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Digitale Medien für Kinder: Sinnvoll oder gefährlich?

Gäste: Prof. Dr. Klaus Peter Jantke, Kindermedienforscher, und Prof. Dr. Manfred Spitzer, Hirnforscher

Moderation: Stephan Karkowsky

Nur Spiele im Kopf: Besucher auf Europas größter Spielemesse Gamescom
Nur Spiele im Kopf: Besucher auf Europas größter Spielemesse Gamescom (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Noch nie wurde in Deutschland so viel am PC gespielt wie heute: 24 Millionen Deutsche spielen Computerspiele, das entspricht 35 Prozent der Bundesbürger über 14 Jahren. Besonders bei Jugendlichen sind die digitalen Medien – ob zum Surfen, Spielen oder Lernen - nicht mehr wegzudenken. Das zeigt auch der erneute Besucherrekord bei der diesjährigen Gamescom.

"Kinder gehören nicht vor den Computer!", sagt der Psychiater und Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer. Computer – so der Tenor seines neuesten Buches "Digitale Demenz" – trügen zur Verdummung bei:

"Digitale Medien schaden dem Gedächtnis, sind zur Förderung des Lernens ungeeignet und machen süchtig."

Der ärztliche Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm warnt besonders vor den Auswirkungen auf das kindliche Gehirn:

"Wir machen die Gehirnbildungsprozesse damit kaputt und wir werden die Quittung bekommen in einigen Jahrzehnten."

Die Folgen: Konzentrationsmangel, Ängste und Abstumpfung, Schlafstörungen und Depressionen, Übergewicht und Gewaltbereitschaft. Seine Mahnung:

"Wir haben heute schon eine Viertelmillion Computersüchtige zwischen 14 und 25 Jahren – was brauchen wir denn mehr?"

"Gute Computerspiele sind Denkanreger im allerbesten Sinne", widerspricht der Kindermedienforscher Prof. Dr. Klaus Peter Jantke vom Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie in Erfurt. Mit seinem Team erforscht er die Wirkung von digitalen Spielen und entwickelt Lernspiele, sogenannte "Serious Games".

Dafür lädt der Mathematiker auch Schulklassen ein, um zu testen, wie die Schüler auf Spiele reagieren. Er bietet auch Fortbildung für Lehrer im "Game-Based Learning" an, dem Lernen mit Computerspielen. Seine Überzeugung: Computer nähmen den Kindern nicht das Denken ab.

"Immer, wenn man spielt, lernt man etwas."

Die vehemente Kritik von Manfred Spitzer weist der Computerspielexperte zurück. Es nütze nichts, sich den neuen Technologien zu verschließen.

"Wir sollten lernen, mit der wachsenden Zahl von Angeboten umzugehen, Computerspiele sind längst eine Kulturform. Sich abzuwenden ist möglich, aber es hilft nicht wirklich weiter. Computerspiele sind mehr als Filme – sie sind Filme, in denen man mitspielen und die Handlung bestimmen kann."

"Digitale Medien für Kinder: Sinnvoll oder gefährlich?"
Darüber diskutiert Stephan Karkowsky heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit dem Psychiater Manfred Spitzer und dem Kindermedienforscher Klaus-Peter Jantke.
Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Links:
Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT
ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen

Literaturhinweis:
Manfred Spitzer: "Digitale Demenz. Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen", Droemer / Knaur 2012.

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