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Buchkritik

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SachbuchLässt sich Demenz verhindern?
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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 02.10.2007

Der Irrsinn des Scheiterns

Richard Yates: "Verliebte Lügner. Short Storys", Deutsche Verlags-Anstalt, 318 Seiten

Der amerikanische Traum geht nicht für jeden in Erfüllung.
Der amerikanische Traum geht nicht für jeden in Erfüllung. (AP Archiv)

"Verliebte Lügner", der Band mit Kurzgeschichten des 1992 verstorbenen Amerikaners Richard Yates, erschien 1981 im Original und zeigt den Autor auf der Höhe seiner Kunst. Zwischen den 1930er und 1960e -Jahren sind Yates' sieben Geschichten angesiedelt, und sie machen deutlich, welche Hoffnungen insbesondere in den Nachkriegsjahren der USA durch die Köpfe geisterten.

Kaum eine Wiederentdeckung sorgte in den letzten Jahren hierzulande für so viel Aufsehen wie die des 1992 verstorbenen Amerikaners Richard Yates, der nach seinem Tod selbst in seiner Heimat ein Vergessener war. Mit den Romanen "Zeiten des Aufruhrs" und "Easter Parade" sowie den Kurzgeschichten "Elf Arten der Einsamkeit" ist inzwischen ein wichtiger Teil des Yates'schen Werkes präsent. "Verliebte Lügner", der neue Band mit "short stories", erschien 1981 im Original und zeigt den Autor auf der Höhe seiner Kunst.

Wieder einmal führt er in meist (klein-)bürgerliche Wohnstuben und zeigt Menschen, die von hochfahrenden Sehnsüchten beherrscht werden, sich von schillernden Seifenblasen beeindrucken lassen, die in der Realität rasch zerplatzen. So ernüchternd sich das tägliche Einerlei erweist, so wenig sind die Figuren bereit, ihr Schicksal anzunehmen.

Zwischen den 1930er- und 1960er-Jahren sind Yates' sieben Geschichten angesiedelt, und sie machen deutlich, welche Hoffnungen insbesondere in den Nachkriegsjahren durch die Köpfe geisterten.

Da erleben wir (in "Probelauf") die Wirtschaftsjournalistin Elizabeth Baker, die meint, sich unter Wert zu verkaufen, niederschmetternd endende Affären eingeht, kommunistischen Ideen nachhängt und mit ihrer Bekannten Lucy Towers zusammenzieht - ein Entschluss, der nach wenigen Monaten zum Desaster gerät: "Keiner der Towers ging zum Fenster, um zum Abschied zu winken, aber das war bedeutungslos, weil keiner der Bakers zurückblickte."

Nicht viel anders ergeht es (in "Ach, Joseph, ich bin so müde") einer mittelmäßigen Bildhauerin, die davon träumt, eine Büste von Präsident Roosevelt anzufertigen und dadurch Berühmtheit zu erlangen. Am Ende steht auch sie vor den Trümmern ihres Wolkenkuckucksheims.

Die Kraft dieser Geschichten liegt in ihrer schonungslosen Klarheit, im Mut, den Irrsinn des Scheiterns nicht schönzureden - im Gegensatz zu Yates' Protagonisten: Diese schmücken ihre Biografien ständig aus, überbieten sich mit Lügenmärchen, die vom Mittelmaß des tatsächlich Erlebten ablenken sollen.

Ein Held, eine Heldin wäre man gern - und wird es vermutlich nie sein, wie in der autobiografisch grundierten Schlusserzählung "Abschied von Sally". Dort erhält der glücklose Schriftsteller Jack Fields die Möglichkeit, sich als Hollywood-Drehbuchautor zu bewähren, und kommt sich mit einem Mal vor, als wandele er auf den Spuren von F. Scott Fitzgerald.

"Verliebte Lügner" zeigt - trotz Anette Grubes bisweilen liebloser Übersetzung - aufs Neue einen grandiosen Erzähler, der den "amerikanischen Traum" rigoros in seine Einzelteile zerlegt.


Rezensiert von Rainer Moritz

Richard Yates: Verliebte Lügner. Short Storys
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
Deutsche Verlags-Anstalt
318 Seiten, 19,95 Euro