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Sein und Streit | Beitrag vom 03.05.2015

Die ganze SendungAutonomie in der digitalen Welt

Moderation: Thorsten Jantschek

Fitness-App (picture alliance / dpa / Foto: Sebastian Kahnert)
Fitness-Apps machen Fitnessstudios immer mehr Konkurrenz. (picture alliance / dpa / Foto: Sebastian Kahnert)

Ob Gesundheits-App, Buchrecherche oder Schuhkauf, mit jedem Klick im Netz verschieben sich die Machtverhältnisse zwischen Bürgern und Institutionen, das glauben Harald Welzer und Michael Pauen in ihrem neuen Buch "Autonomie – Eine Verteidigung".

Die beiden Autoren analysieren die Mechanismen digitalen Datenaustausches und zeigen, wo wir selbstverständlich private Informationen Preis geben und dadurch ungewollt unsere Autonomie gefährden.

Im Gespräch mit Sein und Streit erläutern Harald Welzer und Michael Pauen, wie fragil die Selbstbestimmung ist und warum wir besser nicht den Entwicklern von Algorithmen das Urteil über unser Wohlbefinden und unsere Vorlieben überlassen sollten. Sie fordern uns – gestützt durch philosophische Erkundungen der Autonomie und empirische Untersuchungen zur Selbstbestimmung – zu digitaler Askese auf, um die Autonomie, die Grundlage für Demokratie und Rechtstaatlichkeit, nicht leichtfertig preiszugeben.

Buchhinweis:
Michael Pauen, Harald Welzer: "Autonomie – Eine Verteidigung"
S. Fischer Verlag
328 Seiten, 19,99 Euro

 
Außerdem in dieser Sendung:

Kleine Leute – große Fragen. Der Nachwuchs im Philosophischen Diskurs in "Sein und Streit". Regina Voss hat diese Woche Kinder gefragt: "Kann man seinen Augen trauen?"


Genetische Veränderungen an Embryonen ?

"Crispr" – so wird eine Technik genannt, die geeignet sein könnte, die Reproduktionsmedizin zu revolutionieren. Grob gesagt kann hier, über direkte Eingriffe in die Keimbahn, das Erbgut repariert werden, etwa um krankmachende Gene auszuschalten. Derzeit wird diese Technik in China an Embryonen erforscht, die nicht in den Mutterleib eingepflanzt werden.

Was nicht ist, technisch aber möglich gemacht wurde, könnte aber womöglich bald Wirklichkeit werden. Das ist die Befürchtung, die viele Ethiker umtreibt, die glauben, dass Eingriffe ins menschliche Erbgut moralisch nicht vertretbar sind. Uns hat in der Redaktion ein Satz des Gentechnikers und Nobelpreisträgers David Baltimore nachdenklich gemacht. "Die Moral", sagte er letzte Woche im Spiegel, "kann sich rasch und gründlich ändern." Einschätzungen dazu von Katharina Doebler im philosophischen Wochenkommentar.


Untergangsprophetien

Eigentlich ist die Philosophie eine Entzauberungsmaschine für Propheten. Und doch sind wir umgeben von Zukunftsvisionären, Zeitdeutern oder Apokalyptikern des Zeitgeistes. In der letzten Woche fand in Berlin in der "Denkerei" eine Einübung in die Kunst der Untergangsklage statt. Arno Orzessek berichtet über einen Theater-Abend mit Hiob und Dostojewski des Philosophen Bazon Brock, dem garantiert ersten Professor für Prophetie.  

Und schließlich, was können wir wissen, was sollen wir tun, worüber sollen wir streiten? Unsere Drei Fragen gehen diese Woche an den Künstler Tobias Zielony. 

Mehr zum Thema:

Digital Humanities - Wie die Digitalisierung die Wissenschaft verändert
(Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 05.03.2015)

Sachbuch - Wer von der Digitalisierung profitiert
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 17.01.2015)

Soziologe Christoph Kucklick - Wie die Digitalisierung den Durchschnitt tötet
(Deutschlandradio Kultur, Buchkritik, 07.01.2015)

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