Sonntag, 23. November 2014MEZ03:17 Uhr

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsViele Meinungen zum "Zeugenhaus"
Die Schauspieler Gisela Schneeberger, Edgar Selge, Iris Berben, Udo Samel und Jeff Burrell präsentieren den ZDF-Film "Das Zeugenhaus", der am 24. November ausgestrahlt wird.

Eine "scharfsichtige filmische Diagnose" zur Nachkriegszeit hat die NZZ gesehen. Ganz anders, nämlich als "quälend" erlebte die FAZ den prominent besetzten ZDF-Film "Das Zeugenhaus" nach einer wahren Geschichte, in dem KZ-Überlebende mit Nazis frühstücken. Mehr

weitere Beiträge

Fazit

"Rimini Protokoll"Hitzewelle auf der Hinterbühne
Die Umweltexperten Florian Rauser, Satya Bhowmik, Schirin Fahti, Kenneth Gbandi, Sabine Hain, Bernd Hezel und Ana Soliz Landivar Stange (l-r) agieren am 18.11.2014 in Hamburg auf der Fotoprobe von "Welt-Klimakonferenz". Das Projekt von Rimini Protokoll, bei dem die Zuschauer die Rollen der Teilnehmer einer internationalen Klimakonferenz übernehmen, feiert seine Uraufführung am 21.11.2014 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Foto: Markus Scholz

"Rimini Protokoll" gab mit der "Welt-Klimakonferenz" in Hamburg eine große Rollenspiel-Party, die zumindest anfangs sehr faszinierte. Wer sich einen Abend wie ein engagierter Delegierter gefühlt hat, wird die echten Klima-Verhandlungen künftig mit ganz anderen Augen sehen.Mehr

weitere Beiträge

Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.10.2012

Dramatikerin der Alltagsabgründe

Yasmina Reza im Porträt

Von Susanne Burkhardt

Die französische Autorin Yasmina Reza
Die französische Autorin Yasmina Reza (AP Archiv)

Sie ist die meistgespielte Dramatikerin der Gegenwart: In ihren Bühnenstücken erkundet Yasmina Reza die Abgründe hinter scheinbar kultiviertem Verhalten. In Berlin wurde nun ihr jüngstes Werk "Ihre Version des Spiels" uraufgeführt. Wir stellen die Autorin und ihre Arbeit vor.

Ihr Erfolg bekann mit "Kunst". Einer Geschichte, in der ein weißes Bild drei Freunde in Streitende verwandelt. Was ist "Kunst"? Und wer bestimmt es? Die Diskussion verrät am Ende nicht nur absurde Mechanismen des Kunstbetriebs, sondern viel von den Leben der drei Freunde – von erschlafften Träumen, Beziehungen und Karrieren.

Yasmina Reza gelingt in diesem Stück etwas, was auch die folgenden so außergewöhnlich macht: Alltagssituationen auf philosophische Momente hin zu sezieren. Dem scheinbar Banalen psychologisch genau beobachtete Gesetzmäßigkeiten pointenreich abzulauschen, die Abgründe hinter scheinbar kultiviertem Verhalten zu zeigen. Das führt nicht zwangsläufig zu neuen Erkenntnissen – spiegelt aber das eigene Tun und Sein in manchmal schmerzhafter, aber auch meist unterhaltsamer Nahaufnahme: Wie in "Gott des Gemetzels" – zunächst genial von Jürgen Gosch für die Bühne inszeniert, später dann auch als Film erfolgreich: Die Geschichte zweier Elternpaare, deren Kinder sich geschlagen haben und deren Versöhnungstreffen zum Desaster wird.

"Ich schaue nicht auf die Politik, ich beobachte Menschen", sagt die Französin Yasmina Reza, deren Eltern aus dem Iran und aus Ungarn stammen, in einem ihrer seltenen Interviews. Und so war es kein politisches, sondern eher literarisches Interesse, als sie 2006 Nicolas Sarkozy auf seiner Wahlkampftour begleitete. Das später entstandene Buch war vielleicht auch aus diesem Grund umstritten.

"Ich wollte durch diesen Menschen die Themen reflektieren, die mein Schreiben begleiten – das ist vor allem die Zeit – und unsere Art die Zeit zu bewohnen. Ein Buch über die Zeit und über die Ungeduld zu leben. Schneller zu sein als die Zeit und das Leben mit vollen Händen ergreifen zu wollen."

Wenn Yasmina Reza ein Interview gewährt, behält sie bis zum Schluss die Kontrolle. Weil sie ungern etwas von sich preisgebe. Und weil man sich als Interviewter immer in einem Zustand der Schwäche befinde. Journalisten besäßen Macht über die Befragten – so die Erfolgsautorin Yasmina Reza.

Jetzt hat sie diese Erfahrung zum Ausgangspunkt ihres neuen Vier-Personen-Stücks gemacht: Eine gefeierte Schriftstellerin folgt der Einladung eines Literaturliebhabers in die französische Provinz. Hier soll sie aus ihrem neuen Werk lesen, dessen Hauptfigur gerade einen Roman geschrieben hat. Neben einem Bürgermeister, dem der prominente Gast fürs Stadtmarketing willkommen ist, trifft sie auf eine prominente Kulturjournalistin, die sie penetrant auf autobiografische Bezüge in ihrem Buch anspricht. Eine schwierige Situation für die Autorin – die sich dem Literaturbetrieb eigentlich verweigert.

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Zwischen liberalem Selbsthass und grandiosen Slapstick-Einlagen