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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 03.06.2009

"Der rote Punkt"

Hannelore Heider über einen Film, in dem auf ungewöhnliche Art Trauerarbeit geleistet wird

Szene aus dem Kinofilm "Der rote Punkt" von Marie Miyayam. (Movienet Film, Chris Hirschhaeuser)
Szene aus dem Kinofilm "Der rote Punkt" von Marie Miyayam. (Movienet Film, Chris Hirschhaeuser)

Der rote Punkt, der eine Stelle auf einer Landkarte markiert, ist eigentlich ein blinder Fleck für die junge Japanerin Aki. Um ihn zu ergründen, reist sie in dem Debütfilm von Marie Miyayama nach Deutschland. Dort wird Aki mit ihrer Familiengeschichte konfrontiert.

Deutschland /Japan 2008, Regie: Marie Miyayama, Darsteller: Yuki Inomata (Aki), Hans Kremer (Johannes Weber), Orlando Klaus (Elias), Imke Büchel (Erika Weber), 82 Minuten, ohne Altersangabe

Das ruhige, stimmungsvolle, ganz auf das Innenleben der Figuren konzentrierte Drama ist der HFF-Abschlussfilm und damit der Debütfilm der jungen Japanerin Marie Miyayama. Er wurde auf dem Hofer Festival 2008 mit dem "Förderpreis Deutscher Film" ausgezeichnet und führt eine junge Frau (Yuki Inomata) aus Japan nach Deutschland an einen Ort, den sie nur als roten Punkt auf einer Landkarte identifizieren kann.

Erinnerungsfetzen, wie eine Zugfahrt und die wandernde Sonne hinter Bäumen einer fremden Landschaft, haben die stille junge Frau magisch hierher gezogen. Die Karte war in einem geheimnisvollen Paket, das bisher von ihren Zieheltern vor ihr verborgen wurde. Sie ahnt, dass er mit ihrer Herkunft zu tun hat, aber jetzt will sie es endlich wissen und macht sich auf die weite Reise.

Der Film bleibt bei diesem still insistierenden, poetisch ausgemalten Ansatz, auch wenn im Folgenden ein Familiendrama enthüllt wird, mit dem die Japanerin in ihrer Kultur viel besser zurechtkommt, als Familie Kremer, bei der die Fremde in tiefster deutsche Provinz Unterkunft findet. Ihr Haus nicht weit von diesem als "rotem Punkt" markierten Ort, ein Rasenstück neben der Straße gegenüber einem Wäldchen.

Der Zuschauer braucht nicht viel zu mutmaßen, weil der schuldbeladen wirkende Vater (Johannes Weber) sich viel zu sehr um den fremden Gast kümmert und misstrauisch über jeden Kontakt Akis mit seinem gleichaltrigen Sohn Elias wacht. Die Auflösung dieser Verstrickung ist dann auch unspektakulär. Interessanter ist die beharrliche Suche der jungen Japanerin, ihr vorbehaltloses Eintauchen in diese fremde, offensichtlich nicht funktionierende Familie, ihre beeindruckende Trauerarbeit, als sie gewiss ist, dass ihre Familie an dieser Stelle starb.

Schuld und Vergebung ist das große Thema dieses kleinen Filmes, der seine Spannung nicht aus der dramatischen Auslösung von Konflikten zieht, sondern der genauen Beobachtung innerer Prozesse, was mit klaren, poetischen Bildern und einer faszinierenden Hauptdarstellerin erzählt wird. Das Wunder des "Kirschblüten – Hanami" findet diesmal in Deutschland statt.

Filmhomepage "Der rote Punkt"

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