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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.04.2010

"Der, der das höchste Gebot abgibt, der gewinnt"

Präsident der Bundesnetzagentur über die Versteigerung der mobilen Internetfrequenzen

Matthias Kurth im Gespräch mit Nana Brink

Matthias Kurth erwartet einen Bieterwettbewerb. (AP)
Matthias Kurth erwartet einen Bieterwettbewerb. (AP)

Matthias Kurth rechnet nicht mit schnellen Auktionsergebnissen bei der Versteigerung der mobilen Internetfrequenzen. Gewinner werde es "mehrere" geben.

Nana Brink: Heute also kommen die heiß begehrten Frequenzen unter den Hammer, und sie entscheiden nicht zuletzt über die Marktchancen der Mobilfunkanbieter in den nächsten 15 bis 20 Jahren.

Und ich spreche jetzt mit Matthias Kurth, dem Chef der Bundesnetzagentur. Sie überwacht in Deutschland den Wettbewerb in der Telekommunikation – einen schönen guten Morgen, Herr Kurth!

Matthias Kurth: Ja, guten Morgen, Frau Brink!

Brink: Werden sich die vier großen Mobilfunkanbieter, also Vodafone, T-Mobile und E-Plus und O2 einen harten Bieterwettkampf liefern heute?

Kurth: Ja, auf jeden Fall kann man jetzt schon sagen, dass die Nachfrage auch dieser vier Bieter bei Weitem das Angebot, das wir machen können, übersteigt. Also es spricht schon einiges dafür, dass es jedenfalls einen Bietwettbewerb geben wird.

Brink: Wie muss ich mir denn in diesem Bieterkampf die Spielregeln vorstellen? Was passiert da ganz konkret?

Kurth: Na ja, im Prinzip ist es wie bei jeder Auktion: Derjenige, der das höchste Gebot abgibt, der gewinnt. Natürlich werden in diesem Fall mehrere gewinnen, weil wir viel anzubieten haben. Aber um die konkreten Blöcke, aber auch um die konkreten Positionen bei den Frequenzen wird natürlich gerungen werden.

Brink: Muss ich mir das so vorstellen, dass Sie dann wirklich mit dem Hammer daneben stehen und dann irgendwann sagen, topp, Sie bekommen den Zuschlag?

Kurth: Ja nein, wir haben wie vor zehn Jahren eine Stoppuhr, wir haben Runden und am Ende dieser Runde wird auf einem Computerbildschirm das jeweilige Rundenergebnis bekannt gegeben.

Brink: Aber das ist schon spannend, oder?

Kurth: Es ist schon spannend, das kann aber, was wir damals ja auch erlebt haben, zum Teil lange dauern. Also man muss nicht damit rechnen, dass das heute schon zu Ende ist, sondern wir gehen eher davon aus, dass es etliche Tage, wenn nicht gar auch Wochen wieder dauern kann.

Brink: Ein Insider des Geschäftes hat einmal gesagt, der deutsche Mobilfunkmarkt ist eine Spielwiese für große Buben. Vier Große spielen mit – Vodafone, T-Mobile, E-Plus und O2. Warum sind das nicht mehr?

Kurth: Na ja, es ist sicherlich so, dass viele sich das überlegt haben, aber dann natürlich gesehen haben, dass in Deutschland in diesem Mobilfunkmarkt ein harter Wettbewerb herrscht. Es hat auch einer, der sich interessiert hat, wieder zurückgezogen, wahrscheinlich weil er diesen Wettbewerb und auch Markteintrittshürden gescheut hat, denn man muss ja ein Netz aufbauen, man muss jetzt bei der Frequenz mitsteigern können, und man muss dann Kunden gewinnen.

Und wir haben auch vor zehn Jahren schon erlebt, dass es nicht so einfach ist, in einem etablierten Markt, selbst mit über 80 Millionen Menschen, Kunden abzuwerben. Das dauert sehr viel lange, muss man viel Werbung machen, man muss zunächst mal sehr viel Geld investieren, bevor man seine Kunden gewinnt. Und insofern ist das auch ein Kompliment für den starken Wettbewerb in Deutschland.

Brink: Das heißt, die Platzhirsche haben aber die anderen dann schon ausgebootet?

Kurth: Nicht ausgebootet. Ich denke mal, die Platzhirsche untereinander liefern sich ja auch einen intensiven Wettbewerb. Die Preise sind gesunken, die Margen auch im Mobilfunkmarkt sind eher geringer geworden, und das ist sozusagen ein Zeichen, dass, sagen wir mal, Fünfte oder Sechste oder Siebte vielleicht vorsichtig sind, sich in einen solchen Markt zu begeben.

Im Übrigen, wir brauchen auch nicht 20 Wettbewerber, um attraktive Angebote zu haben. Ich glaube es ist auch ein Irrglaube zu sagen, je mehr dabei sind, umso besser ist es für den Kunden. Das wird in einem solchen Verfahren objektiv ermittelt.

Brink: Nun geht es ja hauptsächlich um die sogenannte digitale Dividende, wir haben es in dem Beitrag gehört. Verkürzt gesagt: Mit weniger Sendemasten sollen größere Gebiete abgedeckt werden.

Aber die Politik hat das ja auch an Bedingungen geknüpft, nämlich die Unternehmen müssen auch die Dörfer an das schnelle Internet anbinden, die bislang abgeschnitten waren. Ist das dann noch wirklich lukrativ, werden die Unternehmen die Kröte schlucken?

Kurth: Ja, das müssen sie in gewisser Weise, denn wir haben das zur Auflage gemacht. Übrigens, die Netzagentur hat das in die Versteigerungsbedingungen mit reingeschrieben: Man wird die Frequenzen, jedenfalls die digitale Dividende im unteren Frequenzband in den Städten erst dann nutzen dürfen, wenn man 90 Prozent auf dem flachen Land aufgebaut hat.

Also es gibt gar keine andere Wahl, und ob sie das machen werden, werden wir ab heute sehen, denn ich glaube, trotzdem ist es sehr attraktiv, diese Frequenzen zu erhalten und auch dort ein Netz für Kunden auszubauen.

Brink: Warum ist denn diese Versteigerung so entscheidend für die Zukunft dieser Mobilfunkunternehmen?

Kurth: Na ja, in Ihrer Anmoderation ist das schon gesagt worden: Wir haben eine Explosion des Datenverkehrs im Mobilfunks durch intelligente Telefone, durch Laptops, die internetfähig sind, durch Videos wie Youtube und soziale Netzwerke, den Austausch von Filmen über das Netz, und das erfordert einerseits mehr Kapazitäten, und zweitens wollen wir alle ja gar nicht lange warten, bis man so ein Video sehen kann.

Je qualitätvoller diese Dienste werden, umso mehr Frequenzen, umso mehr Kapazitäten brauchen wir, sonst funktionieren die Geräte nicht. Im Moment ist es in New York schon so, dass nicht alle iPhones immer funktionieren, weil dort zu wenig Frequenzen vorhanden sind. Das will ich in Deutschland vermeiden.

Brink: Was bedeutet dieser Bieterkampf um die Frequenzen jetzt eigentlich für uns Kunden? Wird es billiger?

Kurth: Also in den letzten Jahren ist es billiger geworden. Wir haben im Mobilfunk erlebt, dass die Preise gepurzelt sind, obwohl wir mehr Leistung in Anspruch nehmen. Also wir haben eine Erfahrung, dass Wettbewerb uns allen nutzt, und neue Frequenzen ermöglichen natürlich auch mehr effiziente Nutzung.

Es stehen ja neue Techniken auch bevor, gerade auch in der Datenübertragung, die alle schon entwickelt wurden, und wenn diese neuen Techniken kommen, ist das sicherlich auch wieder ein Vorteil für uns als Verbraucher und für die Unternehmen.

Brink: Vor zehn Jahren brachte die letzte Versteigerung von Frequenzen die erfreuliche Summe von 50 Milliarden Euro für den Bundesfinanzminister, eine Traumsumme, die Sie vielleicht nicht mehr erreichen. Was erhoffen Sie?

Kurth: Also ich denke mal, die Auktion hat eigentlich nicht das Ziel, die Einnahmen des Staats zu maximieren.

Brink: Aber es ist doch eine angenehme Nebenerscheinung, nicht?

Kurth: Das ist eine angenehme Nebenerscheinung, aber wir wollen die leistungsfähigsten Unternehmen ermitteln und das ist eben nach einem ökonomischen Prinzip auch derjenige, der bei einer solchen Auktion sich durchsetzt. Wer sich da durchsetzt, gerade in der Finanzkrise, der bietet auch die eheste Gewähr, dass er das Netz aufbauen kann, dass er auch in der Lage ist, nachher diese Leistung zu bringen. Jemand, der das sozusagen nahezu umsonst bekommen würde, bei dem wäre es sehr viel zweifelhafter, ob er nachher auch die Dienste so schnell anbietet, wie wir das alle erwarten.

Brink: Also was kommt nun wirklich rum?

Kurth: Ich bin kein Hellseher. Es wird sicherlich nicht mehr die Summe von vor zehn Jahren sein, aber es ist auch nicht so, dass die Sache uninteressant ist. Also ich gebe da keine Prognose ab, da kann man sich blamieren, wir sind auf alle Fälle eingerichtet, und das ist ja gerade das Spannende, dass man das Ergebnis vorher nicht kennt.

Brink: Also die eine oder andere Milliarde wird doch beim Bundesfinanzminister dann verbleiben. Vielen Dank, Matthias Kurth, Chef der Bundesnetzagentur, und wir sprachen über die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen.

Kurth: Ja, vielen Dank, Frau Brink!

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