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Religionen | Beitrag vom 14.02.2016

Dominikaner in Hamburg Meister Eckhart und die Obdachlosenhilfe

Von Mechthild Klein

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Blick auf Hamburg und die Speicherstadt (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)
Blick auf Hamburg und die Speicherstadt (picture alliance / dpa / Daniel Reinhardt)

Die Dominikaner feiern ihr 800-jähriges Bestehen. In dieser langen Geschichte hatten sie Hamburg bereits sehr früh angesteuert – nur 20 Jahre nach ihrer Gründung. Bis heute gehört es zu ihren Prinzipien, ihre Bedürfnisse der Hansestadt anzupassen.

Jeden Morgen nach der Frühmesse um sieben Uhr singen die Hamburger Dominikaner in der Klosterkirche St. Sophien die Laudes – das Stundengebet der Mönche am Morgen. Hier beschließen sie auch mit den Psalmen der Vesper den Tag. Die Chorgebete der Ordensleute in den hellen Kutten und den schwarzen Überwürfen sind öffentlich, jeder kann mitfeiern.

Im Jahr 1236, also 20 Jahre nach der Ordensgründung im heutigen Frankreich schickte der Dominikanerorden erste Brüder nach Hamburg – die Hansestadt zählte damals 10.000 Einwohner.

"Die Franziskaner sind etwas früher hier. Und die Dominikaner haben immer geschaut: Wo ist eine wichtige Stadt. Und wo ist etwas in dieser neu wachsenden städtischen Gesellschaft zu ordnen und mit zu beeinflussen", sagt Pater Karl Meyer, der seit 59 Jahren Dominikaner ist und damit einer der dienstältesten Brüder im Hamburger Konvent.

Theologisches Wissen sammeln und weitergeben

Die Dominikaner sind ein Predigerorden. Sie sammeln theologisches Wissen und geben ihre Erkenntnisse ans Volk weiter. Als Bettelmönche waren sie nicht an ein einziges Kloster gebunden, sondern gingen auch auf Wanderschaft. Begabten Mönchen ermöglichte der Orden ein Theologiestudium oder förderte ihre künstlerischen Talente. Im Hamburger Kloster lebte zum Beispiel Meister Francke, ein spätgotischer Mönchsmaler, der unter anderem in Paris studiert hatte. Sein Thomasaltar ist heute in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. In der Handelsstadt Hamburg entwickelten sich - wie überall im Mittelalter - neue Berufsstände: Die Mönche förderten die entstehenden Zünfte.

"Das entwickelt sich besonders im 15. Jh. in starker Weise. Da sehen wir auch, dass die Kirchen, auch die Ordenskirchen neu gebaut werden. Dass Kapellen gebaut werden und jede Zunft hat so ihre eigene Kapelle."

Im Jahr 1506 lebten 61 Brüder in St. Johannis am Rande der Stadt Hamburg. Während der Reformation gab es heftigen Streit, in dem sich die Reformatoren im Jahr 1529 schließlich durchsetzten.

"Um das Johanneskloster, um die Dominikaner sammelten sich mehr die Traditionalisten, die auch bei der alten Kirche bleiben wollten. Dann gab es große Auseinandersetzungen mit Disputen. Und die Dominikaner sind fast in keiner Stadt übergewechselt zum Luthertum. Man hat sie einfach vertrieben."

Für die Dominikaner folgte nach der Flucht aus Hamburg eine mehr als 400-jährige Pause im Norden. Hamburg war nun katholische Diaspora - man brauchte kein Kloster. Nach Barmbek kamen die Dominikaner im Jahr 1962 eher durch Zufall. Die Pater wurden eingeladen, die vakante Pfarrei St. Sophien zu übernehmen. Seelsorgeaufgaben gab es genug: Viele katholische Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten hatten sich nach dem zweiten Weltkrieg angesiedelt. Die Aufgaben sind für Dominikaner immer noch die gleichen wie vor Jahrhunderten.

"Zunächst einmal ist die Verkündigung des Glaubens das Zentrale, die Verkündigung des Glaubens an Jesus Christus."

Wichtig dabei sei das Verhältnis von Glaube und Vernunft, sagt Pater Thomas Krauth, der Prior des Hamburger Dominikanerkonvents. Noch eine Besonderheit: Seit seiner Gründung pflegt der Orden demokratische Strukturen. Das heißt, dass die Brüder im Konvent selbst entscheiden, wer welche Aufgaben übernimmt. Nicht nur ihren Prior wählen die Brüder selbst. Sie haben vor kurzem per Abstimmung entschieden, zwei junge Flüchtlinge aus Eritrea aufzunehmen. Durch die Anbindung an die Pfarrkirche wuchs den Brüdern eine Fülle von Aufgaben zu.

"Als Pfarrer bin ich mit Pater Markus zuständig für die Pfarrei St. Sophien, das ist eine sehr lebendige Kirche mit 6500 Mitgliedern. Wir haben hier auch 'ne starke Flüchtlingsarbeit, gibt es sehr schöne Angebote. Aber auch Meister Eckhart ist uns schon immer wichtig."

An vielen Stellen aktiv

Der Mystiker Eckhart war Dominikaner und hat im 13. u. 14. Jh. mit seinen spektakulären Predigten auf deutsch viel bewegt. Allerdings wäre er fast als Ketzer auf dem Scheiterhaufen gelandet. Bis heute faszinieren Eckharts Gleichnisse und Wortschöpfungen – regelmäßig organisieren die Dominikaner Meister-Eckhart-Nächte in St. Sophien. Überall in der Gemeindearbeit können sich Freiwillige engagieren:

"Das ist mir wichtig, dass die Charismen hier geweckt werden, gepflegt werden, dass jeder Mann, jede Frau, in welchem Alter auch immer, auch die Jugendlichen sich hier einbringen können."

"Ich selbst habe hier ein größeres Obdachlosenwerk, das ich von einer Gemeindereferentin mit ererbt habe. Die Alimaus, hinter der Reeperbahn in Altona, wo täglich an die 400 Arme und Obdachlose zum Essen kommen und für andere Dienste."

Pater Karl ist Vorsitzender des Trägervereins, hält die Alimaus zusammen, sucht Sponsoren und Mitstreiter. Oder Pater Anthony: Er setzt sich für die katholischen Ghanaer ein, die seit den 80er Jahren in Hamburg leben und in der Kirche eine Heimat fanden.

Die Dominikaner sind an vielen Stellen in Hamburg aktiv. Ihr kostbarstes Gut ist inzwischen die Zeit. Und noch etwas kommt sehr kurz im Klosterleben:

"Es sollte Schweigezeiten geben. Wenn man das nicht halten kann, dann fehlt etwas sehr wichtiges. Sonst hat man nachher nichts zu sagen und es bleibt kein Raum für das Hören auf Gott. Und das ist die wichtigste Kommunikation, die bestehen muss."

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