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Konzert / Archiv | Beitrag vom 15.11.2008

"Der Schmied von Marienburg" an historischem Ort

Siegfried Wagners Oper in Gdansk

Notenblatt (Stock.XCHNG / valentino sirbinas)
Notenblatt (Stock.XCHNG / valentino sirbinas)

Am 28. Juni dieses Jahres wurde in der Philharmonie von Gdansk/Danzig die Oper "Der Schmied von Marienburg" von Siegfried Wagner halbszenisch, in deutscher Sprache und mit deutsch-polnischen Untertiteln aufgeführt. Und auch die Ausführenden kamen vorrangig aus Polen und Deutschland. Das Projekt entstand in Kooperation zwischen dem pianopianissimo musiktheater München, der Gdansker Philharmonie und Deutschlandradio Kultur.

Initiator dieses Projektes war das Münchner pianopianissimo musiktheater, das schon mehrfach mit Aufführungen von Opern Siegfried Wagners auf sich aufmerksam gemacht hat. Die ursprüngliche Idee war, den "Schmied von Marienburg" am Ort des Geschehens, im Burgmuseum des heutigen Malbork in Nordpolen, aus der Versenkung zu holen. Im Verbund mit polnischen und internationalen Partnern sollten ursprünglich vier open-air-Darbietungen auf der dortigen Freiluftbühne stattfinden, was aber an finanziellen Unwägbarkeiten und ästhetisch-politischen Vorbehalten scheiterte. Letztlich kam in diesem Jahr nur eine einzige halbszenische Aufführung in der Philharmonie Gdansk zustande, der "Rest" wurde auf 2009 verschoben. Die ideologischen Einwände (die interessanterweise ausschließlich von deutscher Seite kamen) gegen ein vermeintliches "Prunkspiel deutschtümelnder Revanchisten" wurden durch die nähere Lektüre von Text und Partitur ausgeräumt. Denn Siegfried Wagner verklärt in seiner Oper in keiner Weise die Machtverhältnisse des Deutsch-Ritter-Ordens, vielmehr zeigt er deren verheerende Wirkung auf die Menschen, die dieser Ordnung unterworfen waren.
Siegfried Wagners achtzehn Bühnenwerke werden oft als "Märchenopern" verharmlost, dabei weisen sie zumeist einen Weg in das Unbewusste und oft auch in geradezu erschreckende menschliche Abgründe. Wie sein Vater Richard erstellte auch Siegfried Wagner seine Dichtungen selber und komponierte dazu eine spätromantische Musik, die sowohl Anklänge an Mahler und Janáček aufweist, als auch italienische und französische Einflüsse ebenso integriert wie Zwölftonreihen, Atonalität, und Aleatorik.
Der gebürtige Bayreuther Musiktheaterwissenschaftler und Theatermann Prof. Dr. Peter P. Pachl, der als Intendant und Regisseur immer wieder dafür sorgt, dass die Werke Siegfried Wagners aufgeführt werden, und der im Juni 2008 auch die polnische Erstaufführung des "Schmied von Marienburg" in Gdansk inszeniert hat, sieht in diesen Werken gigantische Tagebücher einer Zeit der sterbenden Monarchie und ungewisser Zukunftsaussichten in der Weimarer Republik.
Bei der Inszenierung wurden drei Zeitebenen berücksichtigt: die Zeit der gespielten Handlung der Oper (das Jahr 1410, die Niederlage der Ordensritter bei Tannenberg), die Zeit der Entstehung der Oper (Erster Weltkrieg, Sieg bei Tannenberg, Niederlage und Nachkriegszeit, Uraufführung der Oper 1923 in Rostock) und das Heute (Völkerverständigung, gemeinsame polnische Erstaufführung der Oper durch das pianopianissimo musiktheater München und die Polska Filharmonia Gdansk).
(Ralf Jochen Ehresmann, Online Musik Magazin www.omm.de)



Konzertsaal der Polska Filharmonia Baltycka Gdansk
Aufzeichnung vom 28.6.2008

Siegfried Wagner
"Der Schmied von Marienburg", Oper in drei Aufzügen op. 13


Heinrich Reuß von Plauen, Komtur von Schwetz - Marek Kalbus
Michael Küchmeister von Sternberg - Till Schulze
Alfred von Jungingen - Anton Leiß-Huber
Helwich von Hartenstein - Christoph von Weitzel
Muthart, Waffenschmied der Marienburg - Karl Schneider
Frau Madaldrut, seine Mutter - Anne Wieben
Wanhilt, seine Frau - Maacha Deubner
Martin, sein Geselle - Johannes Föttinger
Winelib, eine Waise - Therese Glaubitz
Willekin, ein Bürger - Ralf Sauerbrey
Friedelind, seine Tochter - Rebecca Broberg

Solis'ci oraz Chór
Orkiestra Symfoniczna Polskiej
Filharmonii Baltyckiej
Leitung: Frank Strobel


nach Konzertende ca. 21:27 Uhr Nachrichten

Konzert

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