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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 08.09.2011

Der Mann auf dem Mond

Vor 50 Jahren erschien die erste Folge der Science-Fiction-Roman-Serie "Perry Rhodan"

Von Regina Kusch

In viele Sprachen übersetzt: "Perry Rhodan"-Autor Klaus Frick mit internationalen Ausgaben der Serie (picture alliance / dpa /Uli Deck)
In viele Sprachen übersetzt: "Perry Rhodan"-Autor Klaus Frick mit internationalen Ausgaben der Serie (picture alliance / dpa /Uli Deck)

Es war eine kleine Sensation in der Unterhaltungsliteratur, als am 8. September 1961 die erste deutsche Science-Fiction-Romanserie auf den Markt kam. Perry Rhodan hieß der waghalsige Astronaut, der im Jahr 1971 ins Weltall aufbrach. Vom Bildungsbürgertum als Schundliteratur verpönt, von einer begeisterten Fan-Gemeinde gefeiert, erscheint bis heute jede Woche eine neue Folge mit Abenteuern aus dem Perryversum.

"Alles okay, Rhodan."
"Hier ist alles okay, Pounder."
"Also Hals- und Beinbruch, Jungs! 5, 4, 3, 2, 1, Los!"


"Unternehmen Stardust" hieß das erste Heft, war sofort ausverkauft und musste nachgedruckt werden. Für 70 Pfennige konnte man die neue deutsche Weltraum-Serie Perry Rhodan ab dem 8. September 1961 am Kiosk erstehen. Seit zwei Monate vorher der russische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins All geflogen war, fieberte die Weltöffentlichkeit der daraufhin von Präsident Kennedy versprochenen Mondlandung entgegen. Da fand eine Science-Fiction-Abenteuer-Serie, die sich mit Raumfahrt im Jahr 1971 beschäftigte, vor allem bei einem männlichen, naturwissenschaftlich interessierten Publikum reißenden Absatz, erklärt der Publizist Rainer Stache, der seine Dissertation über Perry Rhodan verfasst hat.

""Perry Rhodan war in der Fiktion der erste Mondpilot, der dort Hinterlassenschaften einer fremden Kultur findet, deren technische Errungenschaften er sich zunutze macht, die Menschheit eint, den Atomkrieg verhindert und dann aus dieser Erde ein kleines Sternenreich schafft, was nach einigen kriegerischen Auseinandersetzungen sich die Erforschung des Universums auf die Fahnen geschrieben hat.''"

Perry Rhodans Eintreffen löste einen ungeheuren Wirbel aus. Auch gegen Ende des 5. Jahrtausends alter Zeitrechnung ist es keineswegs alltäglich, dass jemand plötzlich von einem Augenblick zum andern wie aus dem Nichts schlagartig körperlich wird, nicht in Form einer Holografie oder Materieprojektion, sondern real, fühlbar da ist.

Dank der telekinetischen Fähigkeiten seines Freundes Gucky, dem Mausbiber, reist Perry Rhodan in Bruchteilen von Sekunden an fast jeden Ort des Universums. Durch einen implantierten Zellaktivator unsterblich, ist er inzwischen im Jahr 5050 angekommen und die Heftserie als weltweit umfangreichster Science-Fiction-Fortsetzungsroman längst Kult geworden. Ein wechselnder Stab von Autoren schreibt sie seit fünf Jahrzehnten fort. Die meisten Folgen sind inzwischen als Hörbuch erschienen.

Von der Literaturkritik wurde Perry Rhodan als Groschenroman verachtet, der die Lesegewohnheiten der Jugend verderbe. Das ARD-Magazin "Monitor" glaubte, faschistoide Tendenzen zu erkennen. Dennoch wurden, in viele Sprachen übersetzt, weltweit über eine Milliarde Hefte verkauft, bis nach Brasilien und China. In den USA landete der amerikanische Major mit einer deutschen Großmutter allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Rainer Stache denkt, es war richtig, dass die Autoren niemals versucht haben, es allen Recht zu machen.

"Warum Perry Rhodan immer noch so erfolgreich ist, ist, dass ein geschlossener Kosmos geschildert wird. Man möchte wissen, wie es weitergeht, welchen Trick die Autoren noch finden, im Universum, in dem eigentlich schon alles erzählt ist, noch etwas Neues zu erzählen."

Der Wiener Kabarettist und Perry-Rhodan-Autor Leo Lukas hat die Arbeit an der Serie immer als literarische Herausforderung gesehen.

"Science-Fiction-Literatur war immer auch mit satirischer Literatur verbunden. Gullivers Reisen ist gleichzeitig Fantastik und auch Satire. Mir gefällt das, quasi in der Zukunft extrapoliert bestimmte Gesellschaftsformen zu entwickeln."

Wie zum Beispiel in der Folge "Robotermusik", in der ein Android Perry Rhodan eine Roboter-Fabrik vorführt:

Insbesondere Regisseure von Staatsbühnen, an denen fast ausschließlich sehr alte Inszenierungen noch älterer Stücke gezeigt werden, schätzen unsere Cyborgs sehr. Bei manchen Rollen allerdings, das will ich nicht verhehlen, treten eigenartige Übertragungseffekte auf, die unsere Programmierer noch nicht völlig im Griff haben. Eben kamen wir am R3-Saal vorbei, aus dem vielstimmiges, grässlich manieriertes Gebrüll ertönte. "Ein Pferd! Ein Pferd! Ein Königreich für…!" "Daran wird intensiv gearbeitet", versicherte ich Perry Rhodan und zog ihn hastig weiter.

Während die alte Serie weiterläuft, erlebt der intergalaktische Abenteurer zum 50. Geburtstag einen Neustart als "Perry Rhodan Neo". Die alten Episoden werden ins Jahr 2036 folgende verlegt. So will der Verlag mehr junge Leser ansprechen, denn die bestehende Fan-Gemeinde ist mit ihrem Helden in die Jahre gekommen.

Mehr zum Thema bei dradio.de:
Der kosmische Diplomat - Vor 50 Jahren erschien das erste "Perry Rhodan"-Heft

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Der kosmische Diplomat

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