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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 18.11.2009

Die Geschichte zweier Jugendfreunde

Vor 50 Jahren wurde der Monumentalfilm "Ben Hur" in New York uraufgeführt

Von Marli Feldvoß

Charlton Heston spielte die Titelrolle in "Ben Hur" (AP)
Charlton Heston spielte die Titelrolle in "Ben Hur" (AP)

Der Erfolg von "Quo Vadis" 1951 brachte die MGM Studios auf die Idee, die neue Breitwandtechnik auch für ein Remake des einstigen Stummfilmhits "Ben Hur" zum Einsatz zu bringen. "Ben Hur" wurde das Superspektakel, ein Luxus-Produkt, bei dem alles funkeln, sprühen und glänzen sollte.

Der Monumentalfilm "Ben Hur" war die damals teuerste und aufwändigste Produktion aller Zeiten. Bis heute behauptet er sich mit elf Oscars neben den Spitzenreitern "Titanic" und "Der Herr der Ringe". Der sogenannte Sandalenfilm war eine Rettungsaktion der MGM Studios, die schon seit Jahren rote Zahlen schrieben und - gegen die neue Konkurrenz des Fernsehens - alles auf eine Karte setzten. So kletterte das Budget von sieben Millionen Dollar während der Dreharbeiten in den Cinecittà Studios in Rom auf mehr als das Doppelte: 10.000 Komparsen, 40.000 Tonnen Mittelmeersand, fünf Jahre Vorbereitung, 40 Drehbuchfassungen und zwei Jahre Drehzeit forderten ihren Tribut. Allein das bombastische Wagenrennen, das drei Monate Drehzeit beanspruchte, verschlang Unsummen.

"Ben Hur" wurde am 18. November 1959 im legendären New Yorker Loew's State Theatre als 70-mm-Kopie uraufgeführt. Es war die dritte Verfilmung des 1880 erschienenen Bestsellers "Ben Hur – A Tale of Christ" von dem Bürgerkriegsveteranen General Lew Wallace. Bereits die zweite Version von 1925 (Regie: Fred Niblo) ging als größter Stummfilmhit in die Annalen von MGM ein. Eingebettet in das Heilsgeschehen von Christi Geburt bis zur Kreuzigung erzählt "Ben Hur" die Geschichte zweier Jugendfreunde, dem jüdischen Fürsten Judah Ben-Hur und dem römischen Centurion Messala, die sich zufällig in Jerusalem wiedertreffen. Doch die Gewaltherrschaft der römischen Besatzung hat ihre Spuren hinterlassen.

"Hilf mir, Judah."

"Ich glaube, ich könnte alles für dich tun, Messala, nur nicht an meinem eigenen Volk zum Verräter werden."

"Aber Judah, im Namen all unserer Götter, was kann dir das Leben von ein paar Juden denn bedeuten?"

"Wenn ich auch verurteile, dass sie Gewalt anwenden, so werde ich doch nicht ihren Mördern helfen."

Aus der einstigen Freundschaft zwischen Judah und Messala wird ein Kampf auf Leben und Tod. Judah Ben-Hur wird unverschuldet zu einer lebenslangen Galeerenstrafe verurteilt, seine Mutter und Schwester verschwinden in den römischen Verliesen. Doch der rachelüsterne Judah kehrt zurück und tritt in dem berühmten Wagenrennen gegen den nunmehr verhassten Messala an, der unterliegt. Für Regisseur William Wyler ein ungewöhnliches Sujet.

"Der Produzent von 'Ben Hur' kam zu mir und fragte: Wie wär's mit 'Ben Hur'? Ich fand es spannend, mich an einem Cecil-B.-DeMille-Film zu versuchen und sagte zu. Es passte zu meinem Prinzip, alle Arten von Film zu drehen."

Der außerordentliche Erfolg des Films und seine bis heute andauernde Wertschätzung - Platz zwei auf der Liste der zehn besten Leinwandepen aller Zeiten – ist nicht zuletzt dem erfahrenen Wyler zu verdanken, der bereits beim "Ben Hur" von 1925 als Regieassistent dabei war und den als Moses erprobten Charlton Heston ins Spiel brachte. Wyler setzte neue politische Akzente. Passé waren die antisemitischen Tendenzen des Stummfilmklassikers, hochaktuell die Anspielungen auf die Kommunistenjagd McCarthys.

Auf Anregung Gore Vidals sollte der Film einen homosexuellen Unterton erhalten. Der schon damals als konservativ geltende Heston wurde darüber nicht informiert. Doch über die tatsächliche Wirkung streiten sich die Kritikergeister bis heute. Das Wiedersehen zwischen Judah und Messala gilt inzwischen als darstellerischer Höhepunkt des Films.

"Ben Hur" – eine amerikanische Bibel? Angepriesen als "das erste intelligente Filmepos" musste sich "Ben Hur" immer wieder seinen Kritikern stellen. Die "New York Times" hielt den Film für den bewegendsten und seriösesten Bibelfilm aller Zeiten. Das war 1959. Spätere Kritiker führen seinen großen Erfolg zurück auf die bewährten Zutaten, die ihn - gerade in den religiösen Szenen - zuletzt auf das Niveau einer DeMille-Schnulze zurückfallen lassen. Die Geschichte "Ben Hurs" ist noch lange nicht zu Ende.




William Wylers Monumentalfilm "Ben Hur" ist auf DVD erhältlich. Quelle: Turner Entertainment Co. und Warner Bros. Entertainment

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