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Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 24.02.2014

Deutschland - IsraelHochtechnologie und Boykotte

Wirtschaftsbeziehungen sind politisch sehr sensibel

Von Brigitte Scholtes

Deutsche und israelische Flagge (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)
Deutsche und israelische Flagge (dpa / picture alliance / Patrick Pleul)

Deutschland ist nach den USA und China drittwichtigster Handelspartner Israels. Das Land exportiert vor allem Hochtechnologie in die Bundesrepublik. Der Holocaust spiele in den Wirtschaftsbeziehungen zwar keine so große Rolle, heißt es. Dafür aber die Siedlerpolitik.

Von März an will die Deutsche Lufthansa sechs zusätzliche Flüge pro Woche von Deutschland nach Israel anbieten: Das ist ein Zeichen für gut funktionierende Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Deutschland ist nach den USA und China drittwichtigster Handelspartner Israels. Exportiert werden vor allem chemische Erzeugnisse, Maschinen, Fahrzeuge, Elektronik und Elektrotechnik. Israel ist klein, seine Fläche entspricht der Hessens.

Immerhin ein Drittel des Handelsvolumens von insgesamt 6,5 Milliarden US-Dollar sind aber Exporte von Israel nach Deutschland. Und davon entfällt etwa die Hälfte auf Waren und Dienstleistungen im Bereich der Hochtechnologie, sagt Helge Eikelmann, Leiter der Bundesgeschäftsstelle der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung.

"Seit dem Beginn des Friedensprozesses in den 90er-Jahren sind da eben auch die deutschen Hochtechnologie-Unternehmen eingebrochen wie Software AG, SAP und noch viele andere. Insofern ist das schon mit Sicherheit eine ganz spezifische Eigenschaft der deutsch-israelischen Beziehungen."

"Pflicht, auch in Israel vor Ort zu sein"

Die Darmstädter Software AG, nach der SAP größte deutsche Softwareschmiede bestätigt das. Zum einen sei Israel als Absatzmarkt für sein Unternehmen sehr interessant, sagt Dominik Nagel, Sprecher der Software AG.

"Andererseits ist aber auch Israel ein Impulsgeber für Innovationen. Wir haben weltweit Entwicklungszentren, unter anderem auch in Israel. Man sieht einfach, dass der Markt, der IT-Markt in Israel sehr dynamisch ist und sehr viele Innovationen hervorbringt. Und insofern als globaler Anbieter von Software ist es eigentlich Pflicht, auch in Israel vor Ort zu sein."

Umgekehrt sind zwar auch israelische Unternehmen an einem engeren Austausch mit Deutschland interessiert, meint Helge Einkelmann von der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung. Aber das gestalte sich schwieriger.

"Es ist natürlich auch nicht ganz so einfach für ein israelisches Unternehmen in der EU, und dann speziell in Deutschland Fuß zu fassen. Deutschland ist ja schon ein gewachsener Markt."

Gelungen ist das jedoch dem israelischen Pharmahersteller Teva. 2010 hatte das Unternehmen, das Nachahmerpräparate produziert, die Ulmer Ratiopharm übernommen. Eine Ausnahme, meint Helge Eikelmann.

"Teva ist eigentlich der einzige große 'Global Player' der israelischen Wirtschaft und war ja schon vor der Übernahme von Ratiopharm das führende Generikaunternehmen in der Welt. Das ist eigentlich nicht typisch für die israelische Wirtschaft. Israels Unternehmen sind traditionell eher klein, sind traditionell klein gegründet. Und gerade wenn wir uns im Technologiebereich, im Softwarebereich umschauen, dann sind das eben auch Unternehmen deutlich unter 100 Mitarbeitern, die natürlich auch nicht die Ressourcen haben, jetzt große Märkte sich anzuschauen."

"Die Frage, wen man da tatsächlich trifft"

Allerdings sind die Beziehungen zu Israel politisch sehr sensibel. Die Erinnerung an den Holocaust spiele in den aktuellen Wirtschaftsbeziehungen zwar keine so große Rolle mehr, hört man. Aber es gibt andere Konfliktpunkte wie die Siedler im Westjordanland: Da musste die Deutsche Bank sich vorwerfen lassen, sie schließe in einem Ethik-Fonds die Bank Hapoalim aus, weil diese in den Siedlungen der besetzten Palästinensergebiete sehr aktiv sei.

Da kommt es auch immer wieder zu Boykott-Aufrufen aus Deutschland gegen landwirtschaftliche Produkte aus diesen Gebieten. Das helfe nicht unbedingt und schade den Gesprächen, meint Helge Eikelmann von der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung.

"Wir haben knapp über 30.000 Palästinenser, die über israelische Unternehmen dort beschäftigt sind, während der Gesamtanteil am Handelsprodukt, am Bruttoinlandsprodukt der Unternehmen in den Siedungsgebieten gerade einmal zwei Prozent ausmacht. Also insofern stellt sich da schon die Frage, wen man da tatsächlich trifft."

Die Agrarindustrie habe nur noch einen Anteil von zwei bis drei Prozent am Außenhandel als auch am Bruttoinlandsprodukt. 

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