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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 06.04.2005

Der Freizeitwert der Zeit

Vor 25 Jahren wurde die Sommerzeit wieder eingeführt

Von Ulrich Kurzer

Seit 2003 wird die Zeit europaweit am letzten Sonntag im März umgestellt (AP)
Seit 2003 wird die Zeit europaweit am letzten Sonntag im März umgestellt (AP)

Seit 1980 werden die Uhren im Frühjar wieder um eine Stunde vorgestellt. Ziel war es durch die Sommerzeit Energie zu sparen. Die Ölkrise in den 70ern hatte den Industrieländern damals gezeigt, wie abhängig sie vom Rohöl sind. Doch heute geht es vor allem um den Freizeitwert der Sommerzeit.

Seit 1980 gibt es in Deutschland wieder die Sommerzeit. Die Meinungen über das Für und Wider dieser Zeitumstellung gehen immer noch auseinander:

"Den Sommer an sich finde ich schön, die Uhrumstellung habe ich noch nie gemocht.

…find' ich gut, ja ich finde, da kann man wirklich den Tag optimal ausnutzen mit der Sommerzeit

Ich persönlich halte da nicht viel von, von mir aus könnte das auch das ganze Jahr über gleich durchgehen, weil es ist immer 'ne Umstellung, die 'ne ganze Zeit lang dauert, bis man wieder sich an die neue Uhrzeit gewöhnt hat.

Also, ich finde das auch 'nen bisschen unsinnig entweder sollte man sich für die eine oder die andere Zeit entscheiden.

Ich find' die Sommerzeit toll, mir macht das Spaß, ich habe auch gerne immer ein Stunde länger hell."

Und immer noch ist Ratlosigkeit anzutreffen: Sommerzeit? - Was bedeutet das doch gleich noch 'mal?

"Ähm, - das man länger schlafen muss, ne, oder kürzer..... Sommerzeit, schläft man da länger oder kürzer?"

Am 6. April 1980 führten die beiden deutschen Staaten nach langer Pause wieder die Sommerzeit ein, die es in Deutschland bereits in den beiden Weltkriegen gegeben hatte. Damals sollten Elektrizität und Rohstoffe gespart werden, weil sie dringend für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Auch 1980 ging es darum Energie einzusparen, denn in den siebziger Jahren hatte die so genannte Ölkrise den Industrieländern gezeigt, wie abhängig sie vom Rohöl waren.

Doch - eine nennenswerte Einsparung von Energie hat die Umstellung der Uhren zu keiner Zeit erbracht. Heute steht der Freizeitwert der Sommerzeit hoch im Kurs. Viele von uns möchten sie nicht mehr missen. Abends ist es länger hell und das Tageslicht wird besser ausgenutzt, beim Sport und in der Bierwirtschaft.
Inzwischen ist der Beginn der Sommerzeit in der Europäischen Union einheitlich geregelt. In einer Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates der EU heißt es dazu:

"Ab dem Jahr 2003 beginnt die Sommerzeit in jedem Mitgliedsstaat am letzten Sonntag im März (...)."

Dieser Übereinkunft haben sich übrigens auch Norwegen und die Schweiz angeschlossen, obwohl sie nicht der Europäischen Union angehören. 1980 allerdings gab es noch keine gemeinsame Regelung der europäischen Staaten, sondern unterschiedliche Umstellungstermine und mit der Schweiz und Jugoslawien auch Länder, die ihre Uhren nicht vorgestellt hatten. Im grenzüberschreitenden Zugverkehr ergaben sich dadurch einige Probleme.

Die Uhren umstellen, - was sich so einfach anhört, war 1980 noch mit größerem Aufwand verbunden, erklärt Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt:

"Die Zahl der Funkempfänger in der damaligen Zeit war noch sehr klein, und insbesondere die meisten öffentlichen Uhren waren sicher noch Quarzuhren oder elektrische Normaluhren, das heißt, bei denen musste man die Zeit noch per Hand umstellen."

Heute sind die öffentlichen Uhren in der Regel "Funkuhren". Alle Bahnhofsuhren etwa. Und die werden nicht mehr per Hand umgestellt. Das besorgt der Langwellensender in Mainflingen bei Frankfurt mit diesen Tonfolgen. Er bekommt seine Impulse von einer Atomuhr, die in der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig steht. Die PTB, so die Abkürzung für die Behörde, ist nach dem deutschen Zeitgesetz für die Darstellung und Verbreitung der gesetzlichen Zeit zuständig. Doch - wie wird die Zeit dargestellt? Andreas Bauch:

"Es gibt weltweit ein Netz von Instituten, (...) die die Aufgabe haben, für das jeweilige Land zu sagen, wie spät es ist. Ganz einfache Sache. Und im Prinzip stellt man die Zeit (...) damit dar, dass man eine Uhr betreibt, deren Anzeige dann die jeweils gültige Zeit ist."

Doch an dieser Uhr gibt es kein Uhrwerk und keine Zeiger. Sie sieht aus wie ein großer Heizkessel und - sie hört sich auch so an.

"Wir stehen hier in der Atomuhrenhalle unseres Instituts, das ist ein großer Raum, indem man auch Tennis spielen könnte, (...) wir stehen unmittelbar vor der Uhr mit dem Namen CS 2, CS für Cäsium, 2, die laufende Nummer 2, das ist diejenige Uhr, die für unser Land die richtigen Sekundenintervalle liefert,"

und so dafür sorgt, dass überall in Deutschland die Uhren richtig gehen. Am letzten Sonntag im Oktober veranlassen die Sekundenmarken der Braunschweiger Atomuhr dann wieder alle öffentlichen Uhren zur Rückkehr auf die Mitteleuropäische Zeit. Am 30. Oktober um drei Uhr morgens werden die Uhren wieder um eine Stunde zurückgestellt. - Und auch das ist in der Europäischen Union inzwischen einheitlich geregelt.

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