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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 06.11.2013

"Djeca - Kinder von Sarajevo"

Regisseurin Aida Begic zeichnet in ihrem zweiten Spielfilm kein schmeichelhaftes Bild vom Leben in Sarajevo

Von Jörg Taszman

Blick auf Sarajevo: Im Film sind die Folgen des Krieges unübersehbar. (picture alliance / dpa /Matthias Schrader)
Blick auf Sarajevo: Im Film sind die Folgen des Krieges unübersehbar. (picture alliance / dpa /Matthias Schrader)

Mit einer Handkamera fängt Aida Begic das Leben zweier Geschwister in Sarajevo ein. Sie sind verwaist, die Ältere arbeitet hart, ihr Bruder steht am Rande der Kriminalität. Die Geschichte ist prägnant erzählt und legt den Finger vorsichtig auf Wunden der Vergangenheit und Gegenwart.

Rahima arbeitet in einem schicken Restaurant in Sarajevo. Der Job ist hart und wenn sie nach Hause kommt, muss sich die junge Frau um ihren pubertierenden 14-jährigen Bruder Nedim kümmern. Der sitzt meist am Computer und geht nur noch unregelmäßig zur Schule. Die beiden Geschwister leben allein. Ihre Eltern haben sie während des Bürgerkriegs verloren. Als Nedim in der Schule wieder einmal von einem neureichen Sohn eines Ministers gehänselt wird, schlägt er zurück. Daraufhin wird Rahima von einer parteiischen Direktorin in die Schule zitiert. Sie soll den Schaden ersetzen. Es geht um ein kaputtes iPhone. Das kostet die 23-Jährige etwa drei volle Monatsgehälter.

Regisseurin Aida Begic zeichnet in ihrem zweiten Spielfilm kein schmeichelhaftes Bild vom Leben in Sarajevo. Die Folgen des Krieges sind unübersehbar und die Gesellschaft driftet auseinander in Gewinner und Verlierer. Rahima ist Muslima und trägt ein Kopftuch. Ihrem Bruder ist das peinlich. Er behauptet, seitdem seine Schwester das Kopftuch trage, würde er in der Schule regelmäßig provoziert. Aber Rahima kämpft. Gegen den Minister, gegen die Sozialarbeiterin und für ihren Bruder, der am Rande zur Kriminalität steht. Am Ende sind sich wenigstens die Geschwister etwas näher gekommen. Ein Hauch von Hoffnung an einem trüben Weihnachtstag.

Fast dokumentarisch arbeitet die Regisseurin mit Bildern einer omnipräsenten Handkamera, die ihr Ehemann Erol Zubcevic führte. Aida Begic beobachtet, legt den Finger vorsichtig auf Wunden in der Gegenwart und der Vergangenheit. Dabei deutet sie vieles nur an und überlässt es dem Zuschauer, die Lücken dieser prägnanten Geschichte zu füllen.

Mehr Informationen auf der Filmhomepage

Bosnien und Herzegowina, Deutschland 2012, Regie: Aida Begic, 90 Minuten, FSK: ab 6 Jahren

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