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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 20.04.2008

Der Meister des Vibrafons

Vor 100 Jahren wurde der Jazz-Vibrafonist und Bandleader Lionel Hampton geboren

Von Günter Huesmann

Lionel Hampton, Vibrafon, spielt gemeinsam mit Benny Goodman und Teddy Wilson, 1982. (AP)
Lionel Hampton, Vibrafon, spielt gemeinsam mit Benny Goodman und Teddy Wilson, 1982. (AP)

Mit brillanten Einfällen und einer perkussiven Spielweise setzte Lionel Hampton dem Vibrafon als Soloinstrument in der Jazzgeschichte ein Denkmal. Gemeinsam mit Louis Armstrong und Benny Goodman stand der Musiker auf der Bühne und gründete später sein eigenes Orchester. Vor 100 Jahren wurde Lionel Hampton in Louisville in Kentucky geboren.

Das vulkanische Temperament, mit dem er spielte, hob jede Band auf ein neues Niveau. Lionel Hampton hat das Vibrafon im Jazz etabliert. Ein Instrument, das ursprünglich nur Lieferant von musikalischem Nebel zu sein schien, phrasierte er auf kolossal perkussive Weise. Er war ein Frühstarter. Mit 15 macht er sich mit der Teenager-Band von Les Hite auf den Weg nach Los Angeles. Louis Armstrong hörte das Hite-Orchester 1930 im Cotton Club und war so begeistert, dass er die Band mit ins Plattenstudio nahm. Hampton war damals Schlagzeuger. Zufällig stand in der Ecke ein Vibrafon.

"Louis fragte mich, was das für ein Instrument sei. Ich erklärte ihm: Das Vibrafon sei gerade erst in die Musikwelt eingeführt worden. Er fragte: 'Weißt Du, in welcher Tonart es gespielt wird?' Ich mimte den Starken und sagte: 'Na klar.' Dabei hatte ich es vorher nie gespielt. Er sagte: 'Roll es hierher, in die Mitte des Raumes, neben mich, und spiel. 'Und dann phrasierte ich eines seiner Soli, die ich von seinen Platten gelernt hatte. Und Junge, es klappte! Also sagte er: 'Oh, gut! Komm wir machen eine Platte daraus.'"

Geboren wurde Hampton am 20. April 1908, andere Quellen sprechen von 1909. Er arbeitete in Chicago als Zeitungsjunge, um in ein Musikförderprogramm für arme Kinder zu kommen. Dort spielte er in einer Marching Band Snare-Drum und im Sinfonieorchester Pauke. Nebenbei lernte er Xylofon. Auf Letzterem spielte er in seiner Freizeit Soli von Louis Armstrong und Coleman Hawkins Note für Note nach. Im "Paradise Night Club" in Los Angeles lernte er 1936 durch Zufall den Klarinettisten Benny Goodman kennen.

"Und dann begannen wir zu jammen. Wir spielten zwei Stunden ohne jede Absprache. Junge, diese Musik tönte durch ganz Los Angeles. Die Leute standen bis draußen auf der Straße. Der Club war so voll, vierhundert Leute, die sich stapelten und wie verrückt jubelten. Benny war begeistert. Er sagte: 'Lass uns morgen eine Platte aufnehmen. Willst Du mit uns gehen?' Und ich sagte: 'Klar.'"

Lionel Hampton und das Benny Goodman Quartett waren eine Sensation. Die Band sorgte in den damals von Rassentrennung geprägten USA dafür, dass die "colour line", das nach Hautfarbe getrennte Musizieren, durchbrochen wurde. Als Komponist schrieb Hampton über 200 Werke, darunter den Jazzklassiker "Flying Home". Seine wilde Energie schien mit dem Klang-Potenzial einer Big-Band auf natürliche Weise zusammen zu gehen. 1940 gründete er sein eigenes Orchester, mit ihm feierte er auf den großen Konzertbühnen der Welt Triumphe.

Hampton war ein fabelhafter Performer. Seine Stücke steigerten sich bisweilen in die Raserei, was einmal damit endete, dass alle Saxofonisten seines Orchesters vollbekleidet von einem Dampfer in den Potomac River sprangen. Kritiker rümpften die Nase über das angeblich rüde Spiel seiner Big-Band. Aber Hampton meinte, wenn die Musik zu einem wirklichen Erlebnis führe, sei es völlig in Ordnung, dass dies über eine Show geschehe.

"Haben wir beim Rhythm and Blues geborgt? Die haben von uns geborgt! Wir haben all diese Dinge schon gemacht, bevor man sie dann Rock'n'Roll nannte."

Hampton gründete Musikverlage, zwei eigene Plattenfirmen. Unermüdlich setzte er sich für die Belange der Afro-Amerikaner ein. Er baute im New Yorker Stadtteil Harlem Hunderte Wohnungen für einkommensschwache Familien.

Bei einem Wohnungsbrand 1997 entkam er nur knapp dem Tod und verlor fast seine gesamte Habe, darunter Kompositionen und Instrumente. Er starb 2003. Als er zu Grabe getragen wurde, schritt der Präsident der Vereinigten Staaten hinter dem Sarg. Nur vier Worte, so hatte es sich der Vibrafonist gewünscht, sollten auf seinem Grabstein stehen: "Lionel Hampton - Flying Home."

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