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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 20.01.2013

Die Mond-Verschwörung

Thomas Eversberg: "Hollywood im Weltall", Springer Spektrum 2012, 192 Seiten

Die Astronauten Neil Armstrong und "Buzz" Aldrin stellen 1969 auf dem Mond die US-Flagge auf.
Die Astronauten Neil Armstrong und "Buzz" Aldrin stellen 1969 auf dem Mond die US-Flagge auf. (AP/NASA)

Haben 1969 wirklich Menschen den Mond betreten? Manche bezweifeln das und behaupten: Die Landung wurde in einem Filmstudio inszeniert. Die vermeintlichen Beweise für diese Verschwörungstheorie untersucht der Astrophysiker Thomas Eversberg in seinem neuen Buch.

Verschwörungstheorien gehören längst nicht mehr nur zum amerikanischen Alltag. Im Internet-Zeitalter sorgen sie auch hierzulande immer wieder für Gesprächsstoff. Seien es naiv-alberne wie "Elvis lebt" oder politisch-brisante Behauptungen wie etwa die, der Terroranschlag vom 11. September 2001 sei von der CIA inszeniert worden: Daran glaubt bestenfalls eine kleine Gemeinde von unbelehrbaren Skeptikern. Anders ist es mit der seit Ende der 70er-Jahre grassierenden Behauptung, die Landung von Menschen auf dem Mond 1969 und auch die folgenden Apollo-Unternehmen hätten nie stattgefunden und seien von der NASA in Hollywood-Manier auf der Erde simuliert worden. Immer neue sogenannte "Beweise" geistern durch das Internet oder machen in diversen Bücher und "Dokumentarfilmen" die Runde.

Sie kritisch unter die Lupe zu nehmen, hat sich Thomas Eversberg vorgenommen. In seinem Buch "Hollywood im Weltall – Waren wir wirklich auf dem Mond?" untersucht er sorgfältig diese vermeintlichen Beweise, die von simpler Unkenntnis der Fakten bis hin zu komplexeren Sachverhalten etwa über Licht- und Schattenverhältnisse auf den historischen Aufnahmen reichen. Kapitelüberschriften wie "Am Himmel fehlen die Sterne", "Da flattert doch die Fahne" oder "Manipulation der Bilder" machen seinen Ansatz deutlich.

Der Autor, Astrophysiker und derzeit beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Raumfahrtmanagement tätig, geht nun keineswegs mit kategorischer Ablehnung an die Thematik heran. Er zeigt, wo die Quellen möglicher Missverständnisse oder Fehldeutungen – aus Unkenntnis oder Absicht – liegen können. Unterstützt wird das Ganze durch das passende NASA-Bildmaterial in hoher Qualität, zusätzlich direkt abrufbar mit Hilfe von QR-Codes oder über die entsprechenden Netz-Adressen.

Thomas Eversberg beschränkt sich in seinem Werk jedoch nicht nur auf technologisch-astronomische Aspekte. Auch die Methodik wissenschaftlicher Beweisführung oder die Frage, worin die Wurzeln für die Hochkonjunktur solch obskurer Theorien liegen, werden ausführlich diskutiert. Alles lesens- und empfehlenswert. Wer sich auf eine Diskussion mit den "Mondlande-Gegnern" einlassen will oder muss, ist mit "Hollywood im Weltall – Waren wir wirklich auf dem Mond?" argumentativ bestens gerüstet.

Eine kritische Anmerkung sei dem Rezensenten doch noch gestattet: Im letzten Kapitel "Technik, Geld und die Rückkehr zum Mond" gibt sich der Autor – milde formuliert – als engagierter Skeptiker der bemannten Raumfahrt zu erkennen. Über vieles, was bei ihm in diesem Zusammenhang zu lesen ist, kann und muss man trefflich streiten. Bizarr wird es allerdings, wenn er behauptet: "Erfahrene Raumfahrtmanager in den großen Raumfahrtagenturen sehen eine bemannte Mondlandung, wenn überhaupt, keinesfalls vor 2050"! Das klingt fast nach neuer Verschwörungstheorie.

Besprochen von Harro Zimmer

Thomas Eversberg: Hollywood im Weltall. Waren wir wirklich auf dem Mond?
Springer Spektrum 2012
192 Seiten, 14.95 Euro

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