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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.03.2012

Die skurrile Zeit im wilden Osten

Neu im Kino: "Russendisko"

Von Jörg Taszman

Wladimir Kaminer und Matthias Schweighöfer bei der Filmpremiere von "Russendisko" in Berlin (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Wladimir Kaminer und Matthias Schweighöfer bei der Filmpremiere von "Russendisko" in Berlin (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

Matthias Schweighöfer soll einen Russen mimen, der als jüdischer Kontingentflüchtling in der späten DDR landet. Mit ein bisschen Multikulti, flotten Sprüchen und vielen Klischees will die Verfilmung von Wladimir Kaminers Kultbuch "Russendisko" punkten.

Schon kurz vor Beginn der Dreharbeiten wurde der Regisseur gefeuert: Oliver Schmitz, der kosmopolitische deutsche Filmemacher, der in Südafrika aufwuchs. "Unüberbrückbare Differenzen" sollen im Spiel gewesen sein. Wenn man sich diesen auf kommerziell getrimmten, deutschen, belanglosen Film anschaut, versteht man auch, warum. Die Produktion wirkt wie eine am Reißbrett konzipierte "Chronik eines angekündigten deutschen Kassenschlagers".

Man nehme zwei sympathische Hauptdarsteller, den omnipräsenten Matthias Schweighöfer und den noch unverbrauchteren Friedrich Mücke, die ja so wunderbar in "Friendship" funktionierten, und presse die beiden in eine auf lustig getrimmte Klamotte über die skurrile Zeit im wilden Osten kurz nach der Wende.

Unsere beiden deutschen Jungstars sollen Russen mimen, die als jüdische Kontingentflüchtlinge noch in der alten DDR landen. Macht nichts, dass beide schon von Beginn an fließend Deutsch sprechen, im Falle von Schweighöfers Kaminer-Figur auch schon toll berlinern. Dem deutschen Publikum, das nur unterhalten werden möchte, wird’s egal sein. Traurig ist nur, mit welcher Provinzialität sich das kommerzielle deutsche Kino immer wieder selber ausbremst, seine Zuschauer für blöd hält und glaubt, mit ein bisschen Multikulti, flotten Sprüchen und jeder Menge Klischees ließe sich an der Kasse schon punkten.

Das Ganze basiert natürlich auf dem Kultbuch von Wladimir Kaminer, dem Lieblingsrussen des deutschen Feuilletons, und im gesamten Film gibt es exakt eine witzige Szene, wenn sich der Rabbiner darüber wundert, warum Russen plötzlich alle echte Juden werden wollen… Das ist leider zu wenig für diesen auf ganzer Linie enttäuschenden und ärgerlichen Film.

Deutschland 2011 - Regie: Oliver Ziegenbalg - Darsteller: Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke, Christian Friedel, Peri Baumeister, Susanne Bormann, Pheline Roggan - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 6 - Länge: 100 Minuten

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"Russendisko"
"Unentschlossenheit - typisch europäisch"

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