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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 09.03.2012

Die Legende vom Flötenkönig

Sabine Henze-Döhring: "Friedrich der Große - Musiker und Monarch", CH Beck, München 2012, 256 Seiten

Porzellanbüsten, die das Porträt Friedrichs des Großen (1712 bis 1786) zeigen (Klaus-Dietmar Gabbert/dapd)
Porzellanbüsten, die das Porträt Friedrichs des Großen (1712 bis 1786) zeigen (Klaus-Dietmar Gabbert/dapd)

Preußenkönig Friedrich II. war auch ein Mann der Musik. So weit so bekannt. Im großen Geburtstagsjahr gibt das Buch der Musikwissenschaftlerin Sabine Henze-Döhring aber erstmals Gelegenheit zu erfahren, wie die Beziehung des Königs zur Musik wirklich aussah.

In unserem Bild von Preußens König Friedrich II. nimmt sich dessen Musikalität wie eine monarchische Possierlichkeit aus. Flöte gespielt hat er, die Oper geliebt und ein wenig komponiert – das dürfe neben seinen Leistungen als Staatsmann, Feldherr, Philosoph und Historiker allenfalls den Rang einer Anekdote beanspruchen. So jedenfalls ist das Thema lange behandelt worden.

Den Historikern galt es nicht als große Politik, den Musikwissenschaftlern nicht als große Kunst. Doch nun hat Sabine Henze-Döhring zum Jahr des 300. Friedrich-Geburtstages ein inhaltsreiches Buch geschrieben, das mit dieser Sichtweise bricht: "Friedrich der Große – Musiker und Monarch". Für die Autorin, die an der Universität Marburg lehrt, ist die Musikalität Friedrichs ein wesentlicher Teil seines Selbstverständnisses: Er will den Ruhm seines Staates und seiner eigenen Person mehren durch Professionalität in der Kunstförderung wie in der Kunstausübung. Und zur Professionalität hat es der König tatsächlich gebracht, als Flötist zumindest und als Opernintendant.

Statt nur Anekdoten und Gerüchte aus früheren Büchern abzuschreiben, hat Henze-Döring die originalen Quellen befragt: Briefe, die Friedrich mit musikinteressierten Partnern wechselte, Gehaltsregister, Rechnungsbücher, Besetzungslisten von Opernbühnen und Kapellen, Dienstanweisungen am Hofe. Das Ergebnis: Unser bisheriges Bild von Friedrich II. als Musiker beruhte auf ungeprüftem Geschwätz. Weder hatte der königliche Flötenlehrer Johann Joachim Quantz am preußischen Hof eine musikalisch beherrschende Stellung, noch gab der König nach 1763 sein Interesse an der Oper auf. Auch an neuer Musik, etwa der von Christoph Willibald Gluck, war er interessiert. Entgegen einer kolportierten Äußerung schätzte er deutsche Sängerinnen und auch die komische Oper. Die europäische Szene kannte er bestens, weshalb er den Marktwert von Sängern stets angemessen beurteilen konnte.

Sabine Henze-Döhring knüpft hier an die Forschungen von Christoph Henzel und Claudia Terne zur preußischen Hofkapelle an, aber auch an eigene Forschungen über Friedrichs Schwester Wilhelmine, die spätere Markgräfin von Bayreuth. Entstanden ist auf diese Weise ein knappes, gut lesbares, aufklärerisches Buch, das Fakten über Meinungen stellt und dabei die Legende vom Flötenkönig gar nicht zerstört, sondern eher noch fester begründet. Das Fehlen eines detaillierten Verzeichnisses der Kompositionen Friedrichs ist das einzige, was man in diesem Buch wirklich vermisst.

Besprochen von Jan Brachmann

Sabine Henze-Döhring: Friedrich der Große - Musiker und Monarch
C.H. Beck, München 2012
256 Seiten, 18,95 Euro

Links auf dradio.de:
"Gefühlspolitik. Friedrich II. als Herr über die Herzen?"
"Voltaire war eher wie so ein Schulmeister für Friedrich"

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