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Fazit | Beitrag vom 01.02.2016

Die Oper "L'Étoile" in LondonKonzentration auf das Alberne

Von Franziska Stürz

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Außenansicht des Royal Opera House in London (imago/Newscast)
Außenansicht des Royal Opera House in London (imago/Newscast)

Emmanuel Chabriers selten gespielte komische Oper L'Étoile ist derzeit im Londoner Royal Opera House zu sehen. Szenisch bleibt Mariame Cléments Inszenierung zwar auf surrealem Schmunzelniveau - trotzdem lohnt es sich, das absurd-heitere Werk zu erleben.

Für den britischen Comedian Chris Addison und seinen französischen Kollegen Jean-Luc Vincent hat Regisseurin Mariame Clément die Dialoge in der Operette L'Étoile eigenhändig bearbeitet und erweitert. Ihr geht es sehr ernsthaft um das Alberne an sich in diesem Stück - und natürlich steckt dahinter eine entlarvender Zeigefinger.

Der erscheint auch gleich zu Beginn nach bester Monty-Python-Manier aus dem Schnürboden des Royal Opera House und lässt das Inkognito von König Ouf I. auffliegen. Zu seinem Geburtstag belauscht Ouf seine Untertanen, ob nicht einer ihn beleidigt. Traditionell wird der erste, den er erwischt, dann öffentlich gepfählt.

Surreales Schmunzelniveau

Mariame Clément verortet das Reich König Oufs in die persische Märchenwelt von 1001 Nacht. Das riesige alte Wandgemälde mit Haremsdamen und Paschas erwacht im bunt kostümierten Chor zum Leben und Ouf ist somit klar als Muselmann aus fernen Zeiten abgestempelt.

Clément springt zwar beeindruckend in den Zeiten umher, landet in Werbeplakaten der 1950er-Jahre, zitiert erotische Fotos aus den wilden 20ern und lässt moderne Motorboote aus Pappmaché erscheinen, aber eine zeitnahe Interpretation der Figuren hätte dem Stück sicher mehr Brisanz verleihen können. So bleibt der Abend szenisch auf einem märchenhaft surrealen Schmunzelniveau zum Amüsieren.

Bühnenbildnerin Julia Hansen hat für die Szene eine herrlich comicartige und gleichzeitig romantische Wunderwelt quer durch alle Epochen geschaffen. Wenn die britische Mezzosopranistin Kate Lindsey in ihrer Hosenrolle des verliebten Lazuli berückend schön die Arien an den Stern singt, steht da ein Verkehrsschild in der Wüste: "Achtung scharfe Rechtskurve".

Es steckt schon viel Witz in dieser Interpretation, er ist nur auf Dauer zu zahnlos. Die beiden Comedians Addison und Vincent verkörpern französische und britische Lebensart zur Zeit der Belle Époque, beziehungsweise Queen Victorias. In kurzen Einlagen kommentieren sie das Stück, die Musik, und die nationalen Eigenheiten. Ganz nett, aber nicht wirklich wichtig für das Stück.

Absurd-heiteres Werk

Richtig wichtig ist die Musik, die es hier zu entdecken gibt, und die ist eindeutig französisch. Dirigent Mark Elder feiert mit der für London ungewöhnlichen Premiere sein 40-jähriges Bühnenjubiläum an Covent Garden und kostet alle Facetten mit den gut besetzten, leichtstimmigen Sängern und seinem Orchester aus.

Von Tsching­de­ras­sa­bum und Cancan bis zur innigen Arie und lautmalerisch-witzigen Ensembles wird alles geboten. Bei einem Besuch in London diesen Monat lohnt es sich auf jeden Fall, Chabriers selten gespieltes, absurd-heiteres Werk zu erleben.

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