar, dass auch er seiner Frau verziehen hat.

Im Gegensatz zu "Otello", wo ein vermeintlicher Ehebruch zum Mord an der geliebten Frau führt, endet diese Oper überraschend mit Vergebung der tatsächlichen Untreue. Aber bei Stiffelio handelt es sich um einen Vertreter Gottes, der auf der Höhe seiner Rachelust eher zufällig den richtigen Bibeltext aufschlägt. Ein genialer Einfall des Librettisten Francesco Maria Piave.

1850 brachte Giuseppe Verdi den Sektenführer Stiffelio auf die Bühne, in Triest, wo die österreichische Zensur das Werk zusammenstutzte. Sieben Jahre später hat er versucht, das Stück zu retten, indem die Oper eine neue Handlung und den Titel "Aroldo" bekam. Die erste Wiederaufführung des Original-"Stiffelio" fand 1968 im Teatro Regio in Parma statt.

Stiffelio ist keine authentische historische Figur, aber es gibt viele Spuren, die zu einem Theologen namens Michael Stiefel führen, lateinisch Stiffelius. Er war zu Zeiten Martin Luthers der erste protestantische Prediger auf österreichischem Boden. Der Name seiner Gönnerin Dorothea Jörger hat ebenfalls Eingang in das Libretto der Oper gefunden. Dorothea ist Linas Kusine und Jorg ist der alte Geistliche, der Stiffelio immer wieder auf die Kraft des Glaubens hinweist. Über die Biografie des Predigers gab es ein französisches Theaterstück, das auch in italienischer Übersetzung vorlag. Allerdings hat Piave die Handlung nicht zur Reformationszeit, sondern Anfang des 19. Jahrhunderts angesiedelt, als Protestanten aus dem katholischen Tirol vertrieben wurden.



Euroradio-Opernsaison 2008/09
Wiener Staatsoper
Aufzeichnung vom 13.2.2009


Giuseppe Verdi
”Stiffelio”, Oper in drei Akten
Libretto: Francesco Maria Piave


José Cura, Tenor - Stiffelio
Hui He, Sopran - Lina
Anthony Michaels-Moore, Bariton - Stankar
Gergely Németi, Tenor - Raffaele
Alexandru Moisiuc, Bass - Jorg
Benedikt Kobel, Tenor - Federico
Elisabeta Marin, Mezzosopran - Dorotea
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Leitung: Michael Halász


nach dem 1. Akt ca. 20:00 Uhr Konzertpause mit Nachrichten

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