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Buchkritik

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 27.01.2010

Die Suche nach dem Schwert des Marschalls

Taavi Soininvaara: "Der Finne", Aufbau Verlag, Berlin 2009, 398 Seiten

Winterimpressionen in der Nähe von Ruovesi in Finnland
Winterimpressionen in der Nähe von Ruovesi in Finnland (Deutschlandradio / Stefan Lampe)

Es ist ein literarisches Phänomen, das aus dem Norden kommt: Kriminalromane und Thriller in Folge, die von einer – meist männlichen - charismatischen Figur in Gang gehalten werden. Das skandinavische Modell des Durchschnittskommissars ist kein Superheld, sondern ein rastloses Prinzip. Aufgrund steigender Verbrechensrate wirkt er stets müde und überfordert.

Seit gut einem Jahrzehnt gibt es auch in Finnland solch ein literarisches Stehaufmännchen. Es ist der von Taavi Soininvaara ins Leben gerufene Arto Ratamo. Ratamo, der in Soininvaaras Debüt "Ebola-Helsinki" (2000) noch als Virusforscher tätig war, arbeitet inzwischen bei der Finnischen Sicherheitspolizei.

Im siebten Roman der Ratamo-Serie geht es vor allem um Finnlands Geschichte, die ohne Carl Gustaf Emil Mannerheim (1867-1951) - den "Marschall von Finnland" – nicht denkbar ist. Geboren als Sprössling der schwedischsprachigen Minderheit in Askainen, das damals noch zum russischen Zarenreich gehörte, ist sein Name untrennbar mit Finnlands Kampf um nationale Autonomie und Unabhängigkeit verbunden.

Protagonist des Romans ist deshalb auch ein Geschichtsprofessor. Eerik Sutela genießt gerade seinen wohlverdienten Urlaub, als ihm eine finnische Anwaltskanzlei einen Brief seines Vaters aushändigt. Otto Forsman bittet den Sohn, sich im Schutz des finnischen Sicherheitspolizisten Ratamo um das Schwert des Marschalls zu kümmern - ein Dokument, das die "Unabhängigkeit Finnlands heute und in aller Zukunft" garantieren soll und

""das die Wahrheit über die letzten Kriege Finnlands, über die Gründe für ihren Ausbruch und ihre Beendigung, über Verbrechen, die das Leben von Millionen Menschen forderten... aufdeckt"."

Sutela fallen die Koordinaten der Teufelskirche in Jäniskoski ein, die er als Kind auswendig lernen musste. Wäre es möglich, dass sich im Grenzgebiet von Jäniskoski, das im Pariser Friedensvertrag nicht erwähnt ist und 1947 für 700 Millionen Finnmark an die Sowjetunion verkauft worden sein soll, das Schwert des Marschalls befindet?

Da sich inzwischen nicht nur der russische Geheimdienst für das Dokument interessiert, denn es soll auch Angaben über den Einsatz biologischer Waffen von russischer Seite enthalten, sondern auch die russisch-orthodoxe Kirche mit dem Patriarchen von Moskau an der Spitze, kommt es zu einer rasanten, effektvoll inszenierten Suchaktion. Der Leser muss aufpassen, dass er bei der Vielzahl historischer und geographischer Details nicht auf der Strecke bleibt.

Soininvaara gibt ein enormes Erzähltempo vor, das von wechselnden Perspektiven bestimmt wird. Ärgerlich ist nur, dass er dabei mit dem Klischee eines brutalen Killers arbeitet, der kahlköpfig und mit vernarbtem Gesicht wild um sich schießt.

Besprochen von Carola Wiemers

Taavi Soininvaara: Der Finne
Thriller
Aus dem Finnischen von Peter Uhlmann
Aufbau Verlag, Berlin 2009
398 Seiten, 19,95 Euro