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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.11.2011

Deutschsprachige Literatur wieder so reich "wie vor 100 Jahren"

Matthias Politycki, Kurator beim Literaturfest München, über echte Schriftsteller und den Drang zum Schreiben

Der Schriftsteller Matthias Politycki (Barbara Niggl Radloff)
Der Schriftsteller Matthias Politycki (Barbara Niggl Radloff)

Gegenwartsliteratur aus Deutschland findet wieder eine breite Leserschaft, sagt der Kurator des Autorenforums des 2. Literaturfests München, Matthias Politycki. Zu dem Festival seien nur hauptberufliche Autoren eingeladen - "Menschen, die Buch für Buch an ihrem Werk schreiben".

Die Veranstalter hätten keine Nebenerwerbsautoren gewollt, "die jetzt auch noch mal ein Buch geschrieben haben", so der Kurator des Autorenforums. Das Literaturfest München ist in den Augen Polityckis ein Standort, von dem aus bestimmt werden könne, wo die deutsche Gegenwartsliteratur im Moment stehe.

1987, als er selbst seinen ersten Roman veröffentlichte, hätten die deutschen Autoren sich in einem "Überlebenskampf" mit den amerikanischen Bestsellern gesehen. Doch das Ende der Nachkriegsliteratur habe für eine "neue Lesbarkeit" gesorgt, die auch wieder eine breite Leserschaft gewonnen habe. Er selbst sei in der Schule noch groß geworden mit einem relativ schmalen Portfolio von Gegenwartsliteratur, die immer gesellschaftsrelevant und kritisch gewesen sei, so Politycki: "Aber es gibt noch so viel mehr".

Politycki sagt, er würde die These "riskieren", dass heute wieder so viel deutschsprachige Literatur existiere wie vor 100 Jahren, als diese schon einmal sehr reich war. Im Ausland allerdings würde immer noch davon ausgegangen, die deutsche Literatur sei "langweilig, plotarm und sehr tief".

In der Nachkriegsliteratur sei Technik zu kurz gekommen, die Autoren hätten die Vergangenheit aufgearbeitet, "und das war auch gut so". Seiner Meinung nach könne man Technik beim Schreiben gar nicht überbewerten. Andererseits sei Technik nur die zweite Stufe, wichtiger sei der innere Drang zu schreiben. Einen echten Schriftsteller, so Politycki, könne man daran erkennen, dass er sich seine Themen nicht aussuchen könne und einfach schreiben müsse. Denn Schreiben sei "die Verwandlung eines Unglücks in Glück".

Das vollständige Gespräch mit Matthias Politycki können Sie bis zum 10. April 2012 als MP3-Audio in unserem Audio-On-Demand-Player nachhören.

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