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Fazit / Archiv | Beitrag vom 19.05.2012

Die Stimme tief und rauchig, die Lieder melancholisch

Vor 70 Jahren wurde die Sängerin und Komponistin Alexandra geboren

Von Martin Böttcher

Schlagersängerin Alexandra
Schlagersängerin Alexandra (picture alliance / dpa)

Ihre Karriere währte nur kurz – im Alter von 27 wurde die Sängerin Alexandra bei einem Autounfall getötet. Geblieben sind: ihre Songs, die sich zwischen Schlager, Chanson und Volkslied bewegen und eine Geschichte von Träumen und Enttäuschungen.

Die Stimme tief und rauchig, die Lieder melancholisch, nachdenklich, sehnsuchtsvoll, die Haare dunkel und zum Bob geschnitten – so tauchte Alexandra gegen Mitte, Ende der 60er Jahre auf den Bühnen und Fernsehschirmen der Bundesrepublik Deutschland auf. Es war die Zeit von Beatles und Stones, von APO und Studentenprotesten, aber auch von Heintje, Peter Alexander, Roy Black.

Wer war dieses Mädchen, das scheinbar aus dem Nichts auftauchte und mit russischen Volksweisen und osteuropäisch eingefärbten Liedern die Leute in Massen für sich einnahm? Ein Flüchtlingskind, die jüngste von drei Töchtern – die Familie floh 1944 vor der Roten Armee aus dem Memelland. Alexandra, die eigentlich Doris Treitz hieß, wuchs in Kiel auf und verließ kurz vor dem Abitur die Schule: Zuerst wollte sie Grafikerin und Modedesignerin werden, dann besuchte sie die Schauspielschule. 1962 nahm sie an einem Schönheitswettbewerb teil und wusste da schon ziemlich genau, wo es einmal hingehen sollte, wie ein Interview aus der Zeit verrät:

"Natürlich hoffe ich dann, Chanson-Sängerin zu werden. Und zwar werde ich, möchte ich 'mal gerne russische Chansons singen. Und überhaupt … vom Balkan, französische. Das ist mein Berufstraum."

Miss Germany wurde Alexandra nicht, sie landete auf dem neunten Platz des Schönheitswettbewerbs. Kurz danach lernte sie den 30 Jahre älteren russischen Emigranten Nikolai Nefedov kennen. Sie heiratete und bekam wenig später ein Kind. Gleichzeitig ging es langsam mit der Karriere los: Erste kleine Schauspielrollen, erste kleine Auftritte, die ersten Kontakte zur Musikindustrie.

Der Plattenproduzent Fred Weyrich wurde auf die einprägsame Stimme aufmerksam. Mit Alexandras Manager Hans R. Beierlein war er sich einig: Die junge attraktive Frau hatte das Zeug zum Star. Und die Richtung stand auch schnell fest: sehnsüchtig-wehmütig- osteuropäisch – eine Nische, die im Schlagermarkt der 60er Jahre noch nicht besetzt war. Mit ihrem Song "Zigeunerjunge" wurde Alexandra praktisch über Nacht bekannt:

"Das Wort Welle liebe ich gar nicht, denn ich möchte mich auf keine Welle festlegen. Ich singe einfach das, was mir impulsiv am meisten entgegenkommt, wo ich mich wohlfühle. Und ich glaube, dass das nicht unbedingt eine Welle ist."

Alexandra war mit der Entwicklung nicht unbedingt glücklich: Von ihrem Mann hatte sie sich getrennt, für ihren Sohn hatte sie kaum noch Zeit. Der Erfolg gefiel ihr zwar, sie befürchtete aber, aus der Schublade nicht mehr herauszukommen – aus der Schublade "ostpreußisches Flüchtlingskind mit Faible für slawische Befindlichkeiten".

Ihren zweiten Hit "Sehnsucht" hat sie angeblich gehasst. Es wird die Geschichte erzählt, dass sie das von ihr als "einfältiges Kinderlied" geschmähte Stück ihn nur ein einziges Mal und nur unter Tränen einsang. Chanson und anspruchsvolle Lieder, nicht folkloristischer Schlager, interessierten die Sängerin:

"Ich möchte zur Elite zumindest im deutschen Showgeschäft gehören. Und das nicht erst in zehn Jahren."

Mit dem Wunsch nach mehr Anspruch konnte sich Alexandra langsam durchsetzen. Sie arbeitete in der Folge mit Gilbert Becaud, Udo Jürgens, und Adamo zusammen, sie nahm neben russischen Lieder jetzt auch Songs in Englisch, Französisch, Hebräisch auf.

Was aus der Karriere noch hätte werden können? Wer weiß das schon … am 31. Juli 1969 verunglückte Alexandra tödlich. Ein Ende mit angeblich mysteriösen Begleitumständen. Aber so mysteriös sind sie gar nicht: Alexandra, mit dem eigenen Auto unterwegs, missachtete auf der Landstraße auf dem Weg nach Sylt die Vorfahrt eines LKW. Beim Zusammenstoß wurden sie und ihre Mutter getötet, ihr sechsjähriger Sohn Alexander, der auf der Rückbank geschlafen hatte, überlebte leicht verletzt. Gerade einmal 27 Jahre alt wurde sie, die Sängerin mit den großen Plänen.

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