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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 23.12.2009

"Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus!"

Hans-Ulrich Pönack über einen Film von Leander Haußmann

Pönack: Üble deutsche Zombie-Oma-Opa-Komödie. (AP)
Pönack: Üble deutsche Zombie-Oma-Opa-Komödie. (AP)

Der Film mit prominenter Besetzung wie Nadja Tiller (80), Walter Giller (82), Ingrid van Bergen (78) und Eva-Maria Hagen (75) spielt im Seniorenheim. "Scherze" über Alzheimer, vertauschte Gebisse oder Katheterbeutel machen die Runde.

Deutschland 2009, Regie: Leander Haußmann, Hauptdarsteller: Eva-Maria Hagen, Ezard Haußmann, Daniel Brühl, 105 Minuten, ab sechs Jahren

Dies ist der definitive Tiefpunkt filmischen Unterhaltungsschaffens aus deutschen Landen. Dabei hat doch der am 26. Juni 1959 in Quedlinburg geborene Theater- und Filmregisseur mal "ganz ulkig" im Kino angefangen: Mit "Sonnenallee" (1999), "Herr Lehmann" (2003) und "NVA" (2005). Doch zuletzt schwächelte er zusehends mit "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" (2007) und mit "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" (2008). Doch jetzt der Tiefpunkt. Mit dem völlig verunglückten Remake eines (west-)deutschen Komödien-Klassikers von 1975: "Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat" von Bernhard Sinkel (Buch und Regie). Damals mit den wunderbaren Oldies Lina Carstens und Fritz Rasp hauptrollenbesetzt.

Heute nun soll es "so etwas Ähnliches" sein. Die alte Lena Braake (Eva-Maria Hagen), ebenso rüstig wie vertrauensvoll, lässt sich von einem jener aktuellen gierig-schleimigen Bangster eine Hypothek aufschwatzen, versteht dabei natürlich nur "Bahnhof" und verliert ihr Haus. Landet in einem heruntergekommenen "Seniorenheim". Wo ein schleimiger Herr Piretti (Tom Gerhardt) ein heuchlerisches Chef-Regiment führt. Jedoch gegen den greisen Schwerenöter Johann Schneider (Ezard Haußmann) keine Chance hat. Denn der trickst und foppt ohne Ende. Kommt mit Lena ins Gespräch und ins "Geschäft". Mit Hilfe einiger "Insassen" geht es um die Rückeroberung der Werte. Des Kapitals. Ur-Opas Kino ist nicht tot, ganz im Gegenteil. Was 1968 einst in Oberhausen ad acta gelegt und filmisch zu Grabe getragen wurde, lebt jetzt ganz fürchterlich auf.

"Dinosaurier" ist eine üble deutsche Zombie-Oma-Opa-Komödie pur. Mit faden Ideen, grauslichen Gedanken, althergebrachten sogenannten Witzen und der permanenten Denunzierung von "bekloppten" alten Herrschaften. Die müssen sich so dämlich, hinterwäldlerisch, dummbatzig, bescheuert und dennoch "pfiffig" geben, dass man seinen Augen und Ohren vor dermaßen schrecklichem Dämel-Nonsens nicht traut. Soooooo viel Peinlichkeit, Blödheit, Unlustigkeit, Langeweile und "Belästigung" gab es schon lange nicht mehr im Kino. "Scherze" über Alzheimer, vertauschte Gebisse oder Katheterbeutel machen die erbärmliche Dauerrunde. Die körpersprachliche "Komik" wirkt aufgesetzt und unangenehm.

"Dinosaurier" ist eine pointenlose Verblödungsarie der ganz grauslichen Art. Lau konstruiert und fürchterlich inszeniert. Ein Desaster! Und dies mit immerhin namhaften Akteuren wie Walter Giller (82), Ehefrau Nadja Tiller (80), Ralf Wolter (83), Ingrid van Bergen (78) sowie dem unvermeidlichen Daniel Brühl als windiger Bank-Armleuchter mit peinlicher Dauerwelle und Benno Fürmann als Wer, ach so ja, als Jo Schwertlein. Es ist nicht zum Aushalten. Die Pointen "zünden" nach dem Motto "platt, platter am plattesten". Einen so tattrigen Wirrwarr-Schwachsinn habe ich nicht (mehr) für möglich gehalten. "Dinosaurier" ist ein ganz schlimmes Gebrechen von deutscher "Komödie".


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