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Interview / Archiv | Beitrag vom 07.12.2015

Deutscher Reporterpreis"Auch Online-Journalismus muss etwas kosten"

Cordt Schnibben im Gespräch mit Nana Brink

Die App von «Spiegel Online» ist am 07.10.2014 in Hamburg auf dem Display eines Smartphone zu sehen. (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)
Auch Online-Inhalte haben ihren Preis, findet Cord Schnibben. (picture alliance / dpa / Marcus Brandt)

Auch journalistische Inhalte im Netz müssten bezahlt werden, fordert "Spiegel"-Redakteur Cordt Schnibben: Sonst gebe es bald keinen Qualitätsjournalismus mehr bei den deutschen Printmedien. Das von ihm gegründete Reporter-Forum vergibt heute Abend den Deutschen Reporter-Preis.

Das Reporter-Forum vergibt heute Abend in Berlin den Deutschen Reporterpreis 2015. Derzeit berät die 25-köpfige Jury noch über die Nominierungen und die endgültige Preisvergabe, die in elf Kategorien erfolgen wird.

Gründer des Reporter-Forums ist Cordt Schnibben, Leiter des Ressorts Gesellschaft beim "Spiegel". Er beschrieb im Deutschlandradio Kultur die Gründungsidee dieser Initiative:

"Wir waren der Meinung, dass der Journalismus in Deutschland einen Preis braucht, der nicht Marketing-Instrument ist von Banken oder Verlagen, sondern der von den Journalisten selbst herausgegeben wird und bestimmt wird. Und wir haben uns damals so ein bisschen vorgenommen, so eine Art deutschen Pulitzer-Preis zu gründen."

In diesem Jahr habe es 1400 Einreichungen gegeben, berichtete Schnibben. Außerdem seien die Kategorien Daten- und Wissenschaftsjournalismus hinzugekommen, die auf preiswürdige Texte überprüft würden.

Die Krise der Print-Medien

Schnibben ging auch auf die Krise der Print-Medien ein. Das Reporter-Forum und die ihm angeschlossenen Medien arbeiteten ständig daran, bessere Texte zu produzieren:

"Ein bisschen kommen wir uns vor wie Sisyphos. Also wir schreiben, und wir glauben auch, dass wir immer besser werden. Aber die Leser sind da offenbar anderer Meinung."

Das Bedürfnis nach Qualitätsjournalismus sei zwar vorhanden, doch wollten viele Menschen dafür nicht bezahlen, sagte Schnibben. Die Verleger in Deutschland hätten vor 15 Jahren den Fehler gemacht, viele Artikel ins Netz zu stellen:

"In der Hoffnung, dass das dann wirkt wie ein Schaufenster und die Leute sagen: Oh, toll, das ist ja ein ganz wunderbares Stück hier, was in der 'Zeit' steht oder im 'Spiegel' oder in der 'Süddeutschen Zeitung'. Jetzt kaufe ich mal die Zeitung und werde Abonnent. Das ist nicht passiert. Sondern das Gegenteil ist passiert. Die Leute haben gesagt: Super, schönen Dank, mehr von dem Zeug, das ich nicht bezahlen muss."

Wertschätzung des Lesers ist gefragt

Diese Entwicklung müsse aufgehalten werden – sonst gebe es in zehn Jahren keinen Qualitätsjournalismus mehr in Deutschland, kritisierte Schnibben:

"Wenn Sie weiterhin in gedruckter Form das lesen wollen, was die Redaktionen dieses Landes bieten, dann müssen Sie sich daran gewöhnen, dass zukünftig eben auch online etwas kostet. Und wenn den Leuten das alles nichts wert ist, wenn sie dafür nicht bezahlen wollen, dann wird es verschwinden."

  

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