Sonntag, 21. Dezember 2014MEZ03:38 Uhr

Literatur

Egon Erwin KischSo nah, so fern, so funkelnd
Egon Erwin Kisch (1885-1948)

"Der Rasende Reporter", das war in den 1920er Jahren der berühmte Prager Journalist Egon Erwin Kisch. Seine Nachfolger: Karl-Markus Gauß, P.J. O'Rourke und Marie-Luise Scherer zeigen anhand ihrer Reportagen aus nahen Städten und unbegreiflichen Orten in aller Welt, wie viel Kunst dazu gehört, nackte Realität in literarische Wahrheit zu verwandeln.Mehr

weitere Beiträge

Literatur / Archiv | Beitrag vom 12.06.2012

Digitale Apokalypsen

Die neue literarische Lust am Weltuntergang

Von Ulrich Rüdenauer

Die schöne neue Internetwelt verwandelt sich in neueren Romanen in einen Albtraum.
Die schöne neue Internetwelt verwandelt sich in neueren Romanen in einen Albtraum. (Stock.XCHNG / Vince Varga)

Schöne neue Welt: Ein kleines Implantat verspricht seinem Träger Leistungsfähigkeit und einen unendlichen Erinnerungsspeicher. Doch die Überantwortung des eigenen Körpers an einen Zentralcomputer bedeutet auch den größtmöglichen Kontrollverlust. Die Menschheit begibt sich in die Hand eines mächtigen IT-Konzerns, den Benjamin Stein in seinem Roman "Replay" United Communications Corporation nennt – der aber genauso gut Apple oder Google heißen könnte.

"Replay" ist nur einer von vielen aktuellen Romanen, in denen bereits verfügbare technische Möglichkeiten einen kleinen Dreh weitergedacht werden – und in denen die Internet-Revolution zum Orwellschen Szenario wird.

In Florian Felix Weyhs "Toggle" verwandelt sich die Utopie einer digitalen Demokratie in einen Albtraum der Ungleichheit, und in Markus Stromiedels Thriller "Die Kuppel" werden alte und unliebsame Menschen mit Hilfe einer Simulations-Maschine in einen Parallelkosmos entsorgt.

Nicht nur auf dem Markt der Genreliteratur boomt die Dystopie. Auch die ernsthafte Belletristik setzt auf düstere Fiktionen. Wenn die Gegenwart zusehends unsicherer und in ihren Zukunftsentwürfen undurchschaubarer wird, kommt die Zeit für Schreckensvisionen.

Ulrich Rüdenauer spricht mit Autoren und Literaturwissenschaftlern über die neue Lust an der Dystopie.

Manuskript zur Sendung als PDF-Dokument oder im barrierefreien Textformat