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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.06.2007

Die Show, die Frau und die Politik

Am Sonntag gibt es die letzte Ausgabe von "Sabine Christiansen"

Von Michael Meyer

Sabine Christiansen (AP)
Sabine Christiansen (AP)

Seit fast zehn Jahren treffen sich Sonntag für Sonntag die prominentesten Politiker der Republik zum Schlagabtausch bei Sabine Christiansen. Doch am Sonntag ist endgültig Schluss. Die 447. Sendung wird die letzte sein.

"Warum haben wir es verlernt, uns zu freuen?"
Genscher: "Ja, wir haben es wohl überhaupt verlernt, uns über irgendetwas zu freuen, ich freue mich jeden Tag, dass es keine Mauer und kein Stacheldraht mehr in Deutschland gibt …"

Wenn jeden Sonntagabend Sabine Christiansen zum politischen Talk lud, dann war eines gewiss: Die Zuschauer schalteten ein – das lag nicht nur an der günstigen Sendezeit am Sonntagabend – es lag vor allem daran, dass die Redaktion es schaffte, fast immer die prominentesten Gesichter zu versammeln. Nach dem Verursacherprinzip: Frage immer den, der wirklich für das jeweilige Gesetz, den Vorschlag, oder die Dummheit verantwortlich ist. Allein dies sorgte bereits für gute Quoten – wer da nun in welcher Form auf welchem Niveau miteinander sprach, das sei im Grunde nebensächlich gewesen, bemerkte einmal Politmoderator Friedrich Küppersbusch.

Das erste Jahr als Talkshow-Moderatorin galt für Sabine Christiansen als gescheitert. Kaum eine andere Sendung hatte anfangs ein so schlechtes Medienecho – unentschlossen und unprofessionell sei die Sendung gewesen. Die negative Presse ließ zwar nach ein, zwei Jahren langsam nach, aber: Christiansen blieb für viele Kritiker eine gern gehasste Moderatorin. Dabei bewies sie erstaunliche Zähigkeit in Konkurrenz zu den anderen Talksendungen.

Vorgeworfen wurde Christiansen immer wieder ihre oft anbiedernde Nähe zu Politikern, was vor einigen Jahren darin gipfelte, dass der damalige CDU-Generalsekretär Friedrich März ihr allzu wohlwollende Glückwünsche zur 250.Sendung auf den Weg gab:

"Ich finde, wir sollten Ihnen erstmal gratulieren. – Oh vielen Dank - Diese Sendung bestimmt die politische Agenda in Deutschland mittlerweile mehr als der deutsche Bundestag, das betrübt mich etwas, aber das ist ein großer Erfolg …"

Immer wieder musste Sabine Christiansen Fragen beantworten, warum sie denn nicht stärker nachfasse, warum sie Politiker immer so lange ausreden ließ. Sie antwortete stets in ruhigem Ton:

"Der Zuschauer goutiert das bei uns sehr, wenn jemand zu Wort kommt, nicht wenn er dreimal dasselbe sagt, dann unterbinde ich das auch. Aber: Er möchte einen Meinungsaustausch haben, das heißt, er möchte auch verstehen können, er möchte nicht Lautstärke hören, sich anbrüllen hören, sondern er möchte verstehen können, was das Argument des einen oder anderen ist. (…) Und das bedeutet: Ich möchte schon hören, deswegen lade ich mir auch Gäste ein, was diese Gäste zu sagen haben, wenn ich ihn an die Wand rede, habe ich nichts von meinem Gast, und der Zuschauer erst recht nichts, dann ist es eine Show, wir heißen zwar Talkshow, aber der Schwerpunkt liegt auf Talk und weniger auf Show."

Kritiker bestritten dies jedoch – und hielten der Sendung allzu viel unterhaltende Elemente vor – Politik als leichtkonsumierbare Show. Missglückte Sendungen mit nur einem Gast, wie die mit Edmund Stoiber, Joschka Fischer oder Bill Clinton konnten Christiansen nichts anhaben – sie blieb stets ihrem Konzept, ihrer Auffassung von Talkshow treu. Viele Bücher sind über sie geschrieben worden, wie etwa das von Walter von Rossum, der ihrer Sendung unterstellte, immer erst den Untergang des Abendlandes herbei zu reden, um dann Lösungsvorschläge zu erörtern. Das mag wohl so gewesen sein, unterschlägt aber, dass andere Sendungen nach genau demselben Prinzip funktionieren – heute, wie wohl auch in Zukunft.

Kulturpresseschau

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