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Aus der jüdischen Welt

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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 12.10.2012

Die jüdische K-Frage

Eine Glosse zu Konversion im Judentum

Von Gerald Beyrodt

Sicher kann man qua Geburt jüdisch sein. Nur eines hat man von Geburt an noch lange nicht: Ahnung vom Judentum.
Sicher kann man qua Geburt jüdisch sein. Nur eines hat man von Geburt an noch lange nicht: Ahnung vom Judentum. (AP)

Aus unerfindlichen Gründen hält sich hartnäckig das Gerücht, Konvertiten seien keine richtigen Juden. Man kann im Judentum orthodox oder liberal oder säkular sein. Nur eines kann man nicht: richtig jüdisch sein. Ganz im Gegensatz zu: richtig besoffen. Oder: richtig behämmert.

Wer konvertiert ist, hält es gerne mal geheim, so als ob ein Makel wäre. Auch verschwiegen werden nicht jüdische Väter oder konvertierte Mütter, so als schmälerten sie die eigene Jiddischkeit. Dabei sind die meisten Juden in Deutschland mit Nicht-Juden verwandt, verschwägert, verheiratet. Wer Konversionen gesteht, tut das in einem Ton, wie man früher gestand, keine Jungfrau mehr zu sein, und wie man heute gesteht, immer noch Jungfrau zu sein.

Nicht-Juden rümpfen genauso die Nase über Konvertiten wie geborene Juden. Der Jude soll wie ein Indianer in den Stamm geboren sein. Ein Jude, der sich zur Konversion bekennt, das wirkt ja, wie wenn Winnetou sagt: "Ich bin Apache, aber konvertierter Apache." Winnetou ist einfach nicht exotisch, wenn er gesteht, dass er ursprünglich aus Wuppertal kommt.

Juden sollen so jüdisch sein, wie es nur irgend geht, am besten Schläfenlocken oder Perücke tragen und unentwegt mit der Klarinette rumdudeln. Nachdem das Judentum jahrhundertelang als strenge Gesetzesreligion galt, soll es jetzt eine Art Ursprungsreligion sein, zu deren Wurzeln Christen bei Bedarf immer mal zurückkehren können. Man kann das verstehen: Im christlichen Gottesdienst ist alles so abstrakt, im Musikantenstadl kommt auch keine echte Volksmusik mehr und die Urschreitherapie ist irgendwie aus der Mode. Wenn jetzt auch noch Chaim ein geborener Christian ist, wo käme man da hin.

Doch allen Gerüchten zum Trotz ist Judentum eine Religion und kein Indianerstamm. Wer noch nicht Jude ist, kann Jude werden. Und wenn er dann Jude ist, ist er Jude. Wer konvertieren will, muss vor ein Rabbinatsgericht treten, sagen, warum er Jude werden will und zeigen, dass er sich im Judentum auskennt.

Vielleicht ist das auch der Grund fürs Naserümpfen. Im Gegensatz zu vielen geborenen Juden haben Konvertiten Ahnung vom Judentum. Mehr noch: Sie haben sich überlegt, warum sie Juden sein wollen. Das ruft natürlich den Neid derjenigen auf den Plan, die das Gebetbuch allenfalls vom Hörensagen kennen. Denn sicher kann man qua Geburt jüdisch sein. Nur eines hat man von Geburt an noch lange nicht: Ahnung