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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 08.02.2012

"Der Junge mit dem Fahrrad"

Philosophisches Gefühlskino von Luc und Jean-Pierre Dardenne

Von Anke Leweke

Samantha hat nichts dagegen, dass Cyril am Wochenende zu ihr kommt. (picture alliance / dpa / Alamode Film)
Samantha hat nichts dagegen, dass Cyril am Wochenende zu ihr kommt. (picture alliance / dpa / Alamode Film)

Der Heimjunge Cyril hat es nicht leicht, aber zum Glück trifft er zufällig die junge Friseurin Samantha. Mit "Der Junge mit dem Fahrrad" machen die belgischen Brüder Dardenne das Kino wieder einmal zum wahren Ort des Lebens - und schenken Cyril ein Stück Geborgenheit.

Sie sind die Meister des sozialen Kinos unserer Zeit, sie nehmen den Zuschauer mit in andere gesellschaftliche Wirklichkeiten. Sie schauen sich um im Leben von "Rosetta", ihrer jungen Titelheldin, die mit ihrer Mutter am Rande einer Kleinstadt in einem schäbigen Campingwagen lebt. In "L'enfant" - "Das Kind" folgen sie einem jungen Mann, der in eine Notlage gerät und deshalb sein Baby verkauft. Und in "Lornas Schweigen" erzählen sie die Geschichte einer jungen Albanerin in Belgien, die sich für ihren Lebenstraum, eine Imbissbude, zwangsverheiraten lässt.

Auch in ihrem neuen Film "Der Junge mit dem Fahrrad" erzählen die Brüder Dardenne nicht nur eine Geschichte, sondern sie vergegenwärtigen ein Leben. Ihr kleiner Held Cyril sitzt auf dem Fahrrad und sucht nach Liebe. Immer wieder haut er aus dem Heim ab, versucht seinen Vater abzupassen, der jedoch ein neues Leben ohne seinen Sohn beginnen will. Luc und Jean-Pierre Dardenne übernehmen Cyrils Atemlosigkeit, geben seinen Fluchtinstinkten nach, verschaffen ihm einen Freiraum, im dem er seine Emotionen ausagieren kann.

Wie aus dem Nichts fragt Cyril eine junge Friseurin (Cécile de France), die er zufällig im Wartezimmer eines Arztes trifft, ob er am Wochenende zu ihr kommen dürfe. Plötzlich wird das Kino zum Ort einer bedingungslosen Solidarität: Samantha stimmt zu. Für diese wunderbare Geste wird der Film kein Motiv liefern. So schenkt das Kino einem kleinen Jungen ein Stück Geborgenheit, bevor er sich wieder auf sein Fahrrad schwingt, ohne zu wissen, welche Zumutungen das Leben für ihn hinter der nächsten Kurve noch bereit halten mag.

Belgien, Frankreich, Italien 2011, Originaltitel: "Le gamin au vélo", Regie: Jean-Pierre Dardenne, Luc Dardenne, Darsteller: Thomas Doret, Cécile De France, Jérémie Renier, Egon Di Mateo, Fabrizio Rongione, ab 12 Jahren, 87 Minuten

Filmhomepage

Mehr zum Thema bei dradio.de:
"Immer die Suche nach dem Vater" - Die Brüder Dardenne über ihren Film "Der Junge mit dem Fahrrad" (DKultur, Kino und Film vom 5.2.2012)

Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

"Immer die Suche nach dem Vater"
Zwischen Sozialdrama und Comic

Externe Links:

Der Junge mit dem Fahrrad

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