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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 10.02.2010

"Die zwei Leben des Daniel Shore"

Anke Leweke über das beklemmende Debüt von Michael Dreher

In Marokko erlebt Daniel Shore die Ermordung des Kindes seiner Geliebten. Die Bilder lassen ihn auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland nicht mehr los. Realität und Imagination verschwimmen ineinander. Er steigert er sich immer weiter in einen Wahn hinein.

Deutschland 2010, Regie: Michael Dreher, Hauptdarsteller: Nikolai Kinski, Katharina Schüttler, Judith Engel, frei ab 12

Natürlich muss man es einem Regieneuling hoch anrechnen, wenn er Risiken eingeht, wenn er versucht, sich jenseits der klassischen Erzähldramaturgie zu bewegen. Permanent vermischen sich in "Die zwei Leben des Daniel Shore" Vergangenheit und Gegenwart.

Wir sehen einen jungen Mann, der in die weiträumige Wohnung seiner verstorbenen Großmutter zieht. Hier versucht Daniel (Nikolai Kinski) ein neues Leben zu beginnen, doch wird er immer wieder von einem traumatischen Erlebnis eingeholt: Während eines Aufenthalts in Marokko hat er sich in Imane verliebt. Für ihn war es eine exotische Romanze, für sie die Hoffnung auf ein Leben in Deutschland. Als eines Tages Imanes Sohn unter seltsamen Umständen starb, reiste Daniel ab.

Durch die verschachtelte Erzählweise treten Daniels Schuldgefühle, seine Erinnerungen in den Dialog mit seinem jetzigen Leben. Wenn die Nachbarin klingelt, erscheint ihm plötzlich die schöne Imane. Überhaupt wirkt sein neues Leben wie ein Geisterleben, die Schatten der Vergangenheit liegen schwer auf seiner Existenz.

Bei der Inszenierung dieser Schatten kippt der Film ins Prätentiöse. Zu aufgesetzt wirkt das Spiel der sexuell gestörten Nachbarin (Katharina Schüttler), gewollt unheimlich erscheint das Auftreten der Haushälterin. Hilflos auch die Inszenierung der klaustrophobischen Stimmung in der Wohnung: leicht dröhnende Musik und schräge Kamerawinkel vermögen noch nicht eine Grundstimmung der Bedrohlichkeit zu etablieren.

Doch spürt man, dass der Regisseur die Filmgeschichte kennt, dass er etwa die frühen Filme von Roman Polanski wie "Ekel" und "Der Mieter", die ebenfalls von traumatisierten Menschen handeln, kennt. In manchen Momenten, wenn die Kamera auf dem Gesicht von Nikolai Kinski ruht, geht seine innere Getriebenheit tatsächlich auch auf den Zuschauer über.

Filmhomepage "Die zwei Leben des Daniel Shore"

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