Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 07.10.2009

"Die Kinder der Seidenstraße"

Kriegsdrama von Roger Spottiswoode

Gesehen von Hans-Ulrich Pönack

Der britische Foto-Reporter George Hogg dokumentiert 1937 den Überfall der Japaner auf Nanking, weshalb ihn diese zum Tode verurteilen. Zunächst kann er sich in die Berge flüchten. Dort begibt er sich mit Waisenkindern auf einen langen Marsch nach Westen.

Der am 5. Januar 1945 in Ottawa/Ontario geborene kanadische Filmemacher Roger Spottiswoode zählt zu den Spitzen-Genre-Regisseuren Hollywoods und hat sich mit Filmen wie "Under Fire" (1982); "Mörderischer Vorsprung" (1988/mit Sydney Poitier; wird im hiesigen TV immer wieder gezeigt); "Scott & Huutsch" (1989); dem Bond-Streich "Der Morgen stirbt nie" (1997) und zuletzt mit der Patricia-Highsmith-Adaption "Ripley Under Ground" (2005) einen hervorragenden Ruf erworben.

Hier nun aber "schwächelt" er. Das Kriegsdrama beruht auf der Biographie von George Hogg, mit erzählerischen wie kinematographischen Freiheiten. Der britische Oxford-Absolvent war überzeugter Pazifist, als er 1937 als Foto-Reporter China erreichte, wo die Japaner, ohne offizielle Kriegserklärung, gerade den Nordosten des Landes besetzt haben. Getarnt als Mitglied des Roten Kreuzes soll er vom dortigen Konflikt zwischen den Chinesen und den Japanern berichten.

Doch dazu kommt es erst gar nicht. Bereits kurz nach seiner Ankunft wird Hogg von aggressiven, wütenden Japanern aufgegriffen, weil er deren Massaker an den Einwohnern von Nanking dokumentiert hat, und zum Tode verurteilt. In letzter Minute rettet ihn ein Trupp chinesischer Widerstandskämpfer. Hogg flieht in die Berge, wo er in einem Waisenhaus für chinesische Kriegsflüchtlinge Unterschlupf findet.

Doch dann kommen die Japaner bedrohlich immer näher. Also begibt er sich schließlich, gemeinsam mit 64 Schützlingen, auf eine beschwerliche Flucht gen Westen, über die Seidenstraße, um sich und die Kinder im Dorf Shandan, am westlichen Ende der Wüste Gobi, in Sicherheit zu bringen. Begleitet von einer amerikanischen Krankenschwester, Radha Mitchell, und dem Partisanenführer Chen.

Ein strapaziöses Unternehmen, bei dem über 1000 Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden. Als "Langer Marsch in Miniatur" ist die Aktion bis heute bekannt. Im Filmabspann bezeugen einige von Hoggs damaligen Schutzbefohlenen voller Dankbarkeit das aufopferungsvolle Engagement ihres persönlichen Retters. Der Film ist episodenhaft und ziemlich holprig entwickelt - und vollständig auf den britischen Helfer ausgerichtet. Seine Selbstlosigkeit steht im Zentrum des Geschehens, während seine jungen Schützlinge weitgehend anonym und gesichtslos im Hintergrund bleiben.

Mit den japanischen Aggressoren verhält es sich ähnlich: Grimmige Gestalten, allesamt böse. Somit bleibt alles eindimensionale Schwarzweiß-Malerei: Hier die hilfsbedürftigen Chinesen, dort die fiesen Japaner, und mittendrin der tolle Brite, der sich kompromisslos für Frieden, Humanismus und die Rettung der Kinder einsetzt. Mit diesem Konzept erinnert "Die Kinder der Seidenstraße" natürlich an das thematisch ähnliche Kriegsdrama "John Rabe " von Florian Gallenberger von neulich, das sich ebenfalls mit dem Massaker von Nanking von 1937 befasste. Doch das Interesse hier bleibt "im Rahmen", weil die Figur des George Hogg viel zu blass wirkt, während die zahlreichen Action-Motive als Alibi-Show dienen. Von wegen: Wir müssen schließlich ja unterhalten! Auf Deibel komm raus. Von dichter Charakterzeichnung und innerer Erzählspannung keine Spur.

So findet man keine "Beziehung" zum Film und seinem humanen Erinnerungsthema. Radha Mitchell als attraktive amerikanische Krankenschwester Lee und Asiens Superstar Chow Yun Fat ("Tiger & Dragon"; "Der Fluch der Goldenen Blume") als präsenter, charismatischer Chef-Rebell bemühen sich in Nebenparts, während der irische Schauspieler Jonathan Rhys Meyers ("Der Klang des Herzens"; "Match Point" von Woody Allen/2005) brav den guten Menschen mimt. Ein insgesamt langweiliges Drama, bei dem die Absicht sehr viel mehr zählt als das trübe "praktische" Leinwand-Ergebnis.

Australien / China / Deutschland 2009. Regie: Roger Spottiswoode. Darsteller: Jonathan Rhys Meyers, Radha Mitchell, Chow Yun Fat, Michelle Yeoh, David Wenham, Guang Li. Länge: 114 Minuten

Filmhomepage "Die Kinder der Seidenstraße"

Filme der Woche

Neu im KinoAttraktive Chefin im tristen Büro
Der britische Schauspieler Nick Frost (dpa / picture alliance / Dan Himbrechts)

Bruce war drauf und dran, als 13-Jähriger die Salsa-Junioren-WM zu gewinnen. Dann hat er lange mit dem Tanzen nichts mehr am Hut - bis er eine neue Chefin bekommt. Um sie zu beeindrucken, fängt er wieder damit an.Mehr

Neu im KinoUnsterblich verliebte Todgeweihte
Schauspielerin Shailene Woodley, aufgenommen am 30. März 2014 in London. (picture alliance / dpa / Tal Cohen)

Die Jugendbuchverfilmung um die 16-jährige Hasel, die unheilbar an Schilddrüsenkrebs erkrankt ist, schafft, was schon der Romanvorlage gelang: unkonventionelle Charakterzeichnung und Herzkino ohne Gefühlsduselei.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur