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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 07.01.2009

"Die Perlmutterfarbe"

Hannelore Heider hat Marcus H. Rosenmüllers Romanverfilmung gesehen

Der Regisseur Marcus H. Rosenmüller bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2007. (AP Archiv)
Der Regisseur Marcus H. Rosenmüller bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2007. (AP Archiv)

Mit der Verfilmung von Anna Maria Jokls gleichnamigen "Kinderroman für fast alle Leute" ist Markus H. Rosenmüller ein Film gelungen, der wegen seiner erzählerischen und darstellerischen Qualitäten durchaus auch für ein erwachsenes Publikum zum Erlebnis werden kann.

D 2008. Buch und Regie: Marcus H. Rosenmüller. Darsteller: Markus Krojer, Dominik Nowak, Zoe Mannhardt, Benedikt Hösl, Brigitte Hobmeier, Adele Neuhauser. 103 Minuten, ab 6 Jahre

Die Geschichte, die die Autorin im Prager Exil und sehr wohl mit der Intention aufschrieb, aktuelle politische Entwicklungen im faschistischen Deutschland zu spiegeln, spielt in den 30er Jahren in einer Bayerischen Kleinstadt. Rosenmüller hat dafür atmosphärisch bezwingende Drehorte gefunden, die uns mit ihrer Winterstimmung in eine Kindheit versetzen, die es längst, auch im Film, nicht mehr gibt. Wollstrümpfe und Rodel, ein magischer Bücherladen und Mutproben verbinden sich mit einer lausbubenhaft gefärbten Erzählweise im gut verständlichen bayrischen Dialekt, die freilich neben allem unbekümmerten Schabernack auch eine sehr ernste Geschichte erzählt.

Der Siebtklässler Alexander (Markus Krojer) will um jeden Preis den Malwettbewerb in seiner Schule gewinnen. Als ihm zufällig das Fläschchen mit der magisch zusammen gemischten Perlmutterfarbe seines Erfinderfreundes Maulwurf (Dominik Nowak) in den Ranzen fällt, glaubt er sich am Ziel seiner Wünsche. Stattdessen bringt ihn die Verkettung unglücklicher Umstände in eine Zwangslage. Das Fläschchen läuft aus, ein kostbares Buch wird beschädigt, aus Angst und Scham schiebt er die Schuld auf einen Jungen aus der Nachbarklasse und so wird aus dem "Bandenkrieg" zwischen A- und B-Klasse eine Hetzkampagne, die mit ihren brutalen Demütigungen und Ausgrenzungen der Situation in "Die Welle" vergleichbar ist.

Der kluge und sensible Alexander hat das alles nicht gewollt, doch die Wahrheit zu bekennen, ist schwer. Zumal der Junge erfahren muss, dass ihm auch seine geliebte Mutter die Wahrheit über seinen Vater verschwiegen hat.

Der Film macht keine Konzessionen, was die Härte des Konflikts angeht, kommt auch in Schnitt und Kamera ohne Konzessionen an angeblich "moderne" Sehgewohnheiten jugendlicher Zuschauer aus und hat einen herausragenden Hauptdarsteller - Markus Krojer spielt sich schon in Rosenmüllers Überraschungserfolg "Wer früher stirbt ist länger tot" in die Herzen der Zuschauer.

Filmhomepage "Die Perlmutterfarbe"

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