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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 12.10.2011

"Dreiviertelmond"

Film über einen Taxifahrer, der mit einem türkischen Mädchen Freundschaft schließt

Gesehen von Hans-Ulrich Pönack

Elmar Wepper als Taxifahrer und Mercan Türkoglu als selbstbewusste Göre. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)
Elmar Wepper als Taxifahrer und Mercan Türkoglu als selbstbewusste Göre. (picture alliance / dpa / Daniel Karmann)

Nach 30 Ehejahren hat die Frau eines von Elmar Wepper gespielten Nürnberger Taxifahrers plötzlich einen anderen. Doch damit nicht genug: Plötzlich sitzt ein türkisches Mädchen in seinem Auto und braucht seine Hilfe.

Sein Leinwand-Durchbruch kam spät, aber immerhin. In Doris Dörries Seelen-Drama "Kirschblüten – Hanami" war er, neben Hannelore Elsner, der melancholische Sympathieträger. Elmar Wepper, der am 16. April 1944 in Augsburg geborene jüngere Bruder von Fritz Wepper, tritt vor allem im Fernsehen auf – zum Beispiel in "Zwei Münchner in Hamburg" mit Uschi Glas oder als Synchronsprecher von Mel Gibson, Dudley Moore, Gene Wilder oder Ryan O’Neal.

In "Dreiviertelmond" wurde ihm die Rolle des grantelnden Taxifahrers in der oberfränkischen "Metropole" Nürnberg quasi auf den Leib geschrieben. Drehbuch-Autor und Regisseur ist der 37-jährige Würzburger und zweifacher "Grimme"-Preisträger Christian Zübert. "Dreiviertelmond" ist nach "Lammbock – Alles in Handarbeit" (2001) und "Der Schatz der weißen Falken" (2005) sein dritter Kinofilm, nach diversen TV-Arbeiten (wie der BR-"Tatort – Nie wieder frei sein").

Taxifahrer Helmut Mackowiak ist gerade nicht gut drauf. Nach 30 Ehejahren hat ihn seine Frau verlassen, was ihn in eine Art Schock- und Wutstarre versetzt. Weil auch der Kontakt zu seiner Tochter mehr als dürftig ist, steht er plötzlich ziemlich alleine da. Und dann sitzt auch noch diese Frau mit diesem Kind in seinem Auto - offensichtlich eine junge türkische Mutter mit ihrer Tochter. Mackowiak ist bedient, nölt mit seinen Vorurteilen herum, bekommt ein schnelles "Nazi" zurück.

Und was noch doller ist: So plötzlich wie unerwartet hat er die Sechsjährige, die der deutschen Sprache unkundige Hayat, an der Backe. Denn deren Familienmitglieder sind derzeit "nicht verfügbar", also muss Helmut mehr oder weniger ´ran. Zunächst natürlich ganz und gar nicht einverstanden. Aber, wie Grönemeyer (allerdings nicht im Film) singt, "und der Mensch heißt Mensch"…

Also beginnt die merkwürdige Odyssee dieses oberfränkischen Zausels mit dieser selbstbewussten kleenen türkischen Göre. Die sich nicht abwimmeln lässt und die es dann nach und nach irgendwie mit ihrer "kindlichen Vernunft" schafft, diesen alten Dösbaddel doch wieder ins Leben zurückzuholen.

Ein ruhiger Menschen-Film. Mit einigem "Culture Clash"-Pfeffer und sensiblem Humor. Nicht immer ganz geschickt konstruiert, vor allem in den bemühten Eheauslauf-Motiven, aber insgesamt fein spürbar. Weil es Elmar Wepper nicht krachen lässt, sondern einen bekannten Typen hervorkehrt, der sich selbst ziemlich eingemauert hat und der sich nun durch dieses kleine zauberhafte Wesen namens Hayat mit ihrem berührenden Zahnlückenlächeln (toller Charme-Bolzen: Debütantin Mercan Türkoglu) zaghaft zu öffnen beginnt.

Elmar Wepper benötigt keine große (An-)Sprache, ist körpersprachlich angenehm präsent als charismatischer Sauhund. Beide spielen sich die überzeugenden, amüsanten Pointen bisweilen blitzsauber zu. "Dreiviertelmond" oder: Eine teutonische Verschmitztheit.

Deutschland 2010, Regie: Christian Zübert, Hauptdarsteller: Elmar Wepper, Mercan Türkoglu, Ivan Anderson, Özay Fecht, Katja Rupé. Länge: 94 Minuten, ab 6 Jahren.

Filmhomepage "Dreiviertelmond"

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