Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 13.09.2012

Der Wunderknabe von Hollywood

Vor 25 Jahren starb der amerikanische Filmregisseur Mervyn LeRoy

Von Marli Feldvoß

LeRoy machte viele sichere Hollywoodhits. (Stock.XCHNG / Pawel Zawistowski)
LeRoy machte viele sichere Hollywoodhits. (Stock.XCHNG / Pawel Zawistowski)

Mervyn LeRoy zählt zu den amerikanischen Studio-Regisseuren, die stets nah am Zahn der Zeit geblieben sind. Bekannt wurde er mit Gangsterfilmen wie "Little Caesar" und "I am a Fugitive from a Chain Gang". Am 13. September 1987 verstarb er.

Alle fanden den Song zu langsam, doch Mervyn LeRoy, damals Produzent bei MGM, bestand darauf, dass "Over the Rainbow" seinen Platz in der aufwendigen Technicolor-Produktion "Der Zauberer von Oz" behalten durfte. Und lag richtig. Er hatte schon die Besetzung mit Judy Garland gegen den populäreren Kinderstar Shirley Temple durchgesetzt. Der Film ist längst ein Klassiker, damals, 1939 allerdings, floppte er an der Kinokasse. LeRoy hängte daraufhin seinen Produzentenjob, mit dem er Organisationstalent und Gespür für Besetzungen unter Beweis gestellt hatte, an den Nagel und kehrte zur Regie zurück. Er war ein typischer Hollywoodregisseur, der sich dem jeweiligen Studiostil anzupassen wusste. Als "Wunderknabe" und Aushängeschild von Warner Brothers trug er erheblich zum liberalen Image der Firma bei, die sich mit dem starken sozialen Gewissen profilierte. LeRoy, der Neuling, war es, der 1930 die Romanverfilmung von "Little Caesar" vorschlug, selbst drehte und damit das Genre des Gangsterfilms aus der Taufe hob.

"Was der kann, kann ich schon lange und mehr, wenn es sein muss. Dazu hatte ich bis jetzt nur keine Chance. Wovor soll ich dabei Angst haben? Wenn mal was schief geht, schießt man sich den Weg frei. Gar keine langen Zicken. Nur raus mit der Kanone und drauf losgeballert. Hart und kaltblütig musst du sein, dann schaffst du's."

"Little Caesar" wurde ein großer Erfolg, obwohl er sich gegen das damalige Erfolgsrezept von Hollywood stemmte, mit leichter Unterhaltungsware die Depressionszeit hinwegzuzaubern.
Mervyn LeRoy in seiner Autobiografie "Take One":

"Ich glaubte fest daran, dass sie Geld dafür ausgeben würden, einen Film wie 'Little Caesar' zu sehen. Es war kein Eskapismus, sondern ein Spiegel der Wahrheit, ein Blick aufs Leben, wie es war. Es mochte sie aufrütteln, aber vielleicht brauchten sie das."

Al Capone diente als Vorbild für Caesar Enrico Bandello, genannt "Little Caesar". Das Massaker am Valentinstag ein Jahr zuvor in Chicago war unvergessen. Der Film übte harsche Kritik am amerikanischen Traum. Auf den Aufstieg folgte der Fall: ins Bodenlose.

"Das ist deine letzte Chance, Rico. Los, komm raus, sonst werden wir dich raustragen."

Zwei Jahre später landete LeRoy mit "I am a Fugitive from a Chain Gang" seinen zweiten Hit und erhielt drei Oscar-Nominierungen. Der Film stellte die Zustände beim Strafvollzug im amerikanischen Süden an den Pranger. "Scarface" von Howard Hawks oder "The Public Enemy" von William Wellman folgten diesem Beispiel.

Mervyn LeRoy wurde am 15. Oktober 1900 in San Francisco geboren und erlebte mit sechs Jahren das große Erdbeben, bei dem seine Familie alles verlor. Schon früh tingelte der geborene Überlebenskünstler als "The Singing Newsboy" durch die Vaudeville Theater von Amerika und Kanada. Über seinen Cousin Jesse Lasky kam er schließlich zum Film, stieg dort vom Hilfsarbeiter, Schauspieler, Gag-Schreiber zum Regisseur auf. LeRoy zählt zwar nicht wie Raoul Walsh, Howard Hawks, King Vidor, Michael Curtiz zur ersten Liga der Hollywoodregisseure, aber zu den erfolgreichsten. Er war in vielen Genres zu Hause, drehte Action- und Frauenfilme, Melodramen, Komödien, Musicals, glänzte in den 40er-Jahren mit Filmen wie "Johnny Eager" oder "Dreißig Sekunden über Tokio", und zuletzt - 1950 - mit dem Sandalenfilm "Quo Vadis?"

"Ist dies denn das Ende von Nero?"
"Ja, mein Herr."
"Erst Herr der Erde sein, dann mein eigener Henker!"
"Schnell!"

Mit dem letzten Auftritt Neros zitiert LeRoy noch einmal seinen Erstling "Little Caesar". In den 60ern wurde es stiller um den Regisseur. 1965 zog er sich ganz von der Regie zurück. Er haderte mit der neueren Entwicklung des Kinos, beschwerte sich über Sex und Gewalt, engagierte sich nur noch einmal 1968 für das John Wayne-Projekt "The Green Berets" - eine Freundschaftsgeste. Sein Anteil an der Regie blieb unerwähnt. Mervyn LeRoy starb am 13. September 1987 in Los Angeles.

Kalenderblatt

Wolfgang LanghoffEr machte das DT zur Vorzeigebühne der DDR
Der Intendant des Deutschen Theaters in Berlin (DDR) und Nationalpreisträger Wolfgang Langhoff.  (picture-alliance / dpa)

Er wurde Kommunist, kam ins Konzentrationslager und formte das Deutsche Theater zur wichtigsten DDR-Bühne neben Brechts Berliner Ensemble: der Schauspieler und Regisseur Wolfgang Langhoff. Als Theatermacher bekam er zu spüren, was es bedeutet, wenn idealistische Vorstellungen auf die Realität treffen. Vor 50 Jahren starb er.Mehr

FrankreichDie Halsbandaffäre, die ganz Europa erregte
Undatiertes Foto zeigt das Lustschlösschen Petit Trianon im Versailler Schlosspark, das der schillernden französischen Königin Marie Antoinette als Zufluchtstätte vor dem höfischen Leben diente. (picture alliance / dpa DB / Schloss Verailles)

Der Skandal um ein Halsband und der Ärger über die Prunksucht am französischen Hof lieferte um 1780 viel Gesprächsstoff. Königin Marie Antoinette und der höchste geistliche Würdenträger waren darin verwickelt. Die Urheberin der Affäre war Madame de La Motte, die heute vor 225 Jahren starb.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur