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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 30.11.2011

"Die Reise des Personalmanagers"

Israelisch-rumänische Tragikomödie

Von Jörg Taszman

Der israelische Filmregisseur Eran Riklis (picture alliance / dpa / Jean-Christophe Bott)
Der israelische Filmregisseur Eran Riklis (picture alliance / dpa / Jean-Christophe Bott)

Aus PR-Gründen muss der Manager einer Jerusalemer Großbäckerei nach Rumänien reisen. Eran Riklis neuer Film ist ein Roadmovie mit melancholischem Witz, schwarzem Humor und emotionaler Tiefe.

Nach seinen beiden letzten Filmen "Lemon Tree" und "Die syrische Braut", die beide den arabisch-israelischen Konflikt im Alltag Israels thematisieren und sich dabei auch mit den Absurditäten der Bürokratie befassen, drehte Regisseur Eran Riklis nun eine schräge Tragikomödie.

So muss sich der Personalmanager einer großen Bäckerei in Jerusalem dafür verantworten, dass eine bereits entlassene Angestellte aus Rumänien weiter bezahlt wurde. Pikant und tragisch ist der Umstand, dass diese junge Frau bei einem Selbstmordattentat ums Leben kam. Ein Journalist klagt nun die Bäckerei an, unmenschlich und zynisch mit Angestellten umzugehen. So muss der Personalmanager aus PR-Gründen die Tote persönlich nach Rumänien begleiten, aber einmal im tiefen Osten angekommen, beginnen die Probleme erst richtig.

Fast mühelos gelingt Eran Riklis der Wechsel zwischen Tragik und Komik, Ernsthaftigkeit und Absurdität. Wenn der mit sich unzufriedene Manager in einem "Barkas", später sogar einem Panzer durch Rumänien fährt, gewinnt das Roadmovie vor allem im letzten Drittel an melancholischem Witz, schwarzem Humor und emotionaler Tiefe.

Etwas störend wirken mitunter die Ostklischees von verlassenen Dörfern mit ihren desillusionierten Einwohnern, aber glücklicherweise tappt Eran Riklis dabei nicht zu sehr in die folkloristische Kusturica-Falle. Das liegt einerseits an der multikulturellen Reisetruppe, die neben dem Personalmanager aus einer israelischen Vizekonsulin, ihrem rumänischen Mann, dem israelischen Sensationsreporter, der die Affäre ins Rollen brachte und dem Sohn der Toten, einem verschlossenen Teenager besteht.

Und dann sind noch die vorzüglichen Schauspieler, vor allem der vielseitige Hauptdarsteller Mark Ivanir - deutschen Zuschauer als russischer Mafioso aus Dominik Grafs TV-Serie "Im Angesicht des Verbrechens" bekannt. Aus dem mürrischen, persönlich wie beruflich gescheitertem Zyniker, wird langsam wieder ein mitfühlender Mann, der sich vor allem für den rebellischen Sohn der Toten zu interessieren beginnt.

So hat Eran Riklis diesmal einen etwas leichtgewichtigeren, aber dennoch sehenswerten Film mit skurrilen und emotionalen Einschüben gedreht, der ganz gut in den Kinoherbst passt.

Israel/Deutschland/Frankreich/Rumänien 2010; Regie: Eran Riklis; Hauptdarsteller: Mark Ivanir, Guri Alfi, Noah Silver; Länge: 103 Minuten

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