Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 21.10.2012

Der Kosmopolit unter den Dirigenten

Vor 100 Jahren wurde Georg Solti geboren

Von Wolfgang Schreiber

Der britische Star-Dirigent Sir Georg Solti (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)
Der britische Star-Dirigent Sir Georg Solti (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Kaum einer reiste mit seinen Engagements so viel durch die Welt wie Georg Solti. Bereits mit 35 Jahren hatte der Dirigent einen lebenslangen Vertrag mit der Plattenfirma Decca geschlossen. 1972 wurde er nach zehn Jahren Tätigkeit für das Royal Opera House in London in den Adelsstand erhoben.

Georg Solti zählt zum berühmten Dirigenten-Jahrgang 1912, mit Sergiu Celibidache und Kurt Sanderling, mit Günter Wand und Erich Leinsdorf. Geboren am 21. Oktober 1912 in Budapest, war Solti der weltläufigste von allen, der arbeitsamste – so technikgläubig wie nur Karajan. Und wie dieser ein Schallplattenkrösus. Bestes Beispiel: Solti stemmte, von 1958 an, die erste Studioproduktion von Wagners "Ring"-Epos, klangästhetisch die optimale Einspielung mit den Wiener Philharmonikern und den besten Wagner-Sängern der Zeit. Aber Solti war nicht mit Wagner aufgewachsen, sondern mit der herben Musik Bela Bartóks, seines Lehrers.

Wie so viele Dirigenten hat Georg Solti seine Karriere am Klavier begonnen. Als Zwölfjähriger bezog er in Budapest die Liszt-Akademie, wurde dort Korrepetitor an der Oper und bekam eine einzigartige Chance bei den Salzburger Festspielen - als Assistent des großen Arturo Toscanini. Wo er auch Furtwängler begegnete. Von Toscanini, sagte Solti später, habe er die Disziplin gelernt, von Furtwängler, sie wieder zu vergessen.

Als Jude musste Solti 1939 aus Ungarn fliehen, in die Schweiz. Nach dem Krieg verschafften die deutschen Opernhäuser gute Arbeitsplätze, so stieg der junge ehrgeizige Solti auf zum Musikchef der Bayerischen Staatsoper, im kriegszerstörten München. Wo er dem greisen Richard Strauss begegnete - der seinen Dirigierstil kritisierte: "Sie fuchteln zuviel".

"Mein Besuch in Garmisch bei Strauss, der ein zauberhafter Mann war, mit einem enormen Charme ... Und ein erfahrener Operndirigent, wundervoll. Ich habe an einem Vormittag, als ich bei ihm in seinem Haus war, mehr gelernt als wahrscheinlich in meinem ganzen dirigentischen Leben vorher. Er sagte: 'Es soll nicht Ihnen gefallen, sondern lassen Sie es draußen dem Publikum gefallen.’ Weil, ich war damals noch so draufgängerisch.."

Georg Solti blieb noch lange bei der Oper. Von München aus ging er ans Frankfurter Opernhaus, wo das Gespräch mit dem Musikphilosophen Adorno ihm die Welt Mahlers und Bruckners öffnete. Zehn Jahre später wurde Solti Musikdirektor am Royal Opera House in London, die Karriere großen Stils begann. Der britische Staatsbürger wurde mit dem Adelstitel Sir geehrt.

Schon 1947 hatte Solti einen lebenslangen Vertrag geschlossen mit der Plattenfirma Decca. Seine Verdi-, Wagner-, Mozart- und Strauss-Aufnahmen wurden weltbekannt. Aber die Schallplatte schlug ihm quasi ein Schnippchen später: Als Solti erstmals in Bayreuth dirigierte, 1983 den "Ring", waren manche, die seinen Wiener Plattensound liebten, von seinem Wagner live enttäuscht. Der Maestro blieb nur einen Sommer in Bayreuth. Aber der Oper hatte er nach der Londoner Zeit sowieso Adieu gesagt. Solti wechselte 1969 zum Chicago Symphony Orchestra – in zweiundzwanzig Jahren dirigierte er hier rastlos das große klassisch-romantische Repertoire: Orchesterbrillanz, Präzision, Hochspannung ließen die Musik von Beethoven, Brahms oder Bruckner, Debussy, Strauss, Mahler oder Schostakowitsch nur so funkeln. Solti, der gestrenge, von Musikern auch gefürchtete Weltstar am Pult.

Nach Karajans Tod 1989 dirigierte Georg Solti auch in Salzburg, übernahm das Orchestre de Paris, dann das London Philharmonic. Und kurz vor seinem Tod am 5. September 1997 kehrte Sir Georg Solti in die Heimatstadt Budapest zurück. Das Konzert mit der ernsten Musik seiner alten Lehrer Weiner, Kodaly und Bartók hat die Platte verewigt.

Kalenderblatt

"Tunnel 28" Spektakuläre Flucht von Ost nach West
Szene aus dem Film "Tunnel 28", der die spektakuläre Tunnelflucht von Ost- nach West-Berlin im Jahr 1962 beschreibt. (picture alliance / dpa)

75 Fluchttunnel, die nach dem Mauerbau zwischen Ost- und Westberlin gegraben wurden, sind dokumentiert. Durch den "Tunnel 28" flohen heute vor 55 Jahren fast 30 Menschen aus der DDR. Noch im gleichen Jahr kam die geglückte Flucht als Spielfilm in die Kinos.Mehr

Vor 500 JahrenDas Ende der Mamluken-Herrschaft in Ägypten
Blick auf das Fort Kait Bey in Alexandria. Der Mamluken-Sultan Kait Bey ließ die dreistöckige Festung 1477 bei einem Besuch in Alexandria erbauen.  (dpa / picture-alliance / Mohamed Hamed)

Durch den Sieg über die als unbesiegbar geltenden Mongolen im Jahr 1260 schafften es die Mamluken, ein Kalifat in Ägypten zu installieren. Die ehemaligen Militärsklaven genossen hohes Ansehen bei der Bevölkerung. Doch vor 500 Jahren wurde ihr Reich vom osmanischen Heer zerschlagen.Mehr

75 Jahre Wannsee-KonferenzDie Vorbereitung des Massenmords
Das Haus der Wannsee-Konferenz (imago/McPHOTO )

Vor 75 Jahren wurde in einer Villa am Wannsee über die Vernichtung der Juden beraten. Knapp zwei Stunden dauerte die Besprechung. Ziel der Wannsee-Konferenz war es, einen Plan zur Deportation und Vernichtung der Juden aus westeuropäischen Ländern festzulegen.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur