Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 14:07 Uhr Kompressor
 
 

Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.01.2008

Die Kehrseite von E-Mail und Internet

Wissenschaftler beklagt Mangel an Aufmerksamkeit

Moderation: Katrin Heise

E-Mails können auch zur Plage werden. (Stock.XCHNG / Artur Bednarski)
E-Mails können auch zur Plage werden. (Stock.XCHNG / Artur Bednarski)

Nach Ansicht von Reinhard Oppermann wird unser Arbeitsalltag zunehmend durch moderne Kommunikationsmittel zerstückelt. Es herrsche kein Mangel an Information und Kommunikation, sondern an Aufmerksamkeit, sagte der Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik.

Katrin Heise: Die einen messen ihre Wichtigkeit daran, für die anderen ist sie einfach nur lästig, die Flut der E-Mails. Fakt ist allerdings, moderne Kommunikation verändert unseren Arbeitsalltag, wir sind jederzeit für jedermann und jede Information erreichbar. Und wir sind auch noch gezwungen zu reagieren. Das beschleunigt natürlich Arbeitsgänge einerseits, andererseits werden wir dauernd aus unseren Abläufen herausgerissen und können uns kaum noch konzentrieren auf das, was wir eigentlich tun wollten und sollten. Wie kommen wir raus aus dem Dilemma? Reinhard Oppermann ist Forschungsleiter am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Herr Oppermann, wie viele E-Mails bekommen Sie denn so?

Reinhard Oppermann: Wenn ich nichts tue pro Tag etwa 1000. Wenn ich den Spamfilter eingeschaltet und gut trainiert habe, vielleicht noch 100. Wenn ich sortiere und Wichtiges von Unwichtigem unterscheide, vielleicht noch 50 bis 60, die wirklich Aufmerksamkeit erfordern.

Heise: Wie lange brauchen Sie am Tag dafür?

Oppermann: Das hängt natürlich von der Form meiner Kommunikationspartner und von mir selbst ab. Aber Mails beanspruchen schon ein bis zwei Stunden.

Heise: Interessiert sich die Forschung eigentlich dafür, wie sehr sich unser Arbeitsalltag durch moderne Kommunikationsmittel verändert und vielleicht auch zerstückelt hat?

Oppermann: Sie interessiert sich schon dafür, aber meiner Ansicht nach viel zu wenig, zu wenig im Hinblick auf soziale Vorkehrungen bei dem Verhalten mit dem neuen Medium, auch etwas mit technischen Lösungen. Aber meiner Ansicht nach sind die technischen Lösungen nicht das Entscheidende, wie wir mit diesem Medium umgehen.

Heise: Und wie kann man das messen, wie wir mit diesem Medium umgehen? Wie misst man Aufmerksamkeit und Zerstreuung?

Oppermann: Aufmerksamkeit ist das richtige Stichwort. Wir haben ja keinen Mangel mehr an Information und Kommunikation. Wir haben einen Mangel an Aufmerksamkeit. Wir haben einen Mangel an der Möglichkeit, mit dieser Information umzugehen. Das Internet als Thema, E-Mails als Dienstinhalt des Internets als Thema, da geht es darum, Vorkehrungen zu treffen, dass uns das das nicht überflutet und dass wir aus der Zerstückelung von Arbeit, was uns ja ein Stück weit entgegenkommt, Zerstreuungskultur ist ja ein Stichwort, was zeigt, das uns das als Menschen durchaus genehm ist, wenn wir abgelenkt werden von Fronarbeit und springen können von einem Informationsthema zum anderen. Und insofern kommt uns das auch entgegen und wird uns nicht nur durch Technik aufgezwungen, aber genau das ist auch das Dilemma.

Das gesamte Gespräch mit Reinhard Oppermann können Sie bis zum 3.7.2008 in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören. MP3-Audio

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDisziplinverstöße oder Schlimmeres
Die Statur des nackten Donald Trump, die von Aktivisten an mehreren Standorten in den USA aufgestellt wurden, darunter Los Angeles, California, USA (EPA)

Die "FAZ" hadert mit Menschen, die sich an der falschen Stelle zurückhalten. Und die "Welt" nimmt die Gemeinsamkeiten Donald Trumps und Theodore Roosevelts unter die Lupe. Dabei findet das Blatt - zum Glück - einen ziemlich deutlichen Unterschied.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

62. Verleihung der Goethe-MedaillenMigration als Motor
Der nigerianische Fotograf Akinbode Akinbiyi  (Emeka Okereke)

"Migration der Kulturen - Kulturen der Migration" - dies war das Motto der 62. Verleihung der Goethe-Medaillen. Ausgezeichnet wurden der Schriftsteller Juri Andruchowytsch, der Fotograf Akinbode Akinbiyi und der Direktor des georgischen Nationalmuseums David Lordkipanidze.Mehr

Dokumentarfilm über Immobilienboom"Ein System der Gier"
Zahlreiche Baukrähne sind in Berlin zu sehen - vor allem bezahlbare neue Wohnungen werden gebraucht. (dpa / Jörg Carstensen)

"Muss ein Hartz-IV-Empfänger am Potsdamer Platz wohnen?", fragt einer der Protagonisten im Dokumentarfilm "Die Stadt als Beute". Filmemacher Andreas Wilcke hat vier Jahre lang den Immobilienboom in Berlin beobachtet - und zeigt eindringlich, wie Wohnraum zur Ware verkommt.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur