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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 05.05.2009

Der Streit der Speerspitzen

Wann zogen die Römer ab? Vor 2000 oder erst 1700 Jahren?

Von Paul Stänner

Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald bei Hiddesen südwestlich von Detmold (AP Archiv)
Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald bei Hiddesen südwestlich von Detmold (AP Archiv)

Vor 2000 Jahren wurde - mutmaßlich bei Kalkriese in der Nähe von Osnabrück - die sogenannte Varusschlacht geschlagen: Drei römische Legionen verschwanden im germanischen Nebel. Arminius oder Hermann, der Führer der Germanen, wurde der große Held und, einer populären Mythologie folgend, der Ahnvater der Deutschen.

Kalkriese kannte keiner. Bis die Briten in den Teutoburger Wald kamen. Und davor die germanischen Krieger und die Legionen aus Rom. Vor 2000 Jahren ereignete sich die berühmte, sagenumwobene Schlacht im Teutoburger Wald. Unter der Führung des Publius Quinctilius Varus gingen drei römische Legionen in eine Falle der vereinigten germanischen Stämme unter Hermann dem Cherusker. Und wurden vernichtet - Soldaten und Tross, wahrscheinlich zwischen 20 und 30 000 Tote allein auf römischer Seite. Die größte Niederlage, die das Weltreich je hatte hinnehmen müssen. So viel war bekannt, vor allem aus den Annalen des Tacitus. Aber wo lag der Schlachtort? Jetzt kommt die britische Armee ins Spiel. Sie stationierte in den 90er-Jahren im nahe gelegenen Osnabrück den Major Tony Clunn. Clunn war ein begeisterter Hobby-Archäologe. Jahrelang zog er mit seinem Metalldetektor im Sonnenschein und auch im kalten Regen des Teutoburger Waldes, der schon den römischen Legionären zum Verhängnis geworden war, über die Felder. Er fand viel deutschen Schrott, etliche römische Münzen und ...

"und dann bin ich an einem Wochenende rausgegangen und habe drei Felder abgesucht und auf zwei Feldern fand ich diese Pellets, wenn man es so nennen will, und ich dachte: In Ordnung, sieht interessant aus, ich steck es mal ein. Aber ich hab es nicht gleich erkannt und hab es in den Abfall gepackt. Und dann bin ich sonntags auf die südliche Seite des Geländes gegangen und fand noch so eines."

Die Fundstücke wurden in Schachteln gesammelt und am nächsten Tag zur Denkmalpflege gebracht. Dort wurde der Müll noch einmal in Ruhe von Fachleuten durchsucht, genauer, als es auf dem Acker möglich war.

Das Team bei der Denkmalpflege hat sich den Müll angeschaut und die haben mir gesagt: Sie haben hier drei Schleuderbleie!

Und plötzlich war Kalkriese in aller Munde. Schleuderbleie sind tropfenförmige Bleigeschosse, die mit einer Schleuder, wie David sie gegen Goliath benutze, verschossen werden. Sie sind schnell, lautlos und reißen fürchterliche Wunden. 20 Jahre wurde gegraben und geforscht, und heute ist sich die Fachwelt weitestgehend sicher – hier hat vor 2000 Jahren die Schlacht Hermann gegen Varus stattgefunden. Zu diesem Thema wird eben in Kalkriese eine neue Dauerausstellung eingerichtet.

"Jetzt stehen wir hier und schauen erst einmal auf eine grüne Wiese, die Idee ist dahinter, dass Geschichte, Vergangenheit liegt ja immer unter unseren Füßen, sie ist immer unsren Blicken verborgen, und wird häufig unversehens gefunden, also zufällig."

Heidrun Derks ist Archäologin und Leiterin der Ausstellung in Kalkriese. Im Ausstellungspavillon wird von einem Deckenprojektor das Bild einer lauschigen, grünen Wiese auf den Boden geworfen. Betritt der Besucher die einzelnen Felder des Fußbodens, öffnet sich das Bild in die Tiefe und zeigt, was unter der Grasnarbe liegt.

"Da liegt dann ein Schweizer Taschenmesser, ein zerdrücktes Matchbox-Auto, ein abgebrochener Löffel, alles Dinge, wo man ahnt, ja so was findet man auch im Boden, aber so was ist ja Schrott, und dann findet man, wenn man lange genug sucht und sich nicht frustriert abbricht, da findet man dann archäologische Funde, nämlich die Schleuderbleie und römische Münzen."

Der Zuschauer biegt um die Ecke und sieht, was in Kalkriese geschah: Aus 13.000 Figuren ist der Zug der Legionen nachgestellt – einmal in perfekter Ordnung, so wie sich die römischen Strategen ihren Aufmarsch vorgestellt haben. Dann, in einer zweiten Szenerie, die Marschkolonne in zerfurchtem Gelände, wo man um Seen herummarschieren muss und durch Engpässe getrieben wird. Die perfekte Kolonne löst sich auf, und das war die Chance der Germanen unter Hermann.

"Und hier in dem vorderen Kasten zeigen wir, wie dieser Wall aufgebaut war, der war ja nicht hoch, zwei Meter, obendrauf stand wahrscheinlich eine Brustwehr …"

Der Wall, der in der Dauerausstellung zu sehen ist, ist vor dem Pavillon am Ort der Schlacht in einem Nachbau zu erleben. Er besteht aus einem Erdsockel, vielleicht zwei Meter hoch, und darüber als Brustwehr gegen Pfeile und Lanzen ein schütteres Weidengeflecht, das eigentlich keinen imponierenden Eindruck macht. Dahinter der Berg, davor der Sumpf und nur ein schmaler Streifen mit festem Boden – da mussten die Römer durch.

"Und dann darf man nicht vergessen, wie es aussieht, ist das eine, wie es gewirkt hat, das ist ja eine ganz andere Frage, und dieser Wall war äußerst wirkungsvoll. Der war ja nur zwei Meter hoch, aber, wenn sie hier mal so runterschauen, dann sehen Sie, das ist ein ganz kurzer, sehr steiler Anstieg, und dann müssen Sie weiterhin vorstellen, die Römer kamen hier vorbei, die hatten im Zweifelsfall ihr Marschgepäck dabei, mit Rüstung und allem drumunddran 40 Kilo am Leib, in der einen Hand hatten sie ihre Lanze, in der anderen das Schild, also beide Hände voll bepackt, und dann sollten sie mal eben mit Anlauf so eine zwei Meter steile Anhöhe hoch, wenn hier oben, wo wir jetzt stehen, alle Positionen besetzt waren, war das nicht möglich."

Eineinhalb Autostunden südöstlich des Varusschlachtfeldes von Kalkriese liegt Detmold, eine possierliche Residenzstadt mit einem hübschen Renaissance-Schlösschen, reich verzierten Fachwerkhäusern und abschließbaren Mülltonnen. Ein kleines Gewässer trödelt durch die Altstadt und speist den Graben vor dem Schloss. Ein lauschiges Idyll, umgeben von den Höhenzügen des Teutoburger Waldes. Oberhalb des Städtchens erhebt sich grünspanüberzogen die Figur des Hermann, den die Römer Arminius nannten, auf dem wohl deutschesten aller Denkmale. Stämmige Oberschenkel, breite Brust, das Schwert gen Himmel gereckt, den Blick entschlossen in den Sonnenuntergang, respektive gegen den Erzfeind Frankreich gerichtet, so gefiel es Kaiser Wilhelm, als er 1875 das Denkmal einweihte. Wie Hermann, einst Arminius, den Römern, so wollte jetzt Wilhelm den Franzosen zeigen, wie ein deutsches Schwert aussah.

"Wir setzen uns in diesem Projekt mit der Wirkungsgeschichte der Varusschlacht, insbesondere auch mit den Protagonisten Arminius und den Germanen auseinander. Und wir wollen dem Besucher zeigen, wie aus einem historischen Ereignis ein Mythos geworden ist."

Zu Hermanns Füßen, liegt im Zentrum Detmolds das Lippische Landesmuseum. Michael Zelle ist Projektleiter für den Ausstellungsteil "Mythos", der gleichsam das Geschehen nach der Varusschlacht im Jahre 9 nach Christus begleitet.

"Ein Mythos, der für die deutsche Geschichte der frühen Neuzeit, also ab dem 16. Jahrhundert von großer Bedeutung war, weil nämlich diese Figuren zur Bildung und Schaffung einer deutschen Kulturnation herangezogen worden sind. Das heißt, Arminius und die Germanen wurden immer wieder genutzt, um tagespolitisch aktuelle Dinge zu erklären, um als Vorbild, als Symbol zu dienen und dadurch natürlich aus Orientierungsmarke."

Zur Deutung des "deutschen Helden" gehört in Detmold auch die Statue des Togatus – eines anonymen Mannes in römischer Toga. Die Statue ist kopflos, der Betrachter kann sich in seiner eigenen Vorstellung ausmalen, wie das Gesicht dieses Mannes ausgesehen haben mochte. Hermann war Arminius, ein Germane in römischen Diensten, ein Togaträger - das war der eine Teil seiner Welt. Daneben, in einer anderen Inszenierung, der germanische Teil seiner Welt. Die Displays sollen dem Betrachter die Ambivalenz deutlich machen, in der der Held Hermann gelebt haben muss – problemlos hätte er als römischer Bürger und Offizier eine Karriere im Weltreich verfolgen können, mit gepflasterten Straßen, Fußbodenheizung und am Wochenende: Circus Maximus. Aber er entschied sich anders, für den germanischen Teil seiner Identität: Sümpfe, Holzhäuser und Anarchie – und wir wissen nicht, warum. Seine eigenen Verwandten haben ihn später ermordet. Der Stoff ist gewaltig, Texte, Skulpturen, Gemälde - allein 800 Opern und Singspiele sind über Hermann geschrieben worden, wie etwa 1736 die Oper "Arminio" von Georg Friedrich Händel.

Und dann finden wir, ausgehend von Ulrich von Hutten und den Humanisten, die Hermann als Kronzeugen im Kampf gegen die römische Kirche gebrauchten, die politischen und kulturellen Positionen, die sich ab dem 16. Jahrhundert gebildet hatten. Der Kampf der Germanen gegen Rom wurde zum Entstehungsmythos der Deutschen, die erst Jahrhunderte später wirklich eine Nation wurden. Ab dem 19. Jahrhundert zeigt sich die Gestalt des deutschen Helden Hermann vor allem in wandfüllenden Historiengemälden wie denen von Anton von Werner und Karl von Piloty. Der Maler Peter Jansen schuf in den Jahren von 1870 bis 73 auf insgesamt 60 Quadratmetern seine Variation der Varusschlacht, damit schmückte sich das Rathaus von Krefeld. Zum ersten Mal seit 1945 werden die Bilder ausgestellt. Elke Treude ist Kuratorin der Ausstellung.

"Auf diesem Bild sehen wir jetzt Varus auf einem schwarzen Pferd nach links reitend, der sein Gesicht schon verhüllt, die Niederlage wohl schon spürt und zurückweicht, das Pferd schon mit panischem Ausdruck, die Schlacht schon verloren sieht und das Gegenstück, das stellt dann Arminius dar, der auf einem weißen Pferd, wobei auch ganz deutlich wird, der positiv dargestellte Arminius auf dem weißen Pferd und Varus als der Böse, der unterlegene auf dem schwarzen Pferd."

Die Bildersprache kennen wir noch heute aus Wildwest-Filmen, die Guten reiten immer auf weißen Pferden. Die Deutschen schufen sich durch die Jahrhunderte hindurch ihren Nationalhelden und Nationalmythos aus der Abwehr heraus. Hermann stand nicht für etwas, sondern gegen alle anderen. Die Beschäftigung mit dem Mythos reicht bis heute – in der Literatur wie in der bildenden Kunst.

Die Geschichte ist noch nicht vorbei. Etwas weiter östlich: Von Hannover nach Kassel fährt man auf der Autobahn A7. Diese Bahn liegt auf der Höhe von Northeim und Seesen im Nettetal. Das Tal der Nette ist eine jahrtausende alte Nord-Süd-Verbindung. Auf diesem Weg sind die Römer gekommen, vielleicht 1000 Mann, 300 Jahre nach der Varusschlacht.

"Da können Sie mal runtergucken, an dem Hang, also die Römer kommen auf die germanische Sperre, kommen nicht durch oder merken, dass der Einsatz zu groß ist, um sich durchzukämpfen, und sie weichen nach rechts aus und sie kämpfen sich den ganzen Hang rauf."

Dr. Michael Geschwinde ist Bezirksarchäologe im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Er steht an einem alten Hohlweg, der offenbar nach und nach mit Müll zugeschüttet wird. Das zunächst weite Tal der Nette verengt sich in südlicher Richtung immer mehr, es erscheint wie ein Trichter. An der engsten Stelle des Trichters, wo sich heute die Autobahn A7 und die Bundesstraße 243 fast berühren, trafen die Römer auf ihre Feinde. Die Germanen scheinen die Eindringlinge auf dem westlichen Höhenzug, dem sogenannten Harzhorn, erwartet zu haben. Man hat germanische Keramik gefunden, Tongefäße für Nahrung, die darauf hindeutet, dass sich die Germanenkrieger auf eine gewisse Wartezeit eingerichtet hatten. Auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite des Tals lag ein Morastgebiet, in dem man sich nur schwer bewegen konnte. Die Position war ideal gewählt – die Männer im Hinterhalt hatten die Höhenzüge besetzt, der Feind wurde im Wald überrascht und vor allem – die Römer konnten die erprobten Schlachtordnungen ihrer Centurien und Kohorten nicht entfalten, die sie unschlagbar gemacht hatten. Die Germanen hatten gute Chancen.

"Der von uns prospektierte Bereich sind etwa zweieinhalb Kilometer, aber wir haben Bereiche, wo die alte Straße auf das Harzhorn trifft, wo es offenbar zu ersten Kampfhandlungen gekommen ist mit Nahkampf, dann haben wir Bereiche, wo wir ein ganz starkes Kampfgetümmel mit dem Einsatz von Katapulten und so weiter nachweisen können, wir haben aber auch weite Bereiche, wo gar keine eigentlichen Kampfhandlungen sich in archäologischen Funden widerspiegeln, wir aber aufgrund der Kartierung von römischen Sandalennägeln sagen können, da sind römische Truppen aufmarschiert."

Einige hundert Meter weiter stehen wir tief im Wald. Hier konnte das Schlachtgeschehen nach den archäologischen Funden rekonstruiert werden. Die Römer waren nach den ersten Kontakten nach Westen ausgewichen und hatten dann versucht, an der Flanke eine germanische Position zu nehmen. Genau dort stehen wir jetzt, vermutlich da, wo vor 1800 Jahren die Infanteristen auf das Zeichen warteten, den vor ihnen liegenden Höhenzug zu erstürmen. Der Niveauunterschied beträgt 30 bis 40 Meter, aber mit der schweren Kampfausrüstung diese Strecke hinaufzustürmen, um sich dort von hasserfüllten Germanen den Schädel einschlagen zu lassen, erscheint aus unserer Perspektive nicht als attraktiver Plan.

"Und hier in diesem Bereich haben wir einmal ganz massive Konzentrationen an Katapultbolzen, das sind Eisenbolzen, die mit Pfeilen von leichten Torsionsgeschützen abgeschossen worden sind. Bei einigen können wir mittlerweile aufgrund der Schießrichtung sogar relativ genau rekonstruieren, wo die Torsionsgeschütze gestanden haben, also etwa dahinten, 80 Meter entfernt von uns, man hat mit diesem massiven Artilleriebeschuss offenbar die Germanen gezwungen, sich hinter den Hang zurückzuziehen, dann ist der gesamte Kamm mit mehreren Salven mit dreikantigen Pfeilspitzen, wahrscheinlich von persischen Bogenschützen bestrichen worden und als sich die Germanen endgültig zurückgezogen haben erfolgte von den beiden Flanken aus Angriffe mit Fußtruppen und mit Kavallerieunterstützung wahrscheinlich."

Prof. Michael Meyer vom Institut für Prähistorische Archäologie der Freien Universität Berlin begleitet das Projekt am Harzhorn. Aus seiner Sicht muss mit dem Fund nicht die bisher bekannte Geschichte Roms umgeschrieben werden, aber die Akzente werden neu gesetzt. Barbaricum ist übrigens der charmante Oberbegriff für den Siedlungsraum der germanischen Stämme.

"Also die Schriftquellen über römische Aktionen im Barbaricmum im dritten Jahrhundert sind ausgesprochen spärlich. Es gibt Hinweise darauf, aber bislang hat man das von althistorischer Seite eher in Limesnähe vermutet oder Rhein- oder in Donaunähe, also ich kenne jetzt niemanden, der offensiv gesagt hat, wir müssen irgendwo tief im Barbaricum massive römische Militärpräsenz finden – trotzdem gibt es in den Schriftquellen Hinweise, die wir uns jetzt mit den Funden auf dem Harzhorn noch einmal neu auf den Tisch ziehen müssen und die eine gewisse Neubewertung benötigen."

Das Ganze ist neu und aufregend. Michael Geschwinde:

"Ich muss sagen, ich habe in meinem 25-jähigen Berufsleben schon viel ausgegraben, aber als wir dann hier beispielsweise römische Pfeilsalven gefunden haben und da steckte plötzlich alle dreiviertel Meter eine römische dreiflügelige Pfeilspitze im Boden, da ist es mir schon eiskalt den Rücken runtergelaufen. Das ist etwas, wo ich mir nicht hätte vorstellen können, dass in diesem dicht besiedelten Mitteleuropa, etwas so erhalten bleiben kann. Und dass man es dann auch noch findet und ausgraben kann."

Vor uns zieht sich ein circa 30 Zentimeter tiefer, zwei bis drei Meter breiter Graben präzise den Hügel hinauf. Er ist mit einer olivfarbenen Plastikfolie abgedeckt, daneben steht ein Wohnwagen als Arbeitsplatz für die Grabungsleiter.

"Wir blicken jetzt hier auf den Grabungsschnitt, und es ging erst mal nur darum zu gucken, wir haben eine maximale Sondiertiefe von 30 Zentimetern durch die Metallsonden, wie sieht es darunter aus, kommen da noch mehr Funde, und wir sind sehr froh, dass die Grabung durchgeführt worden ist, weil wir wissen jetzt, dass auch in größerer Tiefenlage Funde auftreten und vor allen Dingen, wir haben die germanische Keramik auch gefunden, die hätte man mit der Metallsonde natürlich gar nicht orten können."

Der Fundort liegt in einem lichten Wald aus hoch gewachsenen Tannen, ein Forstweg zieht sich am Fuß der Anhöhe entlang. Zwei Grabungstechniker haben ihre Metalldetektoren beiseite gelegt und machen Pause. Sie präsentieren einen Fund vom Vortag, aus einem Polster wird eine Metallspitze ausgewickelt.

"Das ist eine typisch römische Lanzenspitze, davon haben wir mittlerweile etwa 18 ungefähr gefunden. Nach den historischen Quellen waren mit solchen Lanzen vor allen Dingen maurische Speerschleuderer ausgerüstet, die kamen aus den nordafrikanischen Provinzen des römischen Reiches und die waren besonders geschickt im Werfen solcher Lanzen gerade vom galoppierenden Pferd aus. Das ist ja sehr schwierig, weil man das Pferd nicht am Zügel führen kann, sondern nur mit dem Schenkeldruck lenken muss und das war eine Spezialität dieser maurischen Speerschleuderer und es gibt auch eine cohors maurorum lancarii equitates, die in diesem Feldzug beteiligt war."

Die feine, schmale Spitze ist mit Rost überzogen und wird beständig feucht gehalten, weil eine plötzliche Trocknung in dem Metall Risse entstehen lassen würde. Erst im Labor wird das Fundstück getrocknet und präpariert. Die erste Grabungskampagne ist beendet. Es wurden Waffen, Werkzeuge und Hilfsmittel für den Tross gefunden, aber anders als in Kalkriese, keine Knochen. Offenbar ist es beiden Parteien gelungen, ihre Gefallenen zu bergen. In der Nähe aber sind germanische Grabhügel bekannt, die erscheinen nun in einem neuen Licht. Und was können wir noch erwarten? Professor Michael Meyer:

"Die Archäologie ist immer in der Lage, noch einmal eine neue Seite aufzuschlagen, was gemacht werden muss, ist dass man sich noch mal römische Einzelfunde im Barbaricum, in Mitteldeutschland, sicherlich auch in Niedersachsen und so weiter anschaut und überprüft, ob das nicht Hinweise auf größere Aktionen gewesen sein können und dass man von daher zu einer Neubewertung kommt, aber man muss sich wirklich klarmachen , was für ein großer Zufall das wirklich ist, dass dieser Platz noch erhalten ist, also es ist ein Wunder, dass der Platz gefunden wurde und es sagt auch erst mal überhaupt nichts darüber aus, wie viele vergleichbare Plätze es vielleicht einmal gegeben hat."

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