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"Der Hobbit- Eine unerwartete Reise"

Peter Jackson liefert die Vorgeschichte zu seiner bildgewaltigen "Herr der Ringe"-Trilogie

Von Jörg Taszman

Bilbo Beutlin (Martin Freeman) erlebt das Abenteuer seines Lebens.
Bilbo Beutlin (Martin Freeman) erlebt das Abenteuer seines Lebens. (picture alliance / dpa / Itar-Tass)

Es gibt grandiose Szenen, wunderbare Einfälle und wenige Überraschungen in diesem wuchtigen Film von Peter Jackson. Daueraction, Maske und Special Effects lenken aber oft von der Geschichte ab, meint Filmkritiker Jörg Taszman.

Peter Jackson klotzt in seinem Hobbit von Beginn an. Während bei Tolkien die Geschichte vom Hobbit Bilbo BeutIin, der auf den Zauberer Gandalf trifft, relativ gemütlich einsetzt, hat der neuseeländische Filmemacher einen bildgewaltigen Prolog inszeniert, der wie eine gigantische "entfernte Szene" aus dem Bonusmaterial zu "Herr der Ringe" wirkt. Es geht um die Gier nach Gold, den Untergang des einst mächtigen Zwergenreiches beim vergeblichen Kampf gegen den Drachen Smaug . Schon in dieser Eröffnungssequenz macht Peter Jackson deutlich, dass es sich auch bei diesem "Prequel" mehr um eine Weiterführung seiner "Herr der Ringe"-Trilogie handelt, als um die adäquate Adaption des Kinder- und Jugendbuches "Der kleine Hobbit".

Szene aus Peter Jacksons "Hobbit"-VerfilmungSzene aus Peter Jacksons "Hobbit"-Verfilmung (picture alliance / dpa / Warner)Dann endlich nach einer weiteren überflüssigen Rahmenhandlung mit dem gealterten Bilbo, der seinem Neffen Frodo von seinen damaligen Heldentaten berichtet, kommt der Zeitsprung 60 Jahre zurück. Bilbo, gespielt von Martin Freeman, trifft nun endlich Gandalf und die kurz darauf bei ihm einfallenden 13 Zwerge und begibt sich mit ihnen auf die gefährliche Reise zum Drachen. Und auch hier hat man als Betrachter gleich zwei Probleme. Auch bei Peter Jackson erweist sich das modische 3D als eine unausgereifte Technik, die Bilder zwischen Puppenstube und grandiosen Landschaftstotalen bietet. Ebenso störend sind die Masken der Zwerge, die sich meist hinter Riesenlatexnasen und wirren Haar Perücken verstecken , während ihr Anführer Thorin Eichenschild dagegen erfreulich menschlicher und ungeschminkter daherkommt. Diese Inkonsequenz in der Darstellung der Zwerge lenkt vom Geschehen. Das Grundproblem dieses ersten Teils der dreiteiligen Hobbitverfilmung ist generell, dass computeranimierte Special Effects sich zu sehr in den Vordergrund drängen und so den Geschichtenerzähler Peter Jackson bremsen.

Es gibt grandiose Szenen, wunderbare Einfälle und wenige Überraschungen in diesem wuchtigen Film, die den Zuschauer immer wieder zurück in die Fantasiewelt der Zwerge, Orks, Trolle und Elfen treiben. Generell hat sich Peter Jackson jedoch wieder auf eklige, synthetische Riesenbösewichter verlassen, auf endlose Kampfszenen und eine Dramaturgie, die Daueraction favorisiert. Vielleicht muss man sich auch erst wieder an diesen Filmstil gewöhnen. Bei "Herr der Ringe" war auch erst der dritte Teil wirklich herausragend und berührend. So bleibt "Der Hobbit" Teil eins eine überlange, erwartete Reise in Peter Jacksons Bilderwelten, die sehr zwiespältig geraten ist.

USA / Neuseeland 2012. Originaltitel: The Hobbit: An Unexpected Journey. Regie: Peter Jackson. Darsteller: Martin Freeman, Ian McKellen, Cate Blanchett, Ian Holm, Christopher Lee, Hugo Weaving, Elijah Wood, Orlando Bloom. Ab 12 Jahren, 169 Minuten.

Filmhomepage "Der Hobbit"

Weitere Infos auf dradio.de:
Ein Kontinent im Hobbit-Fieber
Die Hobbits kommen
Die beste Film-Hexenküche der Welt

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