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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 26.07.2011

Drogen aus der Apotheke

Die Sorgen der Tschechen mit dem Medikamenten-Schmuggel

Von Kilian Kirchgeßner

Die Behörden in Prag sind alarmiert und es gibt die ersten Maßnahmen gegen den Schmuggel von Medikamenten. (Stock.XCHNG)
Die Behörden in Prag sind alarmiert und es gibt die ersten Maßnahmen gegen den Schmuggel von Medikamenten. (Stock.XCHNG)

Vor einem Jahr hat die UNO Tschechien offiziell gewarnt: Auf dem internationalen Markt tauchten immer mehr pharmazeutische Drogen tschechischer Herkunft auf. Die Prager Polizei vermutet, dass sich Patienten das Medikament von mehreren Ärzten verschreiben lassen. So kommen sie an größere Mengen, die sie dann gewinnbringend verkaufen können.

Der Trick ist denkbar einfach: Wer etwa heroinsüchtig ist und an einem Entzugsprogramm teilnehmen will, kommt in Tschechien problemlos an die begehrten Mittel.

"Man geht zum Arzt, lässt sich das Medikament verschreiben und löst das Rezept bei der Apotheke ein","

sagt Michal Hammer von der Drogen-Sonderkommission der tschechischen Polizei.

""Statt das Mittel aber selbst zu nehmen, wird es verkauft. Für den Erlös kann man sich dann wieder klassisches Heroin besorgen."

Es geht um Medikamente mit dem Wirkstoff Buprenorphin, die auf dem weltweiten Schwarzmarkt so begehrt sind. Dieser Wirkstoff wird vor allem in Entzugsprogrammen verwendet, um Drogenabhängige vom Heroin zu entwöhnen. Weil sie aber selbst auf einer ähnlichen Basis funktioniert, sind die Präparate unter Süchtigen ein gefragtes Mittel – und damit werden sie zum wertvollen Schmuggelgut. Polizist Michal Hammer:

"Was ich am alarmierendsten finde: Dass sich Subutex als Droge etabliert bei Leuten, die noch nie Drogen genommen haben."

Dass gerade aus Tschechien so viel dieser Substanz auf dem europaweiten Schwarzmarkt auftaucht, ist nicht verwunderlich: Während das Entzugsmedikament in anderen Ländern nur unter ärztlicher Aufsicht genommen werden darf, ist es in Tschechien gegen Rezept an jeder Apotheke erhältlich. Eine Lücke, die sich offenbar manche Abhängige zunutze machen.

Veronika Petlakova von der tschechischen Arzneimittel-Kontrollbehörde:

"Bei unseren Kontrollen haben wir festgestellt, dass manche Patienten zum Beispiel Subutex von verschiedenen Ärzten verschrieben bekommen haben. Einmal kam es sogar vor, dass jemand 60 Packungen auf einmal bei der Apotheke abgeholt hat, das ist eine völlig unübliche Menge."

Ein ganzes Dorf könnte man mit solchen Mengen auf Entzug setzen, heißt es unter Experten hinter vorgehaltener Hand. Wer eine solche Menge der Substanz verkauft, macht damit ein gutes Geschäft. Polizist Michal Hammer:

"Es lässt sich nur schwer sagen, wie viel davon wirklich vorschriftsgemäß verwendet worden ist und wie viel über die Grenzen geht."

Immerhin: Die Zahl der ausgegebenen Präparate stagniert, offenbar kommt es nicht mehr zu einer weiteren Verschärfung der Situation. Das dürfte auch ein Ergebnis der Warnung vor dem unlauteren Handel sein, die die UNO vor einem Jahr an die tschechische Regierung adressiert hat. Seither sind die Behörden alarmiert, und es gibt auch die ersten Gegenmaßnahmen. Veronika Petlakova von der Arzneimittel-Kontrollbehörde:

"Es gibt jetzt ein Verzeichnis der Patienten, die mit dem betreffenden Wirkstoff behandelt werden. Der Arzt soll an diese zentrale Stelle melden, wem er das Medikament verschreibt. Damit können wir verhindern, dass sich Patienten Rezepte bei mehreren Ärzten holen."

Welchen Weg die illegal verkauften Präparate nehmen, ist offiziell nicht bekannt. Vieles wird vermutlich in Richtung Deutschland, Frankreich oder Spanien geschmuggelt, wo es höhere Preise erzielt als in Tschechien.

"Ich sage es nur ungern, aber viel kann man dagegen wohl nicht unternehmen","

sagt Michal Hammer vom Drogen-Kommando der Prager Polizei.

""Das wäre eine Aufgabe für ganz Europa. Wir von der Polizei können nur löschen."

Helfen könnten einige Gesetzesänderungen, die Experten von der tschechischen Politik fordern: Wenn Patienten etwa nur noch bestimmte Mengen der Medikamente ausgehändigt bekämen oder nur noch ausgewählte Ärzte sie verschreiben könnten, sei das ein wichtiger Schritt für die Problemlösung.

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