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Reportage

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Reportage / Archiv | Beitrag vom 02.02.2013

Der Storm-Trooper aus Nürnberg

Zu Besuch beim Chef des Star-Wars-Fanclubs in Deutschland

Von Heiner Kiesel

Fans in Strom-Trooper-Montur.
Fans in Strom-Trooper-Montur. (AP)

Vor 35 Jahren erschien der erste Teil der Star-Wars-Reihe. Sie wurde in der Folge unheimlich erfolgreich, die Reihe sahen Millionen Fans auf der ganzen Welt. Einer der treuesten Anhänger in Deutschland ist Ralph Eisgrub. Und er hat ein Problem.

Ralph Eisgrub: "Hier haben wir den Eingang zu meinem Keller. Hier habe ich so meine ganzen Star-Wars-Kostüme hingestellt. Hier habe ich einen Storm-Trooper drinnen, hier habe ich einen Snow-Trooper drinnen..."

Ralph Eisgrub steht im Halbdunkel unter der Kellertreppe. Der stämmige Mann im Kapuzenpulli muss sich für eine der Kisten entscheiden. In welchem Kostüm wird er heute zur Star-Wars-Gartenparty gehen? Er braucht Inspiration. Und sucht sie im Keller seines Hauses im fränkischen Städtchen Feuchtwangen.

"Ich mach mal das Licht an. Hier ist der Hauptteil von meiner Sammlung, das sind Figuren von Hasbro und Kenner. Das sind die Figuren von 1977. Die habe ich auch als Kind, da war ich - ich bin Baujahr 73 - das war 1983, "Die Rückkehr der Jedi-Ritter", da war ich zehn, da habe ich die als Bub geschenkt bekommen."

Neonlicht. Eisgrub kneift die Augen etwas zusammen. Er hat fast schwarze Ringe darunter. Nachtschicht als Croupier im Casino. Er geht durch einen Gang, passt gerade so durch. Eng hier, links und rechts Regalbretter, bis unter die Decke. Figur neben Figur. Nach der Arbeit ist Eisgrub Familienvater und Chef des Star-Wars-Fanclubs Nürnberg.

"Komischerweise, ich habe also viel verschlampt und weggeschmissen, aber auf meine Figuren habe ich immer aufgepasst."

Ein Entfeuchter sorgt für trockene Luft hier unten, es riecht eher nach Büro als nach Keller. Eisgrub sammelt seit 25 Jahren. Star Wars, der Film über galaktische Abenteuer und Jedi-Ritter, die mit spiritueller Kraft gegen das Böse kämpfen, ist mehr als ein Kinohit. Vor 35 Jahren kam der erste Film ins Kino. Der Regisseur und - inzwischen - Milliardär George Lucas hat fünf Episoden gedreht, alles mehrfach verwertet, VHS, DVD, Special Edition, Neubearbeitung. Bei Ralph Eisgrub steht fast alles davon im Regal. Besser: in den vielen, vielen Regalen im Keller des Einfamilienhauses.

"Na klar gehts noch weiter."

10.421, Figuren sind es, sagt er stolz.

Okay, aber in welchem Kostüm wird er nun zur Star-Wars-Garten-Geburtstagsparty gehen? Eisgrub bleibt vor einer komplizierten Schlachten-Szene stehen. Roboter, Storm-Trooper in Rüstung, Jedi-Ritter in Kutten, Fahrzeuge, Tiere, Aliens, Kanonen.

"Wenn ich das immer vergleiche mit meinem besten Kumpel, der sagt er hat die größere Sammlung, aber ich hab das kürzlich einmal durch gezählt, ich habe exakt eine Figur mehr. Naja, so isses halt."

Eisgrub lächelt. Jetzt ist sie da, die Inspiration. Er nimmt eine zigarettenschachtelhohe weiße Plastikfigur in die Hand. Sie trägt eine Ritterrüstung und eine Art weißen Wehrmachtshelm mit Maske: Ein Stormtrooper, so einer will er heute sein bei der Garten-Geburtstags-Party.

Öfter werden er und seine Vereinskollegen zu Auftritten in Star-Wars-Kostümen gebeten, manchmal nur zu zweit, so wie heute. Manchmal kommen aber auch bis zu 60 Fans. Die Einnahmen gehen in die Vereinskasse. Oder werden gespendet. Letztes Jahr haben sie, zusammen mit anderen Fangruppen, über zehntausend Euro für die Kinderkrebshilfe gesammelt.

"Man soll trotzdem bodenständig bleiben, denn am Ende ist es nur ein Film. Ich bin kein Jedi-Ritter, aber man kann das Ganze schon ein wenig verbinden."

Jetzt öffnet Ralph Eisgrub eine Kiste. Der Inhalt: Plastikteile, die aussehen wie die Auslage eines Orthopädie-Geschäftes.

"Die Kunststoffteile sind gekauft, was ich aber selber gemacht habe, sind die Verbindungen."

Schlüpft in die Oberschenkelformteile und legt die Beinschienen an.

"Das wird mit Klett zugemacht."

Schließlich zwängt er sich in den Brustpanzer

"Da muss ich dazu sagen, ich hab in der letzten Zeit fünf Kilo zugenommen, da passt man auch nicht mehr so gut rein. Dann kommt als nächstes..."

Er legt den Handschutz an und greift nach dem Helm.

"Na, Plastik, ich weiß nicht, wie so ein Panzer im Film Laserschuss aushalten soll, aber das war ja nur für´s Auge. Man sieht es ja in der Rückkehr der Jedi-Ritter, die Pfeile der Ewoks sind durchgedrungen."

Eisgrub schaut auf.

"So dem Helm noch drauf, der Helm sitzt, zum Einsatz."

Er reckt sich: Ein Stormtrooper, den Laser-Blaster in beiden Händen. Fantastisch, das Kostüm. Fantastisch, sein Keller. Eisgrub will jetzt los. Aber wo bleibt sein Freund, der mit ihm auftreten soll?

"Ah die sind endlich da, es ist ja Zeit geworden. Hey Andy, Kathi Servus."

Das Pärchen, beide um die 30, steht in zivil vor der Tür. Die beiden schauen den Stormtrooper etwas irritiert an.

"Na, habe ich mich schön angezogen, kann es endlich losgehen oder?"

"Ja, aber umsonst."

"Wieso?"

"Wir sind heute nicht bei dem Geburtstag."

"Da habe ich mich extra hübsch gemacht, ich dachte es geht jetzt los."

"Schau dir das Wetter an."

Draußen regnet es in Strömen. Es wird nichts mit der Star-Wars-Gartenparty. Eisgrub ärgert sich über die verlorene Chance, seine Leidenschaft da oben auszuleben.

"Scheiße."


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