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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 27.06.2012

Die Erneuerbaren auf dem Prüfstand

Marius Dannenberg: "Energien der Zukunft", Primus Verlag, Darmstadt 2012, 184 Seiten

Die Autoren vermitteln ein konkretes Bild von der Wirkungsweise der Technologien. (BARD-Gruppe)
Die Autoren vermitteln ein konkretes Bild von der Wirkungsweise der Technologien. (BARD-Gruppe)

Die Wende hin zu den erneuerbaren Energien ist unstrittig - gestritten wird über das Wie, über die Veränderungen der Landschaft, über die Lebensqualität neben einer Stromtrasse, über Bürgerbeteiligung bei der Planung. Ein Autorenteam nähert sich dem Thema und erklärt die Grundlagen.

Sie möchten wissen, wie eine Wasserturbine funktioniert und wie man ihre Leistung berechnen kann? Mit welchem Verfahren man Erdwärme in Strom verwandelt? Welche Formel einem hilft, die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaikanlage auf dem Dach festzustellen?

Da sind Sie hier richtig. Während die meisten Bücher über erneuerbare Energien sich vor allem mit den gesellschaftlichen Auswirkungen befassen, ihre Techniken nur am Rande streifen, steht diesmal die Physik und die Ökonomie im Mittelpunkt des Buches. Vier ausgewiesene Experten, ihres Zeichens Wirtschaftsingenieure, rechnen vor, was die Erneuerbaren ganz konkret derzeit kosten.

Das führt zu mancher Überraschung. So zeigen die Autoren, dass die erneuerbaren Energien keineswegs nur neue Arbeitsplätze schaffen. Vergessen wird, dass dafür in anderen Branchen Arbeitsplätze verloren gehen. So hat zum Beispiel ein Holzwerkstoffhersteller seinen Betrieb geschlossen, weil die Förderung von Energie aus Holzverbrennung den Rohstoff zumindest für ihn zu teuer gemacht hat.

Dennoch begrüßen die Autoren die Energiewende uneingeschränkt. Sie räumen unter anderem mit dem Märchen auf, Atomenergie sei CO2 frei, plädieren für einen Ausbau der Erneuerbaren, fordern intelligente Lösungen für ein Zusammenspiel aller Technologien, mahnen die Entwicklung von Speichersystemen an.

In neun Kapitel unterteilt wird vorgestellt, mit welchen Technologien man aus Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme Energie gewinnt. Jedes Kapitel beginnt mit einer ganz allgemeinen naturwissenschaftlichen Einführung in das Thema. Da erfährt man etwa, dass allein die Sonne rund das 10.000-fache der derzeit weltweit verbrauchten Energie liefert und welche Methoden es gibt, zumindest einen Bruchteil dessen in solarthermischen Kraftwerken, in Solarkollektoren oder Photovoltaikanlagen einzufangen.

Die nüchtern sachlichen Erklärungen werden durch zahlreiche Tabellen und farbige Zeichnungen ergänzt. Fotos vermitteln einen guten Eindruck, wie die Anlagen aussehen. Im Fazit am Ende des Kapitels listen die Autoren noch einmal kurz und knapp Vor- und Nachteile auf. Da werden weder die negativen Folgen des Bioenergieausbaus verschwiegen noch seine Chance, als Biogasreserve sonnen- und windarme Zeiten zu überbrücken. Eine lange Liste von Webseiten gibt dem Leser die Möglichkeit, sich über Fördermöglichkeiten zu informieren oder tiefer in die Techniken einzusteigen.

Für die meisten werden allerdings die Erklärungen bei weitem ausreichen, um sich ein konkretes Bild von der Wirkungsweise der Technologien zu machen. Man erfährt zum Beispiel, welche Flügelform bei Windrädern am Günstigsten ist, welche Kräfte auf sie wirken, wie viel Leistung bestimmte Modelle bringen. Wer keine Angst vor mathematischen Formeln hat, der findet hier alle wichtigen, um unter anderem Wirkungsgrade oder Wirtschaftlichkeit der Technologien zu berechnen.

Es ist kein Buch zum Hintereinanderweglesen, vielmehr ein Nachschlagewerk für diejenigen, die es genau wissen wollen. Den Zweck erfüllt es perfekt.

Besprochen von Johannes Kaiser

Marius Dannenberg, Admir Duracak, Matthias Hafner, Steffen Kitzig: Energien der Zukunft
Primus Verlag, Darmstadt 2012
184 Seiten, 39.90 Euro