Seit 23:05 Uhr Fazit
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 23:05 Uhr Fazit
 
 

Profil / Archiv | Beitrag vom 24.04.2008

Durch Zufall zum Film

Der Schauspieler Max Riemelt

Von Camilla Hildebrandt

Der Schauspieler Max Riemelt (Robert Recker)
Der Schauspieler Max Riemelt (Robert Recker)

Es war seine Mutter, die Max Riemelt zu Castings schickte. Bis heute hat der 24-jährige Berliner keine Schauspielschule besucht. Sein Durchbruch kam mit der Rolle des Arbeiterjungen Friedrich in "Napola - Elite für den Führer". In "Lauf um dein Leben - Vom Junkie zum Ironman", der jetzt in die Kinos kommt, spielt er seine zweite Traumrolle.

Entspannt kommt der junge Mann mit den blonden Haaren und den hellblauen Augen zur Tür des Cafés herein, schlendert zum Tisch, bestellt sich eine Tasse Tee und zieht seine schwarze Jacke aus, unter der ein breites, durchtrainiertes Kreuz zum Vorschein kommt. Das Resultat von zwei Jahren Kickboxen.

Max Riemelt: "Ich könnte jetzt nicht sagen, wie es wäre, ohne meinen Sport, mittlerweile ist es ein großer Teil meines Lebens, so dass ich sagen muss: undenkbar, ohne diesen Sport klarzukommen."

Abgesehen von der körperlichen Fitness lerne er durch das Kickboxen sich selbst kennen, erklärt der heute 24-jährige Max Riemelt, der schon mit 17 zu Hause auszog, das heißt bei seiner Mutter und dem jüngeren Bruder, um sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Damals arbeitete er schon seit vier Jahren vor der Kamera.

"Ich habe ziemlich früh gemerkt, wie mir das wieder Struktur in meinen Alltag bringt. An den Stellen, wo ich nicht arbeite oder die Schule besuche, brauche ich etwas Festes, woran man sich orientieren kann. Aus meiner Sicht ist es eine Klarheit, die geschafft wird im Kopf. (…) Man weiß, wo man körperlich steht, aber auch mit sich selbst und seinen Problemen. Das relativiert vieles und bringt einen wieder zurück an den Punkt, wo man kein Schauspieler ist, und das ist ganz wichtig."

Die Schauspielerei - nein, das sei nie sein Traum gewesen, eher Zufall, sagt Max Riemelt schmunzelnd. Und für eine Schauspielausbildung war auch nie Zeit.

"Ich hatte geschweige denn eine Ahnung noch eine Vorstellung, wie Film abläuft, ich wurde sozusagen entdeckt durch Castings, wo ich immer wieder hingeschickt wurde, weil meine Mutter meinte, es ist gut, etwas anderes zu machen, außer rumzuhängen und mit Freuden zusammenzusein."

Seine erste Rolle spielt er mit 13 in einer TV-Serie; mit 16 ist er auf der Leinwand zu sehen, in Dennis Gansels Film "Mädchen Mädchen". Und 2005, ebenfalls unter der Regie von Gansel, kommt der große Durchbruch: Max Riemelt spielt den Arbeiterjungen Friedrich, der wegen seiner sportlichen Begabung für das Nazi-Eliteinternat "Napola" entdeckt wird.

Filmszene aus "Napola":
"Ich könnt auf eine Schule gehen, aber Papa will das nicht."
"Was für eine Schule?"
"Eine ganz besondere, sie liegt in einer großen Burg, da gibt es einfach alles: richtige Duschen, eine eigene Boxhalle und sogar Segelflugzeuge."

Riemelt: "Es war eine Traumrolle auf jeden Fall, wie jetzt vor einem Jahr auch 'Ironman' bzw. 'Lauf um dein Leben', war es damals auch 'Napola', wo ich gedacht habe, die Rolle muss ich unbedingt spielen."

Friedrich ist begeistert von den Ausbildungs- und Sportmöglichkeiten und stolz "dazuzugehören". Die Ideologie der Nazis wird ihm erst bewusst, als sein bester Freund sich umbringt und die Schüler mit dem Gewehr in den Wald geschickt werden, um vermeintliche Feinde - Kinder - zu erschießen.

Filmszene aus "Napola":
"Mein Vater nimmt mich von der Schule und schickt mich an die Ostfront, außerdem soll ich noch einen Aufsatz schreiben, in dem ich alles richtig stelle."
"Warum musstest du auch diesen Aufsatz schreiben?"
"Ich konnte nicht anders."
"Aber du hast doch niemandem damit geholfen."
"Doch!"
"Na, wem denn, erklär´s mir bitte, denn ich verstehe es nämlich nicht!""

Für Max Riemelt, der für seine Rolle in "Napola" mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, ist dieser Film ein sehr gutes Lehrstück für den Schulunterricht. Riemelt weiß, wovon er redet, denn nach wie vor ist es sein Ziel, das Abitur nachzuholen. Und im Geschichtsunterricht, erzählt er, werde seiner Meinung nach das Thema Nationalsozialismus nicht ausführlich genug behandelt.

"Er ist moralisch am Anfang gar nicht korrekt, was aber den Zuschauer viel näher an die Figur heranbringt, um so auch besser nachempfinden zu können, wie und aus welchen Gründen er dann tatsächlich begreift, was er da macht und was er auch falsch macht. Das, denke ich, ist eine bessere Herangehensweise, als von vornherein abzuwiegeln und zu sagen: das und das ist falsch und darf nie wieder passieren, und damit ist es abgehandelt. Das ist einfach zu flach und nicht wirklich greifbar für die Meisten."

Lauf um dein Leben (NUR IM ZUSAMMENHANG MIT DEM FILMSTART)In seinem neusten Film steht Max Riemelt - der heute noch im Berliner Kiez Mitte lebt, wo er aufwuchs - wieder als Sportler vor der Kamera, diesmal aber mit einer ganz anderen Thematik. "Lauf um dein Leben - Vom Junkie zum Ironman" erzählt die wahren Erlebnisse von Andreas Niedrig.

Filmszene aus "Lauf um dein Leben":
"In meinem zweiten Leben will ich in Holland geboren werden."
"Ja, mann, im Coffee-Shop!"
"Ismael, wenn alle so viel kiffen würden wie er, gäbe es keine Kriege mehr."

Andreas Niedrig ist Heroin abhängig. Um von den Drogen loszukommen, beginnt er mit dem Training für den härtesten Sport-Wettkampf der Welt - den Ironman. Der Sport sei für Niedrig wie eine "Ausweich-Droge" gewesen, erklärt Max Riemelt. Sein Leben auf der Leinwand wiederzugeben, das war für ihn die zweite Traumrolle. Mehrmals hat er sich mit ihm getroffen. Niedrig trainiert nach wie vor für den Ironman und hat dieses Jahr in Südafrika den neunten Platz belegt. Ob Max Riemelt diese extreme Wandlung vom Junkie zum Hochleistungssportler nachvollziehen kann?

"Ich will nicht sagen, dass Sport mein Leben regelt, nur der Mensch braucht immer so ein paar Stützen, wo er sich ab und zu raufstützen kann, um nicht umzufallen. Und dieser Sport, auch wenn er noch so extrem ist, ist ein Weg, um sich komplett neu zu definieren, noch mal neu anzufangen und seinem Leben wieder einen Sinn zu geben."

Filmszene aus "Lauf um dein Leben":
"Okay, Coach, ich will meinen Wettkampf - ich muss lebensmüde sein - aber was heißt das schon für jemanden, der schon mal tot war!"

Mehr bei deutschlandradio.de

Externe Links:

Film-Homepage: "Lauf um dein Leben - Vom Junkie zum Ironman“

Profil

Poetry-SlamSelbstzweifel in Reime verpackt
Poetry-Slammerin und Psychologie-Studentin Julia Engelmann während einer NDR-Fernsehsendung (dpa picture alliance/ Georg Wendt)

Poetry-Slammerin Julia Engelmann wurde mit einem einzigen Video im Internet schlagartig bekannt. Nun hat sie ein Buch herausgebracht und geht damit auf Tour. Den Rummel um ihre Person sieht sie gelassen. Mehr

Chor der Woche Leichtigkeit für die Deutschen
Blick auf das Münchner Rathaus, aufgenommen am 11.03.2003. (picture alliance / dpa / Jochen Eckel)

Es ist ein kleines Ensemble für Laien mit Anspruch - und eine feste Größe in der Münchner Musikszene: der Chor "Catchatune". Die Brasilianerin Lilian Zamorana versucht vor allem, Leichtigkeit zu vermitteln.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur