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Religionen / Archiv | Beitrag vom 21.07.2012

Die Tempelritter von Tempelhof

Der alter Orden ernennt noch heute Mönche zu Rittern

Von Peter Kaiser

Die Hinrichtung von Jakob von Molay, letzter Großmeister der Templer.
Die Hinrichtung von Jakob von Molay, letzter Großmeister der Templer. (Wikimedia Commons, Lithographie, Nachdruck/reprint in Albert Gallatin Mackey (1807–1881) „History of Freemasonry“)

Mit den legendären Tempelrittern verbindet sich vor allem die Zeit der Kreuzzüge ins Heilige Land. Die Ritter dieses geistlichen Ordens waren für manche Grausamkeiten dieser Kreuzzüge mit verantwortlich. Auch heute gibt es noch Tempelritter.

Im kleinen Chor-Nebenzimmer in der Tempelhofer Dorfkirche stehen die Pfarrerin Julia Guth und ein Mann. Der Anblick könnte kaum kontrastreicher sein: Julia Guth in schwarzem Talar, der Mann im weißen bodenlangen Mantel des Tempelritter-Ordens. Besprochen wird gerade der Ablauf des Gottesdienstes, der ein ungewöhnlicher sein wird.

Denn an diesem Samstagabend hält in der 800 Jahre alten Dorfkirche der Deutsche Tempelherren-Orden sein 55. Generalkapitel ab, eine Art Ordensversammlung mit Andacht. Im Zentrum der Feierlichkeiten steht die Ernennung eines Postulanten, eines Ritterschülers, zum Ordensritter per Ritterschlag.

Dann betreten die Tempelritter die alte Kirche, die ihr Orden vor 800 Jahre hier gründete. Die 1212 gebaute Kirche ist von einem Park mit alten Bäumen und idyllischem Weiher umgeben. Noch immer strahlt die Kirche etwas Wehrhaftes aus: dicke Mauern, kleine Fenster, das Portal eng und niedrig. Früher war die Dorfkirche wohl Gottes Burg. Heute ist die klobige Jubilarin, umtost vom Tempelhofer Straßenverkehr, ein Haus der Besinnung auf das Wesentliche.

Als die in weißen Ordensmänteln mit rotem Tatzenkreuz an der Seite gekleideten Ritter sich gesetzt haben, und nach ihnen die respektvoll schauenden normalen Gottesdienstbesucher, begrüßt der Ordensprior Manfred Schneider alle Anwesenden.

"Sehr geehrte Frau Pfarrerin Guth, sehr geehrte Gemeinde. Unser Orden freut sich, an historischer Stätte der Templer zu Ehren des 800 jährigen Jubiläums dabei sein zu dürfen."

1118 gründeten acht Ritter, die ihr Quartier auf dem Tempelberg in Jerusalem zum Schutz der heiligen Stätte hatten, den Orden "Die Arme Ritterschaft Christi vom Tempel Salomonis". Zehn Jahre später vom Papst Honorius II. anerkannt, trugen die Ritter des zahlenmäßig enorm angewachsenen Ordens den weißen Mantel mit dem roten Kreuz, und nahmen an den sieben Kreuzzügen zur Befreiung des Heiligen Landes teil.

""Wir bejahen die Ökumene und engagieren uns für eine Einheit in Vielfalt."

Die Tempelritter waren der erste Orden, der die Ideale des Rittertums mit denen des Mönchtums vereinigte. Bis heute, sagen die Mitglieder des Ordens, wären sie das Salz der Erde und hätten einen besonderen Auftrag. So kümmerten sich die kampferprobten Templer im Mittelalter um die Sicherheit der christlichen Pilger im Heiligen Land. In den heutigen Ordensvorsätzen, sagt Ordensmeister Dr. Manfred Schneider, sind die Kreuzzüge von damals eine Art geistige Hypothek.

"Aufgrund der Kreuzzüge sind wir der absoluten Gewaltlosigkeit innerlich verpflichtet und wollen sie auch umsetzen. Das heißt, wir wollen auch Schutz den geben, die von Gewalt bedroht sind. Deswegen ist uns der Frauen- und Kinderschutz ein sehr, sehr wichtiges Anliegen. Und eine zweite Brücke, wir versuchen die Christen im Heiligen Land, die immer weniger werden, in ihrem Dasein zu stärken. Das heißt in der Ausbildung, dass sie vor Ort studieren, aber auch bleiben. Und der andere Punkt, dass wenn Christen bedroht oder verfolgt werden, versuchen wir mit diesen Kirchen vor Ort zusammen zu arbeiten."

Soziales Engagement für Arme und Hilfsbedürftige, Einsatz für die Ökumene, Einsatz für Menschenwürde und Völkerverständigung, und gleichzeitig Bewahrung des geistigen und kulturellen Erbes der Christenheit im Rahmen des europäischen Einigungsprozesses - wer Ritter in diesem Orden ist, kämpft für die Ideale des Glaubens und der Überzeugung. Nur muss man dafür ein Tempel-Ritter werden?

"Also selbstverständlich sollte man auch all diese Dinge tun, die wir machen als Christ, und natürlich auch als Mensch, der humanistische Ziele hat. Man muss ja nicht an Gott glauben um gut sein zu wollen. Wir denken aber, dass wir in der Besinnung eines Ideals eine Gemeinschaft fördern. Und der Gemeinschaftsgedanke macht uns ein Stück weit stärker, ein Stück weit aktiver, würde ich mal so sagen für die Aufgaben, die wir haben."

Dann tritt der in einem schwarzen Anzug gekleidete Postulant an den Altar. Die Ritter stellen sich sofort in einem Halbkreis um ihn. Der Ordensmeister fragt:

"Du hast unsere Ordensregel, die Regula Moderna, die Regel vom Tempel und seinem Heiligen Dienst, von der Liebe zur Kirche, von der Zucht des Leibes, vom ritterlichen Kampf und von der Bruderschaft gehört. Bist Du bereit, lieber Bruder, unsere Ordensregeln und das Statut zu befolgen, und dich für die Ziele des Templerordens einzusetzen?"

"Ich bin bereit."

"Gürtet ihn mit dem Zingulum. Im Psalm 18 heißt es: Gott hat mich mit Kraft umgürtet, er führte mich auf einen Weg ohne Hindernis. Knie nieder und umfasse das Schwert."

Was dann passiert, wirkt wie eine Szenen aus einem Mittelalterfilm: Der 88-jährige Lambertus Koppens wird zum Ritter im Deutschen Tempelherren-Orden geschlagen.

"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes schlage ich Dich zum Ritter des Ordo Militiae Crucis Templi. Sei du, mein Bruder Lambertus, ein tapferer, gläubiger, gerechter und treuer Ritter unseres Herrn Jesus Christus und seines Heiligen Tempels. Steh auf, mein Bruder Lambertus, und empfange nun Ordenskreuz und Mantel."

Mehrere hundert Ordensritter gibt es in Deutschland, Männer und Frauen. Der neue Ritter im 'Ordo Militiae Crucis Templi' beschreibt nach dem Gottesdienst den Moment, als die Schwertklinge auf seinen Schultern lag....

"Auch wenn man schon ein älterer Mensch ist, wie auch in meinem Fall, dann ist man doch sehr gerührt im Moment. Das ist doch ein Erlebnis."

Für Julia Guth, die Tempelhofer Pfarrerin, ist an diesem Tag etwas Besonderes in einer besonderen Kirche geschehen.

"Ich finde, man spürt das, dass seit 800 Jahren hier gelebt, gebetet, Gottes Lob gesungen wird, das ist ein besonderer Ort."

Am Schluss des Gottesdienstes werden die Besucher Zeugen des Rituals, wenn alle Ritter vor dem Altar versammeln und ihre Ordensdevise, den Psalm 115, 1 rezitieren.

"Nicht uns, Herr, nicht uns. Sondern Deinem Namen gib Ehre. Amen."