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Mahlzeit | Beitrag vom 18.11.2016

Diskussion um Gülle und KunstdüngerDer Schwindel um Nitrat im Grundwasser

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Auf einem Feld in Brandenburg wird Gülle verrieselt. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Die Landwirtschaft wird vor allem für die steigende Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich gemacht. (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

Verseuchen Gülle und Kunstdünger deutsches Grundwasser? Eine Klage der EU-Kommission legt das nahe. Lebensmittelchemiker Udo Pollmer kann darüber aber nur den Kopf schütteln.

Folgt man den Berichten im Fernsehen, dann droht uns allen Ungemach durch die Gülle, die in den Ställen anfällt. Denn diese "verseucht" angeblich unser Trinkwasser mit Nitrat. Nitrat ist laut ZDF noch dazu "krebserregend". Zu dumm nur, dass auch im Gemüse reichlich Nitrat steckt, oft 10mal, ja manchmal 100mal so viel wie im Trinkwasser. Demnach wären Kopfsalat, Rucola und Grünkohl eine Krebsgefahr ersten Ranges. Unter uns: Das Krebsrisiko basierte auf einer ursprünglich vernünftigen Theorie um das Jahr 1980, aber die hat sich mittlerweile als gegenstandslos erwiesen. Deshalb können Sie Ihr Gemüse trotz Nitrat mit Wohlbehagen vertilgen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Rohwasser, das die Wasserwerke fördern, ist kein kristallklares Nass, das aus Grotten sprudelt, in denen Ökozwerge über die Reinhaltung der Quellen wachen, sondern oft eine trübe, schwermetallhaltige, stinkende Rostbrühe. Bei der Aufbereitung wird der nach Stinkbomben riechende Schwefelwasserstoff entfernt, dann Mangan und Eisen. Wasser kann prinzipiell all das enthalten, was auch die Bergleute aus der Tiefe fördern, wie Erze, Schwefel oder Cadmium.

Wein und Gemüse gedeihen auf nitratdurchlässigen Böden

Zurück zum Nitrat: Spitzenreiter sind nicht etwa Regionen mit viel Tierhaltung, wie gern unterstellt wird, sondern viehlose Gebiete in Rheinland-Pfalz – und das schon seit Jahrzehnten. Für die Belastung des Wassers sind dort der Gemüse- und der Weinbau verantwortlich, sie benötigen reichlich Stickstoff und gedeihen auf Böden, die ziemlich nitratdurchlässig sind. Auch wenn der Wein praktisch frei von Nitrat ist, so kann das Grundwasser deutlich belastet sein. Wäre es da nicht angebrachter, als Verursacher statt dem üblichen Güllefass doch lieber ein Weinfass zu zeigen?

Die Gülle wird nämlich von Spezialfirmen aus viehreichen Gebieten – also solchen, in denen die Böden nicht für Brotgetreide oder Gemüse taugen – in jene Regionen gefahren, die keine Tiere mehr halten und Dünger brauchen. Sie halten keine Tiere, weil ihre Äcker zu schade dafür sind. Der Landwirt produziert wo immer möglich Nahrung für den Menschen, denn die wird gut bezahlt. Futtermittel baut er nur an, wenn es nicht anders geht. Futtermittel müssen billig sein, wenn Fleisch billig sein soll.

Doch auch ohne Gemüse- und Weinbau können die Nitratgehalte im Wasser beachtlich sein. Beispielsweise in Naturschutzgebieten. Das liegt an der Bodenstruktur und am Bodenleben. Im Erdreich leben Mikroben, die Nitrat abbauen, so dass das Wasser, das aus der Tiefe gefördert wird, in der Regel unbelastet ist. Deshalb gibt es viehreiche Gebiete ohne jedes Nitratproblem. Allerdings gibt es auch Böden wie Sandböden, die so gut durchlüftet sind, dass dort die nitratfressenden Bakterien nicht überleben. Deshalb kann Grundwasser auch in Naturschutzgebieten von Natur aus belastet sein, denn Nitrat wird auch aus verrottender Biomasse freigesetzt.

Energiepflanze Mais benötigt viel Stickstoff im Boden

Natürlich trägt auch die Landwirtschaft zur Belastung bei. Hier sind neben dem Gemüsebau die Biogasanlagen zu nennen: Die Energie vom Acker erfordert hohe Erträge – damit ist Mais die ideale Energiepflanze. Leider erfordert der Mais eine massive Stickstoffdüngung. Da die Pflanze ideal für leichte Böden ist, die gut durchlüftet sind, wird auch dort das Nitrat nicht mehr abgebaut. So belastet die grüne Energie das Grundwasser. Trotzdem: Unser Grundwasser ist keinesfalls mit Nitrat "verseucht".

Bleibt die Frage: Warum soll sich dann Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof wegen des Nitrats im Wasser verantworten? Das haben unsere Umweltpolitiker geschickt eingefädelt: Sie haben erwirkt, dass von den vorhandenen abertausenden Messstellen nur 162 nach Brüssel gemeldet wurden, nämlich solche, die deutlich belastet sind. Die sauberen Brunnen wurden der EU verschwiegen. So kann man sich später durch drastische Auflagen für die Landwirte als Retter der Umwelt inszenieren.

Vor Jahren haben die Wasserwerke teure Anlagen installiert, mit denen sich das Nitrat zuverlässig entfernen lässt. Heute sind nahezu alle Anlagen stillgelegt. Warum wohl? Mahlzeit!

Literatur :

Plaß C: Gülle im Glas. Tagesschau.de 16. September 2016

Döschner J: Nitrat im Wasser: EU-Klage konsequent und überfällig. WDR 7. November 2016

Keckl G: Nitrat im Grundwasser: Grüner Populismus. Posting vom 22.Oktober 2016 http://www.keckl.de/texte/ZEIT_Kommentar.pdf

Keckl G: Volksverdummung à la "Waldsterben": Nitrate im Wasser. Posting vom 29. April 2016 http://www.keckl.de/texte/Volksverdummung.pdf

Bauer Willi: Staatliche Manipulation? – oder – Wie inszeniert man einen Skandal! Posting vom 30. April 2016 http://www.bauerwilli.com/staatliche-manipulation/

Neumann J: Messnetz zur Nitratrichtlinie. Aktueller Sachstand aus Sicht der LAWA. 1. Wiesbadener Grundwassertag, 24. September 2014

Grupe H: EU-Klage wegen Grundwasserbelastung – Deutschland benötigt ein aussagekräftiges Nitratmessnetz. Bundesumweltportal 13. Nov. 2016

Mehr zum Thema

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(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 16.09.2016)

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