Montag, 24. November 2014MEZ01:11 Uhr

Lange Nacht

Die Halbstarken
US-Schauspieler Marlon Brando in einer Szene seines Films "The Wild One" (Der Wilde) von 1953.

Die Jugendkultur ist dem Mainstream der übrigen Gesellschaft stets um einige Schritte voraus. In den 50er-Jahren sind es die sogenannten Halbstarken, die den Trend markieren. Sie tragen Lederjacke, Jeans und eine Frisur, die als Ente bezeichnet wird. Der Rock´n Roll ist ihre Hymne. Ihr Ziel: gesellschaftliche Emanzipierung und Teilhabe. Mehr

"In meinem Herzen läutet ein heller Regen"
Die österreichische Schriftstellerin vor einer Bücherwand Friederike Mayröcker am 9. Dezember 1999.

"Wenn ich hie und da in den Tiergarten nach Schönbrunn gehe, habe ich wirklich das Gefühl, das sind wahrhaftig Brüder und Schwestern von mir, der Rüssel des Elefanten, das ist mein Rüssel, die Traurigkeit des Äffchens, das ist meine Traurigkeit ...", sagt Friederike Mayröcker in einem Interview.Mehr

Fundfieber
Die Trapezplatte des Dreikönigsschreins liegt in der Vitrine der Domschatzkammer in Köln.

Wer hätte von diesem Abenteuer nicht auch schon geträumt: einen verborgenen Schatz zu finden - alte Münzen, Schmuck und Schwerter, das Bernsteinzimmer oder den Schatz der Nibelungen. Ob Sondengänger, Schatztaucher oder Archäologen, sie alle kennen das "Fundfieber", das einen unversehens packt und nicht mehr loslässt. Mehr

weitere Beiträge

Lange Nacht / Archiv | Beitrag vom 21.04.2012

"Doch alles, was ich berühre, ist zweifelhaft"

Eine Lange Nacht mit dem europäischen Schriftsteller György Konrád

Von Alfred Eichhorn und Manfred Mayer

Der Schriftsteller György Konrad
Der Schriftsteller György Konrad (picture alliance / dpa / Frank May)

György Konráds jüngstes bei Suhrkamp erschienenes Buch "Das Pendel" ist keine Lebensbilanz des 1933 in Debrecen geborenen Autors. Das essayistische Tagebuch beschreibt in zuweilen aphoristischer Dichte die Wechselfälle eines zwischen Gefahr und Glück verlaufenen Daseins.

Das jüdische Kind überlebt die Morde der Pfeilkreuzler, der junge Mann verteidigt 1956 für einige Tage mit einem Gewehr die Revolution, der Stadtsoziologe sammelt Erkenntnisse über die Gesellschaft, die diese nicht wahrhaben will. Als Autor mit Publikationsverbot steht Konrád vor der Alternative, Exil oder bleiben. Nach der Wende auch in Ungarn müsste ihm, dem einstigen Dissidenten, dessen Land in Europa angekommen ist, glücklich zu Mute sein. Doch der nächste Ausschlag des Pendels deutet sich früh an, die Nationalismen erwachen ringsum zu neuem Leben.

György Konrád hat von 1997 bis 2003 der Berliner Akademie der Künste nach der Ost-West-Vereinigung souverän als Präsident gedient. Für sein literarisches Werk wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, für seine politische europäische Überzeugungsarbeit mit dem Aachener Karlspreis geehrt. Eine "Lange Nacht" mit dem ungarischen Weltbürger György Konrád.

Die Website von György Konrád auf Ungarisch, Deutsch, Englisch und Französisch

György Konrád wurde am 2. April 1933 in der Nähe von Debrecen als Sohn einer jüdischen Familie in Ungarn geboren. Im Jahr 1944 entging er nur knapp seiner Verhaftung durch Nationalsozialisten und ungarische Pfeilkreuzler, die ihn ins Konzentrationslager Auschwitz deportieren wollten. Mit seinen Geschwistern floh er zu Verwandten nach Budapest und lebte dort in einer Wohnung unter dem Schutz der Helvetischen Konföderation. Die Ereignisse dieser Jahre beschrieb er in den Büchern Heimkehr und Glück. Konrád studierte in Budapest Literaturwissenschaft, Soziologie und Psychologie bis zum Ungarnaufstand 1956.

György Konrád
Das Pendel - Essaytagebuch
Aus dem Ungarischen von Hans-Henning Paetzke
Suhrkamp Verlag, 2011

"Den vorangegangenen Götzen haben wir gestürzt, und gekommen ist die Chimäre des Fanatismus."

Mit präziser Imagination und analytischer Skepsis blickt György Konrád, Dichter und Chronist, auf die Gegenwart. Im Licht der todbringenden Erlebnisse seiner Kindheit, der blutig gescheiterten ungarischen Revolution von 1956 und der bleiernen Zeit danach erscheinen auch der Umbruch von 1989 als Scheinsieg und die aufbrechenden Energien im rechten politischen Spektrum seines Landes als Menetekel einer sich wiederholenden Vergangenheit. Erneut scheint es keinen Fortschritt zu geben und bei der Teilung in Mächtige und Ohnmächtige bleiben zu müssen. Das Personal der Geschichte wechselt, aber hinter gewendeten Masken brodelt der Hass, machen sich die immer gleichen alten Kräfte, Despoten und Helfershelfer, bemerkbar.
Ein zeitdiagnostisches und ein Warnbuch also und doch auch ein Buch der Courage und der Glückserfahrung, voller Hoffnung, dass der Einzelne im Strom des "Unaufhörlichen" sich wird behaupten können.