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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 31.03.2010

"Der Kautions-Cop"

Hans-Ulrich Pönack hat eine misslungene Liebeskomödie gesehen

Als Journalistin und Kopfgeldjäger wollen sich Jennifer Aniston und Gerard Butler als frisch getrenntes Paar in diesem Hollywood-Streifen gegenseitig zur Strecke bringen, um am Ende wieder zueinander zu finden.

USA 2010, Regie: Andy Tennant, Hauptdarsteller: Jennifer Aniston, Gerard Butler, Christine Baranski, Jason Sudeikis, 110 Minuten, ab zwölf Jahren

Der 55-jährige Chicagoer Tennant gilt als "ordentlicher Gebrauchsregisseur" im Hollywood-Zirkus. Er debütierte 1995 mit der "Doppelten Lottchen"-Version "Eins und Eins macht vier", konnte 2002 und 2005 mit "Sweet Home Alabama – Liebe auf Umwegen" (mit Reese Whiterspoon) und "Hitch – Der Date-Doktor" (mit Will Smith) freundlich punkten. 2008 ging der Jux "Ein Schatz zum Verlieben" (mit Matthew McConaughey und Kate Hudson) gründlich "baden".

Jetzt hat Andy Tennant seinen inszenatorischen Tiefpunkt erreicht. Denn an diesem Streich hier, nach einem Drehbuch von Sarah Thorp (das im Grunde auf den Müllhaufen gehört), stimmt rein gar nichts. Was unsere amerikanischen Kollegen (u.a. von der "New York Times" oder der "Chicago Tribune") bestätigen: Was für ein dumpfer Schwachsinn breitet sich hier ebenso mühevoll wie dauerlangweilig aus.

"The Bounty Hunter", so der Originaltitel, handelt von einem solch "komischen" Kopfgeldjäger. Mit Namen Milo Boyd. Der sieht in Gestalt des 40-jährigen Schotten Gerard Butler ("300", "Gesetz der Rache", "Die nackte Wahrheit") ganz "kompakt" aus, wirkt aber ziemlich hirnlos. Ist als Polizist entlassen worden, ist geschieden und wegen Spielschulden klamm, versucht sich jetzt im menschlichen "Jagd-Business". Fängt gegen Kohle abgetauchte Menschen für die Justiz ein. Ein erwachsener "Lausbub", sich ständig überschätzend, zwischen unreif, plump und geschwätzig herumwuselnd. Auf gut Deutsch: Ein ewiger Doofkopp, der keine Lacher provoziert, sondern einem permanent auf den Wecker geht.

Seine Ex, Nicole Hurley, dargeboten von der 40-jährigen Jennifer Aniston ("Trennung mit Hindernissen", " ... und dann kam Polly"), stakst im Mini und Stöckelschuhen als "Enthüllungsjournalistin" durch die Szenerie und hat vor allem damit zu tun, sich andauernd ihre blonden Strähnen aus dem Gesicht zu streifen. Ansonsten macht sie gerne "auf genervt", weil sie gerade an einem "dollen Fall" dran ist, deshalb nicht vor Gericht erscheinen kann, was natürlich dazu führt, dass ihr Ex-Gatte sie einfangen und in den Knast bringen soll, was ihm mächtig Spaß macht, sagt er ständig. Also DAS mit dem Jagen und Fangen und Zurückbringen. Und überhaupt. Man ist wieder zusammen und darf sich wieder ununterbrochen streiten und auszutricksen bemühen.

Nicole wird in den Kofferraum verfrachtet, ans Bett gefesselt, während sie sich schon mal mit Elektroschocker zur Wehr setzt. Zwischendurch allerdings müssen sich beide zusammenraufen, denn da gibt es haufenweise finstere Gestalten, die sie alle machen wollen. Irgendwie hat das mit viel Geld, einem Mordfall, korrupten Polizisten und so etwas zu tun, während ein bekloppter Bürokollege von ihr als dauerverliebter Blödian-Gockel durchgeknallt als "Running Gag" mitmischt. Schließlich hat man seine Lektion gelernt und rauft sich wieder zusammen. Wer hätte das gedacht? Was das soll? Was das bedeutet: SCHROTT. Purer Unterhaltungsschrott, der sowohl als "romantische Liebeskomödie" wie als Action-Knaller wie auch als (behauptetes) Road Movie glatt durchfällt.

"Der Kautions-Cop" wirkt ständig verkrampft-bemüht, dummbazig-konstruiert und entsetzlich geschwätzig. Kommt er mit Action-Zoff daher (etwa wenn Autos zu Schrott gefahren werden oder ein Golf-Caddy "überraschend" im See landet oder wenn ein wenig geprügelt, gefoltert und geballert wird), dann bietet er Altbackenes, versucht er sich in Sachen "Paar und Beziehung", erreicht er das Prädikat "armselig". Uninspiriert. Unlustig. Mit routiniertem 08/15-Charme. Vorhersehbar, blöde, unwichtig, ermüdend. Und mit völlig uninteressanten Figuren.

Gerard Butler flitzt durch die Chose, als wolle er schnell wieder raus hier, Jennifer Aniston hat ihren Körper fein trainiert, sieht fratzig aus, muss sich andauernd, wie aufregend, ihre blonden Haarsträhnen aus dem halbverdeckten Gesicht streichen, und ist darstellerisch etwa so attraktiv wie eine blechernde Tanzstange. Fazit: Was für ein pointenloses, grausam langweilendes, dämliches Nichts von U-Kino. Zum Ignorieren SEHR geeignet.
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