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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.05.2011

Die Kulturen der Alten Welt im Fokus

Mit dem Berliner Antike-Kolleg startet heute ein weltweit einzigartiges, interdisziplinäres Vorhaben

Von Jürgen König

Das Berliner Antike-Kolleg nähert sich dem Altertum aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen. (Stock.XCHNG /)
Das Berliner Antike-Kolleg nähert sich dem Altertum aus unterschiedlichen Forschungsrichtungen. (Stock.XCHNG /)

Von einer philosophischen "Denkerbude" schwärmte schon Aristophanes vor zweieinhalbtausend Jahren. Nun soll Berlin um eine solche "Denkerbude", um einen "Leuchtturm der Wissenschaft", reicher werden.

Seit dreieinhalb Jahren schon arbeiten Wissenschaftler im Exzellenz-Cluster "Topoi" in Berlin zusammen; das Förderprogramm "Topoi 1" läuft 2012 aus – das Förderprogramm "Topoi 2", wenn es denn bewilligt wird, endet 2017: das Berliner Antike-Kolleg aber soll bleiben: gemeinsam gegründet von der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, vom Deutschen Archäologischen Institut, dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Sechs Institutionen, die mit ihrer engen Zusammenarbeit in Forschung und Lehre die lange Berliner Tradition der Altertumsforschung fortsetzen, besser gesagt neu beleben wollen. Fast 400 Spitzenwissenschaftler hat das Exzellenzcluster "Topoi" in Berlin schon zusammengeführt, Michael Meyer, der "Topoi"-Sprecher der Freien Universität Berlin, erklärt die Vorzüge interdisziplinärer Forschung.

"Unter diesem Dach von 'Topoi' arbeiten sage und schreibe 24 wissenschaftliche Fächer zusammen, und das ist eigentlich auch genau das, was hier in hohem Maß passiert: dass man wirklich zwischen den Fächern aufeinander zugeht, dass man lernt, miteinander zu arbeiten, dass der Philosoph lernt, dass ein physischer Geograf Räume der Antike rekonstruieren kann, dass ein Rechtshistoriker zum Beispiel lernt, dass er, wenn er sich mit dem Vorderen Orient beschäftigt, die Anfänge der Vermessungskunst erforschen kann, die ja vielfältigen Einfluss, Eingang in das Römische Recht gefunden haben."

Ein grandioser Plan, weltweit einzigartig. Zum Berliner Antike-Kolleg gehören ein der Alten Welt gewidmetes Forschungszentrum, ein Forschungsportal, das Methoden zur nachhaltigen Datensicherung und Datenpflege entwickelt sowie - im Mittelpunkt des Kollegs - die Graduiertenschule für altertumswissenschaftliche Studien. Die Studiengänge sind an den Berliner Universitäten angesiedelt, in enger Zusammenarbeit mit den außeruniversitären Partnern.

Erstmals zum Sommersemester 2012 werden vier Programme für Promotionsstudien angeboten: jeweils für etwa 10 Doktoranden, die in der ganzen Welt geworben werben sollen. Von Anfang an in konkrete Forschungsprojekte eingebunden, sollen sie grundlegende theoretische und methodische Fertigkeiten erwerben - und dabei neue Forschungsfragen entwickeln, neue Wege interdisziplinärer Ausbildung. Der Plan, wie gesagt, ist grandios, die Mühen der Ebene werden vermutlich noch folgen. Die Liste der Geldgeber, jenseits der "Topoi"-Fördermittel, steht für den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, fest:

"Die Einrichtungen selber, die mitmachen am Berliner Antike-Kolleg, müssen einen Beitrag nach einem Schlüssel liefern, damit das Ganze losgehen kann, damit eine Geschäftsstelle finanziert werden kann; zu den Projekten die Drittmittel - und auch das Land ist gefordert."

Und entsprechende Zusagen des Landes Berlin soll es bereits gegeben haben. Am Ende der kühnen Pläne steht die Vorstellung eines eigenen Gebäudes für das Berliner Antike-Kolleg, das die Kulturen der Alten Welt erforscht, ihre antiken Netzwerke des Wissens, die die Grundlagen bilden für uns Heutigen. Unter den Kollegen im Ausland habe alleine die Idee einer solchen Einrichtung die größte Aufmerksamkeit gefunden, berichtet der "Topoi"-Sprecher der Berliner Humboldt-Universität, Gerd Graßhoff.

"Das ist eine Mischung aus Bewunderung und Neid. Ich weiß von Kollegen in Paris, dass die zentrale Forschungsinstitution, die CNRS, dort nach Berlin schaut, um eine Kopie in Paris aufzubauen. Wir sind gefragt worden von New York, von dem dortigen Institute for Studies in the Ancient World, ob wir nicht eine enge Kooperation und gemeinsame Ausbildung machen können; das gleiche in einem Forschungsverbund der Kollegen aus der Cambridge University. Wie Sie wissen, ist die akademische und finanzielle Situation in England derzeit desaströs. Also wir haben hier einen Zustand, den man nicht vielleicht paradiesisch nennen sollte, aber im Vergleich zu der Situation im Ausland sind das hervorragende Bedingungen."

Wie viel Geist wird in Berlin einmal versammelt sein: drei Universitäten, dutzende Museen und Theater, drei Opernhäuser, das Humboldt-Forum im Berliner Schloss und nun auch noch die "Denkerbude". Wenn das Aristophanes hätte erleben können – er wäre begeistert gewesen.

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