Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
Dienstag, 31. Mai 2016MESZ07:53 Uhr

Interview / Archiv | Beitrag vom 05.08.2014

Ecclestone-Prozess"Ein Urteil fällt Sparzwängen zum Opfer"

Ingrid Müller-Münch kritisiert Entscheidung des Münchner Landgerichts

Moderation: Burkhard Birke und Thorsten Jabs

Der Formel-1-Chef Bernie Ecclestone steht am 05.08.2014 in München (Bayern) im Landgericht München I vor Prozessbeginn im Verhandlungssaal. (dpa / Peter Kneffel)
Das Münchener Landgericht hat den Prozess gegen Formel-1-Boss Ecclestone eingestellt. (dpa / Peter Kneffel)

Gegen eine Zahlung von 100 Millionen Dollar wird der Schmiergeld-Prozess gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone eingestellt. Die Journalistin Ingrid Müller-Münch findet das "unanständig" und fordert eine Neuregelung von Deals vor Gericht.

Der Zorn über die Entscheidung sei "verständlich", sagt Müller-Münch. "Es kann nicht sein, dass der Gerichtssaal zum Basar wird und derjenige, der besonders viel Kohle hat und besonders viel Geld, sich dann freikauft."

Gerade die Ecclestone-Geschichte zeige sehr gut, dass Recht und Gerechtigkeit "zwei Paar Schuhe" seien, so die langjährige Gerichtsreporterin.

"Derjenige, der bestochen wurde, nämlich Gerhard Gribkowsky, der sitzt für achteinhalb Jahre im Gefängnis. Aber der Bestecher, derjenige, der die 44 Millionen Dollar gezahlt hat und ihn geschmiert haben soll, sag ich jetzt mal, weil es gibt ja kein Urteil darüber - der kam heute gegen die Auflage von 100 Millionen Dollar frei."

Die Ursachen für solche Deals sieht Müller-Münch in Sparzwängen und einer unterbesetzten Justiz. Früher habe am Ende eines Strafprozesses ein Urteil gestanden.

"In diesem Fall sieht man mal wieder, dass es darum gar nicht mehr geht. Es geht gar nicht mehr um das Herausfinden der Wahrheit, sondern es geht darum, Verfahren abzukürzen, der Justiz Zeit zu sparen. Man kann fast sagen: Ein Urteil fällt Sparzwängen zum Opfer."

 

Mehr zum Thema:

Fall Ecclestone - Gericht stellt Prozess ein (Deutschlandfunk, Aktuell, 05.08.2014)

Causa Ecclestone - "Deals sollten massiv eingeschränkt werden" (Deutschlandfunk, Interview, 04.08.2014)

Interview

Hass auf Schwule in RusslandWas tun? Nicht aufgeben!
Zwei Männer küssen sich. (picture alliance / dpa)

Die Situation der Homosexuellen in Russland ist prekär, und Präsident Putin kümmert das wenig. Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband sieht die Diskriminierung in einem größeren Zusammenhang: als Teil einer antidemokratischen Entwicklung.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj